Blindes Vertrauen geübt

"Ran ans Leben". Die Roadshow der Diakonie vermittelte Achtklässlern der Raichberg-Realschule Ebersbach ungewohnte Erfahrungen, stellte gemeinnütziges Engagement sowie soziale Berufe vor.

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"Blind" eine Treppe rauf- und runtergehen ist eine völlig neue Erfahrung für die Schüler der Raichberg-Realschule. Das Experiment der Diakonie kam gut an.  Foto: 

Schule im Grünen? Liegestühle, auf denen Jugendliche in entspannter Atmosphäre auf einen Bildschirm schauen, Fragen zu ihrer Zukunft stellen und sich anschließend in die Lebenswirklichkeit gehandicapter Menschen hineinversetzten. "Eigentlich hätten wir heute Mathe gehabt, aber das hier ist besser und eine gute Sache", finden Lena und Marina. Besser? Gute Sache? Obwohl beide schon ein wenig ängstlich waren, wie sie wenig später verraten.

Gemeint ist damit die "Roadshow", mit der die Diakonie Württemberg seit April unter dem Motto "ran ans Leben" noch bis zu den Sommerferien in Haupt-, Werkreal-, Realschulen und Gymnasien im Ländle Station macht. Via Bus, zeltähnlichem Pavillon, Flyern und gemeinnützigen Filmszenen steuert das vorwiegend aus jungen Referenten bestehende Roadshow-Team direkt auf die jugendliche Zielgruppe zu.

Anschaulich informieren der 19-jährige Simon Koenigsdorff, Bufdi der Pressestelle, sowie Lehramtsstudent und Honorarkraft Stephan Rieger (22), die Jungen und Mädchen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren über berufliche Perspektiven in der Diakonie wie: Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen zwölfmonatigen Bundesfreiwilligendienst (BFD). Beide Optionen seien niemals vertane Zeit und praktizierte Nächstenliebe zudem keine Einbahnstraße. Vielmehr erfahre man im sozialen Dienst jede Menge Anerkennung sowie Wertschätzung, verstehen es die beiden Berufsanwärter für diese evangelische Einrichtung zu begeistern.

Wie es jemandem geht oder wie man sich fühlt, wenn man selbst auf Hilfe angewiesen ist, konnten die Schüler gleich selbst am eigenen Leib erfahren. "Die ganze Strecke?", will ein Mädchen wissen. "Ja. Erst die Treppe hoch, danach rechts rüber und anschließend den schmalen Weg runter", dirigiert Stephan Rieger und erklärt, wo man am besten den Rollstuhl anfasst, um ihn sicher hochzutragen. Pia, Marina, Noel und Luca trauen sich das zu, wobei das "gehandicapte" Mädchen auf die Kraft und das Geschick ihrer drei Klassenkameraden vertrauen muss.

Überhaupt ist Vertrauen ein großes Thema. Unsicher, schutzlos, ausgeliefert, ängstlich, wackelig, sind nur einige der Empfindungen, wie sie die Jugendlichen nach ihrem Experiment schreiben. Ganz komisch fühle es sich an, wenn man nicht mehr sieht, wo man hinläuft. "Als das Geländer plötzlich aufhörte, habe ich mich richtig eschrocken", verrät Patrick, der sich aufgrund einer Spezialbrille buchstäblich "blind" auf seinen Begleiter und den Blindenstock verlassen musste. Solches Vertrauen würden sie nicht jedem entgegenbringen, allerdings Freunden, Klassenkameraden sowie den Lehrern schon, betonen die Schüler bei der lockeren Gesprächsrunde.

Für Oguzhan ist Uneigennützigkeit kein Fremdwort. "Mein Nachbar ist Hausmeister bei der Diakonie, da habe ich auch schon mal geholfen. Außerdem helfe ich freiwillig im Jugendhaus Ebersbach", sagt der 15-jährige Schüler.

Info Die Diakonie Württemberg gehört mit 40 000 hauptamtlichen Mitarbeitern, 5000 Azubis, bzw. Ausbildungsplätze zu den größten Arbeitgebern im Bundesland, zusätzlich engagieren sich rund 35 000 ehrenamtlich. Die Diakonie bietet für Freiwilligendienste über 2000 Stellen in mehr als 1000 verschiedenen Einrichtungen an, derzeit sehen etwa 1800 junge Menschen ihre freiwillige Tätigkeit als sinnvolle Station in ihrem Lebenslauf.

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