Buchbinder Wanninger ist nicht erreichbar

Wie weiland Karl Valentin als Buchbinder Wanninger kommt sich ein Göppinger Kunde von Kabel BW vor. Seit Tagen streikt sein Telefonanschluss, helfen konnte ihm niemand, aber vertröstet wurde er oft.

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Ein Kunde wurde von der Hotline in den Göppinger Kabel-BW-Shop geschickt. Dort wurde ihm beschieden, er möge doch die Hotline anrufen.  Foto: 

"Ja, der Ding ist hier, der Buchbinder Wanninger, ich habs dene andern scho so oft gsagt . . ." So klagt die legendäre Figur des bayerischen Komikers Karl Valentin, der arme Buchbinder wird immer wieder durchgestellt, spricht mit insgesamt zehn Mitarbeitern - kommt aber doch nie zum Ziel. Ganz so schlimm ist es bei einem jungen Göppinger noch nicht, doch der 29-Jährige ist auch am Verzweifeln: Seit Tagen funktioniert sein Telefonanschluss nicht mehr, vom Anbieter Kabel BW wird er bislang nur von Pontius zu Pilatus geschickt. Und die Leitung bleibt tot.

Am Montagabend klingelte das Handy des Mannes aus Ursenwang. Der Anrufer berichtete, dass der Festnetzanschluss tot sei und nur eine Ansage abgespielt werde: "Die gewählte Rufnummer ist zurzeit nicht zu erreichen." Der 29-Jährige nahm seinen Router für längere Zeit vom Netz und überprüfte sein Telefon, das vollen Empfang anzeigte. Das Internet funktionierte, nur die Telefonie war in Streiklaune. Keine Besserung am nächsten Tag. Also abends ein Handy-Anruf bei der kostenpflichtigen Hotline von Kabel BW. Nach acht Minuten in der Warteschleife war dann ein Gesprächspartner in der Leitung. Nein, habe der Mann gesagt, er könne da nichts sehen und machen - der Kunde solle doch bitte in den nächsten Kabel-BW-Shop gehen. Notgedrungen opferte der 29-Jährige am Folgetag - mittlerweile war es Mittwoch - einen Teil seiner Mittagspause.

Mit Leidensgenossen stand der Ursenwanger schließlich in der Warteschlange. Als er an die Reihe kam, beschied ihm die junge Dame in dem Shop - "sie war sehr freundlich" -, dass sie nur selbstständige Beraterin sei und leider keine Störungen aufnehmen dürfe. Aber sie schrieb ihm eine Telefonnummer auf - dorthin solle er sich wenden. Die Nummer kam dem Kunden bekannt vor, es war dieselbe, die er bereits am Vortag kontaktiert hatte.

Also ein neuer Versuch. Dieses mal war eine Frau am anderen Ende der Leitung, auch sie sei sehr freundlich gewesen. "Warum ihr Kollege mich zum Shop geschickt hatte, konnte sie sich aber auch nicht erklären", berichtet der Mann. Aber alles werde gut, sagte die Frau. Der Kollege habe am Abend zuvor die Störung bereits aufgenommen, sie könne das im Computersystem sehen. Binnen 24 Stunden werde alles wieder funktionieren.

30 Stunden später, es ist Donnerstagabend: Nichts ist gut. Die Leitung ist tot. Nach den bereits hinlänglich bekannten acht Minuten ist ein dritter Mitarbeiter der Hotline am Apparat. Der wundert sich, warum der Kunde schon wieder anruft, er habe die Störung doch erst gestern, also am Mittwoch, gemeldet. Nach dem Hinweis des Ursenwangers, dass der Fall angeblich bereits am Dienstag ins System eingepflegt wurde, muss der Mann aber passen: "Er sagte, am Dienstag wurde überhaupt nichts aufgenommen", berichtet der zunehmend genervte 29-Jährige. Doch die Hotline hatte auch eine gute Nachricht: Es werde, von Mittwoch an gerechnet, nur 48 Stunden dauern - dann müsste alles wieder funktionieren, "unsere Technik ist da dran".

Diese Frist war gestern Abend längst verstrichen, die Leitung noch immer tot. Auch die Pressestelle von Kabel BW kann noch nicht sagen, wo in diesem Fall das Problem liegt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Sonst muss der 29-Jährige eben nochmals den Wanninger geben: "Ja, der Ding ist hier, ich habs dene andern scho so oft gsagt . . ."

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