Das tiefe Schweigen wird beredt

Fünf Chöre mit 150 Stimmen machten jetzt auf ihrer Tour durch ihre Heimatstädte Halt in Göppingen. Stimmgewaltig und überzeugend boten sie ein rundes Programm von der Romantik bis zur Gegenwart.

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Gut, dass Chorleiter Christian Vogt am Sonntag vorab gebeten hatte, doch bitte erst am Schluss zu klatschen. Alle hielten sich daran, taten es dann aber umso kräftiger, bis hin zu Standing Ovations. Abgesehen davon, dass sich die Sänger dies wahrlich verdient hatten, wurde durch die Regelung der rote Faden, den das Andersen-Märchen durch das Konzert zog, nicht unterbrochen. In bester Diktion las Manfred Tächl von der Nachtigall, die zunächst von der edelsteinbesetzten Automatennachtigall verdrängt wird, dann aber den König zu einem besseren und gedankenvolleren Menschen macht.

Es nahm schon einige Zeit in Anspruch, bis sich der gewaltige Chor, zusammengesetzt aus Einzelchören aus Bad Saulgau, Suppingen, Stotzingen, Ulm und natürlich dem Göppinger Liederkranz unter Gunther Rall, in der voll besetzten Christ-König-Kirche, um Kreuz und Taufstein herum, ein paar Treppen hoch und bis dicht an die erste Stuhlreihe heran, aufgestellt hatte. Der Chorleiter stand schon ein Stück im Mittelgang. Imposant sah das gigantische Gruppenbild dann aus: links die Frauen, davor die Kinder und Jugendlichen, jeweils einen Tupfer Rot an sich, rechts der schwarze Block der Männer.

So stimmgewaltig konnten sie Werke aufführen, die ein einzelner Chor gar nicht schafft. Wahrhaft kräftig und glaubwürdig erklang so Mendelssohn Bartholdys "Jauchzet dem Herrn". Die Stimmen sind klar, hohe Lagen sind kein Problem, feine Nuancierungen verraten fruchtbare Probenarbeit und hohes Können. Die Engel, die behüten, sind hell und leicht, die Hände, die tragen, stark, und das wunderbare, tiefe Schweigen wird beredt.

Von der Romantik geht es in die Gegenwart, auf deutsche Texte folgen Latein und Englisch, höchste Ansprüche an Musikalität und Stimmen werden gestellt. Das "Ave Maria" mündet in ein verschlungenes Amen, die Anbetung Christus fließt in ein großartiges "mundum", also Welt, aus, das wirklich die Welt bedeutet. "God be in my head" von John Rutter klingt einfach gut, das Spiritual "I can tell the world schwungvoll in seinem Hin und Her von call and response.

Die Kinder, die mitunter pausieren, bekommen ihre eigenes Lied: klar und natürlich klingt das prägnante "Vater unser", die beiden nächsten Lieder, gesungen von den Erwachsenen, nehmen den Duktus auf.

Die "Kleine Friedensmotette" ist zu Beginn metallisch-scharf, der Weg zum Frieden ist dann aber weich. Eine Messe schließt sich, ein schnörkelloses Kyrie, ein erhabenes Gloria. Das Ende mit Mendelssohn Bartholdy schließt an den Anfang an, und mit "Sende dein Licht" kommt das schöne Konzert bei seinem Titel an.

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