Bürokratismus würgt Vereinsleben ab

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Es ist noch keine sieben Monate her, da der baden-württembergische Verbraucherminister zur Allergenkennzeichnung tönte: "Die EU-Kommission hat jetzt klargestellt, dass die Regeln zur Allergenkennzeichnung beim Verkauf offener Lebensmittel nur für Unternehmen gelten. Das ist eine große Erleichterung für alle Ehrenamtlichen, die von Zeit zu Zeit Feste organisieren - denn die Kennzeichnung der gängigen Allergene auf Lebensmitteln ist gerade dann aufwändig, wenn beispielsweise verschiedenste privat gebackene Kuchen zu einem Buffet zusammengetragen werden." So Alexander Bonde in einer offiziellen Pressemitteilung des Ministeriums für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Mittlerweile ist dies alles Makulatur. Auf den Vereinsfesten taucht der Kontrolldienst auf und verkündet unmissverständlich, dass alle außerhalb des Familienkreises entgeltlich oder unentgeltlich angebotenen, offenen Lebensmittel gekennzeichnet sein müssen. Gerade auch für selbstgebackene Kuchen wird die Rezeptur und der Name desjenigen, der gebacken hat, benötigt, um der Allergenkennzeichnung zu entsprechen. Es gibt keine Ausnahmeregelung für Vereine oder andere Gemeinschaften, wie Kindergartenfeste oder Ähnliches. Der deutsche Gesetzgeber war nicht in der Lage, Kriterien für eine Ausnahmeregelung festzulegen. Die Frage sei erlaubt, wie diese EU-Richtlinie in Rumänien, in Irland, auf Sizilien oder sonstwo in Europa mit einer von mir bewunderten Lebensart umgesetzt wird.

Wir Deutschen setzen der allgemein formulierten EU-Richtlinie wieder einmal die Krone auf. Gewinner soll der Verbraucher sein, Verlierer sind auf jeden Fall die Vereine, und damit auch die Verbraucher. Denn diese müssen sich künftig den Sommer-Sonntags-Kuchen teuer beim Konditor kaufen. Wer ist schon bereit, diesen Bürokratismus mit all seinen Angaben und Vorschriften mitzumachen?

Hans-Jürgen Digel, Wäschenbeuren

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