Debatten zur Entstehung des Hohenstaufens

Ist der Hohenstaufen ein Zeugenberg oder von Menschenhand geformt? Im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen tat der Architekt Reinhard Gunst seine Meinung bei einer Wanderung kund.

|
Reinhard Gunst (hinten) bricht mit den gängigen geologischen Theorien. Bei einer "Ver-Führung" sprach er über die Entstehung des Hohenstaufens.  Foto: 

Reinhard Gunst, der als Architekt freiberuflich in Stuttgart tätig ist, bricht mit den gängigen geologischen Theorien. Für ihn ist der Hohenstaufen nicht einfach ein Zeugenberg, der sich in der Vergangenheit gebildet hat. Er hält an der Meinung fest, der Hohenstaufen sei ein Werk von Menschenhand, das noch vor der Keltenzeit entstanden sei. Diese Aussage wirft alles über den Haufen, was die Geologie erforscht und lehrt.

Eine sehr mutige These, wie auch Diskussionen mit ansässigen Geologen zeigen, die in der Vergangenheit von der NWZ veröffentlicht wurden. Doch wie kam er überhaupt zu dieser These? "Ich habe mich immer schon gefragt, weshalb die Drei Kaiserberge von allen Seiten ein perfektes Panorama bieten. Ich glaube, dass die Menschen die Landschaft nach geometrischen Gesichtspunkten umgestaltet haben", erklärte Gunst.

Die Frage, die sich jeder sofort stellt: Wozu das Ganze? Wieso sollten unsere Vorfahren diese unglaubliche Masse des Hohenstaufens an genau die Stelle getragen haben, an dem der Hohenstaufen heute in den Himmel ragt. Für Gunst ist die Antwort so plausibel wie einleuchtend: "Der Hohenstaufen stellt einen Verbindungsbau dar zwischen dem Petit Ballon im Elsass und dem Braunenberg in Aalen. Aufgrund seiner Höhe und der nach Nord-Osten ausgerichteten Achse war er darauf abgestimmt, eine Sichtverbindung zwischen den zwei Bergen herzustellen." Außerdem wurde er seiner Meinung nach geschaffen, um ein ideales Landschaftsbild zu erhalten. Auch für den Umriss des Hohenstaufen-Plateaus hat der gelernte Architekt eine Theorie: "Das Plateau wurde aus dem Sternbild Löwen entwickelt." Für so manchen Teilnehmer war dieser Aspekt interessant, aber abstrakt und weithergeholt.

Außerdem werden zwischen Spielburg und Hohenstaufen von Gunst Spuren von Langhäusern vermutet, die auf eine Siedlung hindeuten. Diese soll in der Jungsteinzeit dort rund um den Berg angelegt gewesen sein. Dieser Aspekt fand bei der Mehrzahl der Teilnehmer, die auch von Schwäbisch Gmünd angereist waren, Anklang.

"Die Wanderung ist sehr interessant. Herr Gunst macht sich nachvollziehbare Gedanken und bringt viele neue Aspekte ins Gespräch, die bisher nicht so aufgekommen sind. Aber er sagt ja auch selbst, dass jede neue Idee anfangs angefochten und belächelt wird", sagte Gerhard Wellhöfer. Der Hohenstaufener betonte: "Mit meinen Erfahrungen aus der Höhlenforschung kann ich manche These schwer nachvollziehen. Der Behauptung, der Hohenstaufen sei erbaut, kann ich beispielsweise schwer zustimmen, aufgrund der vorhandenen Gesteinsformationen." Als "total schlüssig" bezeichnet Gundi Schütz die Erklärungen, da es Bauwerke dieser Art auch an anderen Orten gebe. "Ich habe mir schon in anderen Ländern megalithische Bauwerke angeschaut. Mich interessiert das. Ich habe das Buch von Herrn Gunst zweimal gelesen. Ich finde es sehr anspruchsvoll, aber interessant und nachvollziehbar", betonte die Teilnehmerin aus Schwäbisch Gmünd.

Abgerundet wurde die Wanderung in der Staufenland-Galerie mit einer Vernissage von Stichen aus der Zeit von 1650 bis 1850, die den Hohenstaufen zeigten. Veranstalter Rüdiger Wolff sagte: "Die Wanderung passt gut in das Konzept des Sommers der Ver-Führungen. Da das Buch erst nach dem vergangenen Führungs-Programm erschienen ist, konnten wir die Veranstaltung in dieser Form erst dieses Jahr anbieten. Da wir eine hochwertige Veranstaltung wollen, achten wir darauf, dass alle Module zusammenpassen. Und die Vernissage passt unserer Meinung nach super dazu."

Bei Wein und Gegrilltem tat sich im Anschluss an die Wanderung mit der Zeit auch die eine oder andere Debatte auf. Ob jeder Teilnehmer der These zustimmen konnte, war fraglich. Die Wanderung hat aber sicherlich den Horizont jedes Einzelnen erweitert.
 


Schon ver-führt?

1. August: 17 Uhr, Mittelmühle Adelberg, "Zehn Jahre braucht ein Christbaum", sommerliche Weihnachtsbaumwanderung

Ausgebucht ist die Veranstaltung "Erlebniskräutergarten Sanct Bernhard" des Tourismus- und Kulturbüros in Bad Ditzenbach am 19. August. Es gibt jedoch einen Zusatztermin, der bereits am 12. August stattfindet, Beginn 14 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Sommer der Verführungen

Vom 19. Juli bis 14. September sind beim 10. Sommer der Verführungen mehr als 300 Angebote im Programm.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mehrheit lehnt Messstelle an der Sternkreuzung ab

Die Mehrheit im Göppinger Gemeinderat hat eine Messstelle für Luftschadstoffe an der Sternkreuzung abgelehnt. Auch die Verwaltung war dagegen. weiter lesen