Boller Bähnle droht Aus

61 Jahre nach der Inbetriebnahme rollt das Boller Bähnle aufs Abstellgleis: die Bundesbahn leitet die Stilllegung ein wegen "Unrentabilität". Zunächst wird der Personenverkehr eingestellt.

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Die Nebenbahn-Romantik geht zu Ende. Das Verfahren zum Einstellen des Bahnverkehrs zwischen Göppingen und Boll wurde 1987 eingeleitet. Foto: Archiv

Die Weichen sind gestellt: im März 1987 leitet der Präsident der Bundesbahn das gesetzliche Verfahren zur Einstellung des Reisezugverkehrs auf der Nebenbahn Göppingen-Boll in die Wege.

Schon 1977 hatte die Bahn die Absicht geäußert, sich von der unrentablen, zwölf Kilometer langen Strecke trennen zu wollen. Der Plan wurde vorerst auf Eis gelegt. Doch nicht zuletzt durch den Wegzug des Werner-Heisenberg-Gymnasiums aus Holzheim und die daraus folgende Verlegung der Holzheimer Schulen brachen die Fahrgastzahlen innerhalb von sieben Jahren um 35 Prozent ein. Die Bundesbahn hatte immer wieder betont, sie könne den Schienenverkehr nur aufrecht erhalten, wenn ihr die Betriebs- und Investitionskosten von dritter Seite erstattet würden. Da sich in dieser Hinsicht jahrelang nichts tat, wurde nun das Stilllegungsverfahren in Gang gesetzt.

Mehrere verschiedene Verbesserungsmodelle für den öffentlichen Personennahverkehr hatten die Bundesbahn und den Kreis Göppingen vor die Entscheidung gestellt, entweder 6,3 Millionen D-Mark in die Modernisierung der Strecke zu investieren oder vollständig auf eine Busverbindung umzustellen. Da nur über knapp die Hälfte der Investitionskosten Finanzierungszusagen vorlagen und niemand die jährlichen Betriebskosten bezahlen wollte, entschied man sich für den Bus. Gegenüber sieben Haltepunkten auf der Bahnstrecke sollten nun 17 Bushaltestellen stehen, auch in Orten, die das "Boller Mariele" nicht bedienen konnte. Dies sollte auch die längere Fahrtzeit des Busses rechtfertigen. An eine Einstellung des Güterverkehrs und somit die komplette Stilllegung der Strecke sei aber noch lange nicht zu denken, hieß es. Die Einstellung des Personenverkehrs sei der erste Schritt.

Dass das Bundesverkehrsministerium als letzte Instanz sein Vetorecht nutze und das Verfahren stoppe, so wie es bei der Schwarzwaldbahn passiert war, sei laut Häusler eher unwahrscheinlich, da sonst der Bund die erforderlichen Kosten stemmen müsse.

Tatsächlich fuhr der letzte fahrplanmäßige Personenzug am 27. Mai 1989, der letzte Güterzug rollte am 25. September 1994. Bis heute kämpft der Verein "Ein neuer Zug im Kreis" um die Reaktivierung und den Ausbau der Strecke nach Kirchheim/Teck.

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