Casino-Überfall: Haftstrafen für zwei Göppinger

Das Ulmer Landgericht hat zwei Göppinger zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die Kammer konnte den Raubüberfall auf ein Casino nicht vollständig klären. Fraglich blieb, ob die Mitarbeiterinnen davon wussten.

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Drei Jahre sowie zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe, so lautete am Montag das Urteil der 1. Großen Strafkammer des Ulmer Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Göppingern Jamila A. und Achmed K. (Namen geändert), 27 und 31 Jahre alt, zur Last gelegt, ein Casino in Göppingen überfallen und ausgeraubt zu haben. Erpresserischer Menschenraub stand in der Anklage. Verurteilt wurden sie letzten Endes für besonders schweren Diebstahl. Da die Strafen nicht zur Bewährung ausgesetzt werden konnten, bleiben beide Männer daher im Gefängnis. Bislang saßen sie in Untersuchungshaft.

 Die beiden Männer hatten sich bereits am ersten Verhandlungstag im Januar geständig gezeigt . Achmed K. hatte den Komplizen, den er von einer Baustelle kannte, angesprochen und ihn gefragt, ob er für ihn ins Casino gehen würde, um das Geld zu holen. Die Mitarbeiterinnen wüssten, dass jemand komme. Er solle nur Theater spielen. Die Frau stritt indes ihre Mitwisserschaft in der Zeugenvernehmung ab. Der jüngere Angeklagte, Jamila A., sei nach Aussage des Vorsitzenden Richters Thomas Keckeisen für den Älteren derjenige gewesen, "der sich die Finger schmutzig" gemacht habe.

Er ging ins Casino, bedrohte die Angestellte mit einem Küchenmesser und zwang die andere, das Geld herauszugeben. 5000 Euro konnten die beiden Männer auf diese Weise erbeuten. "So ganz klar ist es nicht", sagte Keckeisen am Montag am späten Nachmittag, nachdem er das Urteil verkündet hatte. Einen solchen Fall habe es in seiner Laufbahn noch nie gegeben. Jede Seite habe etwas für sich gehabt, er sei bis zuletzt hin- und hergerissen gewesen. Ob der Überfall nur als Theaterstück für die Videokamera gedacht war, weil die Frauen in den Plan eingeweiht waren, konnte die Kammer nicht abschließend klären.

Der dritte Verhandlungstag brachte nicht alle Details der Geschichte ans Licht. Warum beide Frauen während des Überfalls gelacht hatten, wusste die Kammer bis zum Schluss nicht. Ein Polizeibeamter, der nach dem Raubüberfall im Casino war, sagte, er habe den Eindruck gehabt, die Frauen seien zu ruhig gewesen. Dennoch könne man nie sagen, wie Menschen in solchen Situationen reagieren. Zum Typ der einen Mitarbeiterin passe es, dass sie den Überfall locker wegstecke. Auch die Tatsache, dass die Mitarbeiterin die Polizei rief und dort sagte, der Täter sei nach links gelaufen, obwohl er auf dem Videoband nach rechts geht, beschäftigte die Kammer noch eine ganze Weile.

Die Verteidiger hatten jeweils Freiheitsstrafen gefordert, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Das konnte Richter Keckeisen nicht nachvollziehen. Die kriminelle Energie sei spürbar vorhanden. Außerdem hatte Achmed K. in seiner abschließenden Rede gesagt, er sei froh, dass sie ihn erwischt hätten, vielleicht hätte er sonst Gefallen an solchen Aktionen gefunden. Der Erste Staatsanwalt Michael Bischofberger glaubte die Version nicht, in der die Frauen Mittäterinnen gewesen seien. Er hatte sieben Jahre und sechs Monate für den Drahtzieher und sechs Jahre für den Ausführenden gefordert.

Jamila A. stammt aus Marokko, reiste in einem Lebensmittelcontainer nach Europa, weil er auf ein besseres Leben gehofft hatte und landete schließlich in Göppingen. Achmed K. war vor einigen Jahren aus dem Irak nach Deutschland geflohen.

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