Das Streuobstparadies lockt

Mit der einzigartigen Streuobstwiesen-Landschaft im Voralbgebiet wollen die betreffenden Landkreise auch im Tourismus punkten. Am 22. Mai soll der Verein Schwäbisches Streuobstparadies gegründet werden.

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Nicht nur bei der Baumblüte sollen die Streuobstwiesen im Voralbgebiet für Touristen attraktiv werden. Ein Verein, der im Mai gegründet werden soll, möchte sich um die Vermarktung der Kulturlandschaft und ihrer Produkte kümmern.

. Die Obstbäume im Voralbgebiet prägen eine einzigartige Kulturlandschaft. Vieles wurde in den vergangenen Jahren bereits unternommen, um diese bedrohte Landschaft zu erhalten. Dazu zählten auch die Initiativen, die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen wirtschaftlich wieder interessanter zu machen. Ein Beispiel dafür ist die Obstwein-Offensive Göppingen, in der sich mehrere obstverarbeitenden Betriebe zusammengeschlossen haben, um hochwertigere Produkte aus Streuobst herzustellen. Zum Beispiel den Obstwein. Eine Chance für Streuobstwiesenbesitzer, mehr für ihr abgeliefertes Obst bezahlt zu bekommen.

Ein Ansatz, den der Verein Schwäbisches Streuobstparadies, der am 22. Mai in Weilheim aus der Taufe gehoben werden soll, weiterverfolgen will. Doch es geht nicht nur um wohlschmeckende Produkte aus Früchten von der Streuobstwiese, es geht auch um den Tourismus am Albtrauf. Die Streuobstwiesen sollen Tagesgästen wie Urlaubern im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden - und das nicht nur zu der Zeit, in der die Obstbäume in Blüte stehen.

Die Landkreise Göppingen, Böblingen, Esslingen, Reutlingen, Zollern-Alb und Tübingen haben die Initiative zur Vereinsgründung ergriffen, gesteuert wird das Projekt vor allem von den Landkreisen Esslingen und Reutlingen. Das Land ist mit von der Partie und bringt sich über das Vogelschutzprojekt "Lifeplus" und das Biosphären-Reservat Schwäbische Alb mit ein. Zurückhaltung ist indes bei den Kommunen zu spüren, dem zu gründenden Verein beizutreten.

Im Landkreis Göppingen haben schon zahlreiche Gemeinden eine Mitgliedschaft abgelehnt, gerade mal zwei Dutzend Kommunen aus allen sechs Landkreisen wollen von Anfang an mit dabei sein. In Wartestellung ist noch der Rems-Murr-Kreis, der eine Mitgliedschaft vorerst abgelehnt hat, jedoch an dem Gemeinschaftsprojekt grundsätzlich Interesse signalisiert. In dem neuen Verein sollen zwei bereits existierende Organisationen gebündelt werden. Zum einen die Initiative "Schwäbische Streuobstrouten" (unter der Federführung des Landkreises Esslingen) und das "Streuobstland" (mit dem Kreis Reutlingen an der Spitze).

Als Vorbild für das Schwäbische Streuobstparadies gilt übrigens das niederösterreichische Mostviertel, das zwar deutlich weniger Bäume besitzt als das Voralbgebiet, aber jährlich weitaus mehr Touristen in die Region lockt. "Wir brauchen einen Stolz für den Most und zudem auch neue Sensibilität für das Thema", hieß es seinerzeit in der Diskussion im zuständigen Verwaltungsausschuss des Göppinger Kreistages. In Niederösterreich werde dem Most wieder ein gesteigerter kultureller Wert beigemessen.

Vom hohen Potenzial, über das das Voralbland in Sachen Streuobst verfüge, sind die Initiatoren des Schwäbischen Streuobstparadieses überzeugt. Und die Ideen gehen ihnen nicht aus. Jazz unterm Kirschbaum könnte dabei eine Veranstaltungsreihe sein, über die sich die Streuobstwiese besser vermarkten lässt. Die Bereiche Gesundheit, Bewegung, Kultur, Natur, Bildung und Genuss spielten ebenso eine wichtige Rolle, wenn man die Menschen in die Region locken wolle. Auch eine Radroute durch die Streuobstwiesen ist im Gespräch. Die Vereinsgründer setzen auch engagierte und ideenreiche Streuobstwiesenbesitzer, die sich der neuen Initiative nicht verschließen.

Um die Aktivitäten zu vermarkten benötigt der Verein Geld. 150 000 Euro soll das Jahresbudget betragen, das Personal-, Sach- und Marketingkosten umfasst. Lediglich im Gründungsjahr soll es noch einen Extra-Zuschlag geben. Das Ministerium für Ländlichen Raum hat eine Anschubfinanzierung von insgesamt 120 000 Euro für die ersten beiden Jahre in Aussicht gestellt, die Landkreise zahlen jeweils 7000 Euro. Die Gemeinden sind je nach Größe mit 500 bis 2500 Euro dabei, interessierte Betriebe mit 100 bis 750 Euro im Jahr.

Noch nicht geklärt ist, wo die Geschäftsstelle des neuen Vereins eingerichtet werden soll. Interesse haben das Freilichtmuseum in Beuren (Kreis Esslingen), der Sitz des Regionalverbandes Neckar-Alb in Mössingen, die Stadt Bad Urach und die Geschäftsstelle des Biosphärengebietes in Münsingen signalisiert. Fest steht indes, dass die Stelle des Vereinsgeschäftsführers gleich nach der Gründungsversammlung im Mai ausgeschrieben werden soll. Idealerweise sollte die Position schon nach den Sommerferien besetzt sein.

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