CDU-Politiker Dietrich Birk verabschiedet

Nach 18 Jahren in der Politik wechselt Dietrich Birk als Geschäftsführer zum Verband Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württemberg. Am Samstag wurde er in der Gemeindehalle Wangen verabschiedet. Rund 500 Gäste waren gekommen, darunter viele politische Weggefährten.

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Der CDU-Politiker Dietrich Birk (l.) wurde am Samstag in Wangen verabschiedet. Einer der Redner war der ehemalige Ministerpräsident Günther Oettinger.  Foto: 
„Ich werde eines an meiner neuen Tätigkeit nicht vermissen – das sind die Grußwortorgien. Spätestens nach dem dritten Redner wiederholt sich ohnehin alles.“ Mit diesen letzten Worten verabschiedete sich am Samstagabend in der Gemeindehalle Wangen Dr. Dietrich Birk von seiner 18-jährigen Laufbahn als CDU-Politiker. Schätzungsweise 500 Gäste waren gekommen, darunter viele politische Weggefährten. Zwei von ihnen, der frühere Baden-Württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger und die CDU-Kreisvorsitzende Nicole Ravazi, hielten die Laudatio. Birk war der dritte Redner des Abends.

Nach 18 Jahren in der Politik geht der studierte Betriebswirtschaftler als Geschäftsführer zum Verband Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württemberg. Er habe trotz „Entzugserscheinungen“ diesen Schritt nicht bereut, sagte er. Ihm falle der Abschied aus der Politik aber nicht leicht, mit der er 1996 als 28-Jähriger begonnen habe, aber er habe schon immer gesagt, bevor er 50 werde, wolle er etwas Neues beginnen.

Seine politische Basis sei immer die CDU des Kreises Göppingen gewesen. Er forderte die Politiker und den politischen Nachwuchs auf: „Bei allem Streit um die Sache müssen sich Politiker aller Couleur immer zusammensetzen können.“ Er selbst habe ein kollegiales Miteinander gepflegt: „Ich habe kein Problem, mich mit allen Politikern des Kreises Göppingen zusammenzusetzen und ein Bier zu trinken.“ An die CDU gerichtet sagte er: „Die CDU braucht junge Leute, die auch mal gegen den Strom schwimmen.“ Zwar sei er gegen den „gläsernen Politiker“, aber Transparenz müsse sein. Er betonte: „Politiker sind nicht käuflich. Daran ändern auch Vereinsmitgliedschaften, Aufsichtsratsposten oder Beraterverträge nichts.“

Sein politischer Ziehvater und sein Vorbild, der jetzige EU-Kommissar für Energie – dessen Fahrer mit laufendem Motor im Dienstwagen vor der Wangener Gemeindehalle wartete – erinnerte sich an die gemeinsame Vergangenheit. Angefangen von Birks ersten Schritten in der Landes-CDU bis hin zur „Entführung“ der jungvermählten Braut Renate, die vor 14 Jahren in Donzdorf endete und an der Oettinger seinerzeit maßgeblich beteiligt war. Ihr galt auch der besondere Dank von Dietrich Birk. Sie sei Löwe vom Sternzeichen und habe eine „starke Pranke, aber auch großes Herz“. Sie habe ihm den Rücken für seine politische Arbeit frei gehalten. Oettinger bestätigte, Renate Birk habe ihren Mann geduldig mit langem Zügel geführt. Renate Birk bestätigte dies durch Kopfnicken am Ehrentisch.
Neben seinen persönlichen Erinnerungen betonte EU-Kommissar Günther Oettinger die wirtschaftliche Kraft Baden-Württembergs, die vor allem durch innovative Mittelstandsbetriebe in Familienhand geprägt sei: „Sie sind bis heute Grundlage für unsere Prosperität.“ Maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg habe aber auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gewerkschaften im Land, lobte der frühere Ministerpräsident.

Oettinger wandte sich auch gegen den Begriff der „Armutsauswanderer“. Natürlich sei Armut ein Grund zum Auswandern, wie dies auch schon Schwaben, die sogenannten Donauschwaben vor zwei Jahrhunderten taten, als sie entlang der Donau bis nach Rumänien emigrierten, um neue Lebensbedingungen zu finden. Und Sozialhilfebetrüger finde man auch unter Schwaben, machte Oettinger klar.

Zur Rentendiskussion hat Oettinger ganzeigene Vorstellungen: „Es muss über die Rente mit 70 nachgedacht werden und nicht über die mit 63, wenn man heute 90 Jahre alt wird.“ Für Birk hatte Oettinger noch große Pläne: „Hätte mich Angela Merkel nicht weggeschickt, hättest du einen Platz im Staatsministerium erhalten. Nicht um später zur Bahn gehen“, erfolgte eine Seitenhieb auf den einstigen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla. Obwohl Birk dank seiner Märklin-Erfahrung alle Voraussetzungen für einen Wechsel zur Bahn mitgebracht hätte, scherzte Oettinger.
Für die CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Nicole Ravazi heißt „politische Arbeit, Anwalt für die Menschen zu sein und ihnen bei ihren großen und kleinen Anliegen zu helfen“. Obwohl dies nicht immer gelinge, sei sie sicher, dass Dietrich Birk vielen helfen konnte. In Mittelpunkt dessen politischer Arbeit habe immer auch die Unterstützung von Städten und Kommunen gestanden. Bei vielen Entwicklungen könne er sagen: „Daran habe ich mitgewirkt.“ Dass dies erfolgreich gewesen sei, zeige sich auch an der Anwesenheit vieler Bürgermeister unter den rund 500 Abschiedsgästen.

Wie ein roter Faden ziehe sich der Kontakt zu Wirtschaft und Unternehmen durch den beruflichen und politischen Weg von Dietrich Birk. Das habe „nichts Anstößiges oder ein Gschmäckle, wie öfter gemutmaßt wird“, sagte Nicole Razavi. Wer dies behaupte, habe keine Ahnung von der Arbeit der Politiker: „Wer Politik für einen so wirtschaftsstarken Raum wie den unseren macht, darf nicht betriebsblind sein.“ Der müsse verstehen, welche Rahmenbedingungen für Unternehmen und das Handwerk wichtig sind, um erfolgreich zu sein, Arbeitsplätze zu schaffen und junge Menschen auszubilden. Dietrich Birk habe dies verstanden: „Dass du jetzt in die Wirtschaft gewechselt bist, ist ein Verlust für die Politik, zeigt aber, wie sehr man dich dort schätzt.“
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