Denkmäler: Erinnern in Stein gemeißelt

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Zur Erinnerung an die Gefallenen der beiden Weltkriege steht in Hohenstaufen eine genau Kopie des ursprünglichen, arg maroden Denkmals von 1928. Die Bevölkerung hat sich mit Spenden an der Rekonstruktion beteiligt.  Foto: 

Sie sind in ihrer Darstellung ähnlich – die beiden Gefallenen-Denkmäler in Hohenstaufen und in der Oberhofenanlage in Göppingen. Beide Skulpturen zeigen zwei Soldaten im Augenblick von Sterben, Tod und Trauer. Und doch ist die öffentliche Wahrnehmung der beiden Denkmale sehr unterschiedlich. Die im Jahr 1939, also während der Nazi-Herrschaft in Auftrag gegebene Figurengruppe in Göppingen erhitzte seit jeher die Gemüter, auch bei den Lokalpolitikern,  und wurde jüngst mit erläuternden Tafeln versehen.

In Hohenstaufen trägt die Figurengruppe eines verwundeten Soldaten und seines Kameraden nicht den Makel des nationalsozialistischen Ursprungs. Sie wurde bereits im Jahr 1924 aufgestellt und es musste auch kein anderes Denkmal weichen. So kommt es wohl, dass der Erhalt der Skulptur der dortigen Bevölkerung ein echtes Anliegen geworden ist. Das zeigt die Tatsache, dass für ihre Rekonstruktion vor zwei Jahren viele Bürger aus ihrer Privatschatulle gespendet haben, um die marode Sandstein-Gruppe zu retten. 4000 Euro gingen auf einen entsprechenden Spendenaufruf der Dorfgemeinschaft ein, erinnert sich Manfred Weinberger, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, in der sich sieben örtliche Vereine zusammengeschlossen haben. Es sei  ein Anliegen der Dorfgemeinschaft, „den Erhalt von Tradition und Kultur im Dorf zu unterstützen“, sagt Weinberger. Auch dem Bezirksbeirat war der Erhalt ein wichtiges Anliegen, er stellte die Mittel aus dem Ortsbudget  zur Verfügung.

Allerdings zeigte sich bei Beginn der Arbeiten schnell, dass das Denkmal aus Kunststein so geschädigt war, dass eine Sanierung nicht viel Erfolg versprach. Deshalb entschied man sich dafür, die Skulptur rekonstruieren zu lassen. Das erledigte der Esslinger Steinmetzmeister Constantin Baki, der die Statue aus dem in Hohenstaufen typischen Sandstein genau nachbildete. Insgeamt waren inklusive der Abdeckplatten und Mauerarbeiten 28  300 Euro fällig. Die Stadt übernahm die verbliebenen Kosten.

Die Original-Skulptur des  Eislinger Kunstbildhauers Rieker war zu Zeiten der Weimarer Republik eine gemeinsame Initiative des Kirchengemeinderats und der Ortsgemeinde. Wegen der damals bereits grassierenden Inflation kostete es stolze 2,5 Millionen Mark. Doch im Jahr 1950 wies es bereits schwere Schäden auf, wie der Göppinger Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß rekonstruiert hat. Die steinernen Soldaten zeigten tiefe Risse und waren mit Efeu überwuchert. Die Sanierung erwies sich schon damals als Problemfall. Denn schon acht Jahre später sollte ein Göppinger Bildhauer erneut ermitteln, wie das Denkmal richtig konserviert werden könne. Er machte einen Vorschlag und setzte eine Haltbarkeit von zehn bis 15 Jahre an. Auch damals war die Bereitschaft der Hohenstaufener, für ihr Gefallenendenkmal zu spenden, vorhanden. Innerhalb einer Woche kamen 820,50 Mark zusammen. Doch zu retten war die Skulptur letztlich nicht.

Tafeln mit den Namen der Gefallenen der Weltkriege und zum Gedenken an die Kriegsschrecken gibt es heute auch in den Göppinger Stadtbezirken, von Bartenbach über Jebenhausen, Holzheim, Bezgenriet bis Faurndau. In Hohenstaufen ist die Erinnerung in ganz neuen Stein gemeißelt auf ihren Platz an der Kaierbergsteige zwischen den beiden Kirchen zurückgekehrt.

Unterschied: Im Gegensatz zum Gefallenen-Denkmal in Hohenstaufen ist jenes in Göppingen umstritten.

Vorgänger: In den Göppinger Oberhofenanlagen erinnerte schon vor 1939 eine Skulptur an die Weltkriegstoten. Die vom Gmünder Bildhauer Jakob Wilhelm Fehrle geschaffene Pietà – die in christlicher Symbolik gefertigte Skulptur einer Mutter in Schmerz um ihren toten Sohn. Sie sollte die Abscheu vor dem Krieg ausdrücken, so das Preisgericht von 1928.

Steinsoldaten: Den Nationalsozialisten war die Schmerzensmutter nicht heroisch genug. Sie passe nicht mehr in die Zeit, hieß es. 1939 wurde die Pietà abgebaut und zum Hauptfriedhof versetzt. Für das Nachfolge-Denkmal  setzte sich der Stuttgarter Fritz Nuss mit seinen heldenhafteren Steinsoldaten durch. Allerdings hatte inzwischen der Krieg begonnen und das neue Denkmal sollte bis zum Sieg verhüllt bleiben. Nach dem Zusammenbruch wurde erst einige Jahre später – ohne Feier – der Bretterverschlag entfernt.

Kontroverse: Immer wieder flammte die Debatte um das Göppinger Kriegerdenkmal auf. Im Jahr 2013 beantragten die Grünen im Gemeinderat, den Denkmaltausch der Nazis rückgängig zu machen. Der Antrag scheiterte.

Kompromiss: Zwei Jahre später einigte sich der Gemeinderat auf Infostelen, deren Inschriften die Geschichte der beiden Denkmale einordnen sollen. Die Tafeln wurden in den vergangenen Wochen an beiden Skulpturen angebracht.

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