Böses "Frühlingserwachen"

Für Gartenfreunde gabs heuer ein böses "Frühlingserwachen": Viele Pflanzen sind mit starken Frostschäden aus dem Winterschlaf erwacht. Die Bauern auf der Alb hatten Glück: Ihre Felder schützte der Schnee.

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Ein trostloser Anblick: Dieser Kirschlorbeer-Hecke auf der Alb hat der Winter arg zugesetzt. Foto: Thomas Hehn

Erst frühlingshafte Temperaturen im Dezember, dann Eiseskälte mit bis zu minus 20 Grad Dauerfrost im Februar und schließlich ein trockener März mit Sonne tagsüber und Frost in der Nacht. Das Wetter schlägt weiter munter seine Kapriolen.

Viele Gartenfreunde finden das gar nicht lustig. Für sie gab es heuer nämlich ein böses "Frühlingserwachen" zwischen Beet und Hecke: Viele Pflanzen sind ganz schlecht über den Winter gekommen und haben zum Teil erhebliche Frostschäden erlitten: "Rosen, Kirschlorbeer und Cotoneaster sind kräftig zurückgefroren", bestätigt Sigrid Erhardt. Für die Vorsitzende der Obst- und Gartenbauvereine im Kreis ist weniger die Kälte im Februar als der vergleichsweise milde Dezember schuld daran: "Damals kamen die Pflanzen nicht in die Winterruhe, sondern haben nochmal ausgetrieben", konstatiert die Expertin: Voll im Saft wurden die Pflanzen dann vom strengen Frost im Februar sprichwörtlich kalt erwischt. "Das hat den Pflanzen unheimlich weh getan", konstatiert Erhardt.

Die über Monate hinweg andauernde Trockenheit gab dem Grün im Garten schließlich den Rest: Da die Pflanzen über den gefrorenen Boden keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen konnten, sind sie in der Folge über den Winter schlichtweg verdurstet.

Gärtlesbesitzer müssten trotzdem nicht verzweifeln, beruhigt Erhardt: Auch wenn es derzeit katastrophal aussehe im Garten, sollte man die Pflanzen nicht gleich rausreißen, sondern erst mal gut gießen - und abwarten. Die Selbstheilungskräfte der Natur seien enorm, versichert die Expertin: Kirschlorbeer und Bodendecker würden bald frisches Grün nachtreiben und auch Rosen bestocken sich neu über ihre Veredelungsstelle, die in der Regel geschützt im Boden liege. Ende April, Anfang Mai könne der Garten schon wieder ein weitaus freundlicheres Bild abgeben.

Auf den Feldern sieht es nicht so schlimm aus. Kreisbauernchef Hermann Färber gibt zumindest für die Albhochfläche Entwarnung. Dort seien nur vereinzelte Frostschäden aufgetreten und die Wintersaaten im Allgemeinen recht gut über die kalte Jahreszeit gekommen. Färber zufolge verdankt man das vor allem dem Schnee, der sich auf der Alb wie ein wärmender Teppich über die Felder legte und die junge Saat vor der sibirischen Kälte im Februar schützte und auch den Boden nicht so stark austrocknen ließ.

Färbers Berufskollegen in tieferen Lagen hatten weniger Glück: Weil im Voralbgebiet, Unteren Filstal und Schurwald keine schützende Schneedecke lag, waren die jungen Pflanzen, die sich im milden Dezember stärker als sonst entwickelt hatten, der Kälte im Februar schutzlos ausgeliefert. Nachtfröste im März lockerten den Boden dann so stark, dass die feinen Haarwurzeln des Getreides den Kontakt zum Erdreich verloren. Mit genügend Regen hätten sich die Pflänzchen im März wohl wieder erholt. Da es aber trocken blieb, gingen bei Winterweizen, Wintergerste und Raps ganze Schläge ein. Pflanzenbauberater Bernhard Schmid vom Landwirtschaftsamt Göppingen zufolge waren im Kreis mit 400 von insgesamt 3200 Hektar Winterweizen und 150 von 1800 Hektar Wintergerste so stark geschädigt, dass ganze Äcker umgebrochen und komplett nachgesät werden müssen.

Andere Landesteile hat es wesentlich schlimmer getroffen. So sind im Main-Tauber-Kreis sowie den Landkreisen Hohenlohe, Schwäbisch Hall und Neckar-Odenwald ganze Ernten beim Wintergetreide erfroren. Einer ersten Bilanz im Landwirtschaftsministerium zufolge sind rund 60 000 Hektar und damit ein Sechstel der gesamten Anbaufläche in Baden-Württemberg betroffen. Die Schäden gehen in die Millionen.

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