Besucher staunen über schwere Ausrüstung

Bei einer Führung über das Gelände des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen erfuhren die Besucher viel über die Polizeiarbeit und über die Geschichte des Geländes.

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Der Pressesprecher des Präsidiums Einsatz, Jens Czechtizky, informiert die Besucher übers Polizeipräsidium Einsatz und das Bepo-Gelände.  Foto: 

Meist haben es die Angehörigen der Spezialeinsatzkräfte der Polizei mit wenig freundlich gesonnenen Zeitgenossen zu tun. Es dürfte daher eine Begegnung der besonderen Art gewesen sein, die ein Polizist im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen machte. Eine Teilnehmerin der Führung auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Einsatz im Areal der Bereitschaftspolizei nahm die rund 20 Kilo schwere Schutzausrüstung ganz genau unter die Lupe. Und weil Optik nur das halbe Leben ist, wurde die Ausrüstung des Polizisten auch einer tastenden  Untersuchung unterzogen. Der kurzfristig aus einer Übung entführte Polizist, erklärte geduldig die Funktionen der Protektoren und anderer Schutzmechanismen während er unter umgekehrten Vorzeichen einer kleinen Leibesvisitation unterzogen wurde.

 Einsätze sind meist ein präzise abgestimmtes Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Auch auf einen Teil der Einsatzgeräte durften die Besucher einen Blick werfen: Fahrzeuge, Kamerasysteme und Boote. Denn seit der Polizeireform unterstehen alle 2500 Einsatzkräfte der Göppinger Leitung: „Zu Lande, zu Wasser und in der Luft“, sagte Pressesprecher Jens Czechtizky. Stationiert sind die Einheiten der Bereitschaftspolizei, der Wasserschutzpolizei und der Hubschrauberstaffel freilich weiter im ganzen Land. In Stuttgart, Bruchsal, am Neckar, am Rhein, am Bodensee. Dies alles erfuhren die Besucher bei ihrem Rundgang.

Dort hat auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) Baden-Württemberg, welches 1976 als Reaktion auf den Terrorismus gegründet worden war, seine Räume. Heute habe das SEK rund 200, teils mehrtägige Einsätze pro Jahr. Gerufen würden die Spezialkräfte, wenn es um Einsätze mit bewaffneten Tätern gehe, erläuterte Czechtizky.

 Bewundert wurde von den Führungsteilnehmern das Gelände an sich. Norbert Lämmerzahl aus Bartenbach meinte, es handle sich um eine der schönsten früheren Luftwaffenkasernen in Deutschland, höchstens noch vergleichbar mit Fürstenfeldbruck. Als langjähriger Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Göppingen ist er immer wieder auf die Anlage der Bepo gekommen. Ihn interessierten daher insbesondere die Veränderungen. Er findet die Anpassung der modernen Inneneinrichtung bei gleichzeitiger Beibehaltung der Gebäude und Bäume gelungen. „Ein Gewinn für Göppingen.“

 Die Nutzung des Geländes war seit 1936 immer wieder Wechseln unterzogen. Vor genau 80 Jahren war die Flak-Garnison gegründet worden. In der  Nachkriegszeit diente das Areal zunächst als Lazarett und Gefangenenlager der Amerikaner. Bis zu 10.000 Menschen waren dort inhaftiert, wo heute 1100 Menschen arbeiten. Die Sterberate war hoch. Bis ins Jahr 1947 war es dann „Landesversehrtenkrankenhaus“. Dann befanden sich dort die „Zentralkliniken Göppingen“. Kapazitäten der Humanmedizin hätten den Zentralkliniken schnell einen hervorragenden Ruf in ganz Südwestdeutschland verschafft, berichtete Czechtizky. Unter anderen hätten dort die Doktoren Zukschwerdt und Winkler praktiziert, die vielen heute noch ein Begriff seien.

 Am 1. August 1951 zogen die ersten Bereitschaftspolizisten ein. Nach und nach wurde der Parallelbetrieb zurückgefahren, bis ab September 1953 nur noch die „Bepo“ dort stationiert war. Einen Höchststand an Polizisten gab es in den 70er Jahren. Als Reaktion auf die RAF-Anschläge wurde die Zahl auf 3800 gesteigert. 1987 habe es einen Kulturschock gegeben. Die ersten Frauen mit Dienstrock traten an. „Außerirdische auf dem Planeten Bepo“, beschreibt Czechtizky die Wahrnehmung. Inzwischen habe sich das Bild gewandelt und die Polizei bilde einen Querschnitt der Bevölkerung ab. Auch mit den seit 1993 in Dienst genommenen Ausländern, die „riesige Vorteile“ bei der Begegnung mit der Klientel böten, berichtete Czechtizky.

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