Betreiber großer Photovoltaik-Anlagen stellen sich auf geringere Erträge ein

Das geänderte Gesetz für erneuerbare Energien soll für gerechtere Verhältnisse sorgen. Einbußen beim Gewinn dürften zunächst aber nur die Betreiber von neuen und großen Anlagen haben.

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Die Betreiber von großen Photovoltaikanlagen mussten bislang nicht die volle Umlage für die Förderung erneuerbarer Energien abführen. Doch ab Freitag sind die sonnigen Zeiten vorbei.  Foto: 

Die Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschert Betreibern von größeren Photovoltaikanlagen voraussichtlich geringere Gewinne. "Unsere Erträge werden sinken", sagt Dieter Nemec voraus. Der Ingenieur für Elektrotechnik verantwortet im Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft Voralb-Schurwald (BEG) die Bereiche Technik und Finanzen. In letzterem rechnet Nemec mit Einbußen zwischen 100 und 150 Euro für dieses Jahr. Den Verlust in den Büchern kann Nemec verschmerzen: "Wir werden deshalb nicht untergehen." Ein empfindlicher Schaden entstehe der Bürgerenergiegenossenschaft nicht durch die Novelle des Gesetzes.

Deutlicher schlägt die Änderung bei geplanten großen Vorhaben ins Kontor. "Für neue Anlagen wird es schwierig, einen Betrag zu erwirtschaften, der für die Genossen etwas abwirft", sagt Nemec. Einen rentablen Betrieb stellten manche Fachleute sogar in Frage. Doch vom Missmut dieser Zweifler lässt sich der Ingenieur für Elektrotechnik nicht anstecken: "Ich arbeite nach dem Ingenieurs-Motto: "Geht nicht, gibts nicht", sagt er. Nemec ist entschlossen, auch die geplante siebte Solaranlage der Energiegenossenschaft gewinnbringend zu betreiben. "Ich rechne so lange im Kreis herum, bis es geht." Dieter Nemec räumt allerdings ein, dass die Lösung der Aufgabe schwierig sei: "Man muss mit sehr dünnem Bleistift kalkulieren."

Die Rechnung beim Betrieb von Solaranlagen geht trotz geänderten Gesetzes auf. "Es rentiert sich eigentlich immer, aber nicht mehr in so großem Stil", sagt Jürgen Taxis. Der Geschäftsführer von TK-Energietechnik in Albershausen betrachtet das Wehklagen mancher Betreiber als Leiden auf hohem Niveau: "Die Leute haben immer noch Dollar-Zeichen im Gesicht." Von einem rein auf Rendite ausgerichteten Denken, müssten die vom Geld Verwöhnten abkommen.

Der Sparsamkeit und nicht dem Gewinn dient Photovoltaik häufig in privaten Haushalten. "Die Lösung ist, den produzierten Strom selber zu erzeugen und nicht zu verbrauchen", sagt Taxis. Den Strombedarf der Bewohner eines Hauses sollten die Solarmodule auf dem Dach liefern. "Man muss die Anlage immer so auslegen, dass sie den Strombedarf in einem Gebäude deckt", erklärt der Fachmann. Ihm zufolge verbraucht ein Haushalt mit vier Personen zwischen 4000 und 5000 Kilowattstunden im Jahr.

Die Kosten für den eigenen Verbrauch senkt eine Photovoltaikanlage immer. "25 bis 26 Cent kostet eine Kilowattstunde normaler Strom", sagt Jürgen Taxis. Selbst produzierter Strom dagegen schlage mit etwa elf Cent je Kilowattstunde zu Buche plus der fälligen Steuer. Unterm Strich komme ein privater Haushalt mit Photovoltaikanlage auf einen durchschnittlichen Preis von 15 Cent für eine Kilowattstunde - und dieser Betrag liege deutlich unter dem für herkömmlich produzierte Energie. "Wo ist das Problem?", fragt Taxis angesichts einer Differenz von zehn bis 13 Cent.

Die volle Umlage für selbst erzeugten Strom müssen private Haushalte nicht bezahlen. Fällig wird eine um 40 Prozent reduzierte Abgabe für Energie, die aus Anlagen stammen mit bis zu zehn Kilowatt Leistung. Erst wenn der erzeugte Strom diesen Grenzwert überschreitet, müssen die Erzeuger die volle Umlage bezahlen. Die beträgt in diesem Jahr 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Die Höhe der Abgabe für 2015 legen die vier Betreiber der Übertragungsnetze in Deutschland bis zum 15. Oktober fest.

Ohnehin lassen sich nicht nur mit selbst erzeugter Energie Stromkosten senken. "Was ich einspare, brauche ich nicht erzeugen", sagt Kurt Ulmer. Der Elektrotechniker und Energieexperte hat seinen eigenen Verbrauch durch LED-Leuchten, abschaltbare Steckdosen, stromsparende Haus- sowie Arbeitsgeräte um mehr als die Hälfte gesenkt. Seien die Stromfresser aufgespürt und entschärft, könne eine Photovoltaikanlage zusätzlich den benötigten Strom erzeugen. Doch auch Kurt Ulmer rät zur Genügsamtkeit: "Ziel ist es, den Eigenverbrauch zu decken."

 


Novelle steuert Energiewende

Einbußen "Nur 40 Prozent der Einnahmen aus der Umlage für erneuerbare Energien geht an die Betreiber von Photovoltaikanlagen und Windrädern", erklärt Dieter Nemec. Dem Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft Voralb-Schurwald zufolge kommt der Rest der Abgabe etwa

Unternehmen zugute, die viel Strom benötigen und stark vom Export abhängen. Ein weiterer Teil der Abgabe gleiche die Differenz aus zwischen dem an der Börse gehandelten Strompreis und dem langfristig geltenden Preis.

Ziel Das geänderte Gesetz soll die Erzeugung von Ökostrom besser steuern und die Förderung stufenweise zurückfahren. Zudem legt es Ziele fest für den Ausbau der Energiegewinnung in den Bereichen Windkraft, Solarenergie sowie Biomasse.

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