Das Wertvollste sind Zeit und Zuwendung

Im Krankenhaus bekommt der Seelsorger für manche Menschen eine größere Bedeutung - vor allem bei der Konfrontation mit dem Tod.

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Dietrich Kauderer: Krankenhausseelsorge gehört zum Wesenskern einer christlichen Kirche.

Ein kirchliches Tätigkeitsfeld, das nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, war Schwerpunktthema bei der Frühjahrstagung der Evangelischen Bezirkssynode Göppingen: die Seelsorge in den Kliniken und Altenpflegeheimen im Landkreis. Drei Seelsorgerinnen und zwei Seelsorger versehen hier im Auftrag der Evangelischen Landeskirche Württemberg ihren Dienst. Es sind Beate Schlumberger und Michael Kröner in der Klinik am Eichert, Gisela Schindler-Sautter und Frieder Sautter in der Psychiatrischen Klinik Christophsbad sowie Gabriele Klinghardt in den Heimen der Wilhelmshilfe. Die fünf Hauptamtlichen berichteten vor der Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Göppingen über ihre Arbeit.

Zeit haben, zuhören, Gefühle wahrnehmen und zulassen, Ängste aushalten, Worte finden, einen Weg mitgehen, den Rücken stärken, miteinander und füreinander beten - so beschrieben sie vor den hundert Synodalen das Wesen christlicher Seelsorge. "Es kommt darauf an, die Menschen im Krankenhaus spüren zu lassen, dass sie nicht von Gott verlassen sind", sagte Pfarrer Michael Kröner. Alle Patienten bekämen nach ihrer Einlieferung ein Informationsblatt. In Absprache mit dem katholischen Kollegen besuche er alle Patienten einer Station ohne nach der Konfessionszugehörigkeit zu fragen. Niemandem aber werde ein Besuch aufgedrängt.

Es ergäben sich Gespräche ganz unterschiedlicher Art, von kurzen Fünf-Minuten-Gesprächen bis zu Gesprächen über zwei Stunden, von kurzen einmaligen Kontakten bis zu Begleitungen über viele Wochen hinweg und bis zum Sterben.

Diakonin Beate Schlumberger berichtete von zunehmender Belastung aller Mitarbeitenden durch wirtschaftliche Zwänge. Kürzere Verweildauer, Stellenkürzungen, Zeitmangel - das erhöhe den Stress für alle Beteiligten. Das Wertvollste, was man in dieser Umgebung schenken könne, sei Zeit und ungeteilte Zuwendung. Dies werde von Pflegenden und Patienten geschätzt. Schwerkranke Patienten auf dem Weg des Sterbens seien ganz besonders darauf angewiesen.

Auch Gisela Schindler-Sautter und Frieder Sautter, Seelsorger in der psychiatrischen Klinik Christophsbad sehen ihre Aufgabe darin, den Patienten in der Psychiatrie nahe zu sein, mit ihnen ihre Ängste anzusehen, Vertrauen wachsen zu lassen und mit ihnen einen Weg zu gehen. Immer noch gelte es, gegen das tiefsitzende Vorurteil anzugehen, als müsse man sich für eine psychische Erkrankung schämen. Pfarrerin Gabriele Klinghardt, zuständig für die Seelsorge in vier Altenpflegeheimen, betonte die im christlichen Glauben verankerte Verpflichtung, die Menschenwürde der Schwächsten gerade an den Grenzen des Lebens zu wahren.

Dieter Kauderer, der Vorsitzende der Bezirkssynode, hob hervor, dass ihr Dienst zwar nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehe, aber zum Wesenskern einer christlichen Kirche gehöre. Der herzliche und lang anhaltende Beifall zeigte, dass er im Namen aller Synodalen gesprochen hatte.

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