Bessere Noten mit "Pommes"

Sechs ehrenamtliche Nachhilfekräfte kümmern sich um acht Schüler mit Migrationshintergrund. Ihre Noten haben sich zum Teil deutlich gebessert. Zwölf weitere Schüler stehen auf der Warteliste.

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Begehrte Helfer: Häufig greifen die ehrenamtlichen Nachhilfelehrer ihren Schülern nur ein wenig unter die Arme und die Noten werden besser. Foto: Elke Berger

"Innerhalb weniger Monate half mir mein Nachhilfelehrer in Mathematik von 4 auf 15 Punkte", berichtet der angehende Abiturient Stanislav Schitz stolz. In Noten ausgedrückt ist das eine Steigerung von 4 minus auf 1 plus. Eine "Wunderheilung", die durch Elke Sauers Initiative "Pommes" - "Pauken obercool - mach mit! Ehrenamtprojekt Schülernachhilfe" ermöglicht wurde.

"Seit knapp zwei Jahren bietet die Diakonie in Göppingen kostenlose Nachhilfe für Schüler mit Migrationshintergrund an", erklärt Diplom-Sozialarbeiterin Elke Sauer ihr Projekt. Die Nachfrage wächst stetig und deshalb ist sie dringend auf der Suche nach weiteren Nachhilfekräften. Professionelle Pädagogen erwartet sie dafür allerdings nicht. "Wir suchen Menschen, die sich vorstellen können, mit Kindern oder Jugendlichen zu arbeiten." Die Qualifikation sei dabei völlig egal, die Hauptsache ist Spaß am Umgang mit den Heranwachsenden, die mindestens zwölf Jahre alt sind. "Oft brauchen die Schüler nur jemanden, der mit ihnen deutsch spricht und ihnen Wörter oder Texte erklärt, die sie nicht verstehen." Dies könne im Prinzip jeder übernehmen, dessen Muttersprache Deutsch sei, meint Sauer.

Dass nicht einmal dies zwingend notwendig ist, beweist Ludmilla Bachmann. Mit neun Jahren zog sie mit ihrer Familie von Russland nach Deutschland. Schulisch war sie dann auf sich allein gestellt, ihre Eltern konnten ihr nicht helfen. "Heute möchte ich das weitergeben, was ich damals nicht hatte", ist ihre Motivation, die Jugendlichen bei der Integration zu unterstützen. Neben ihrem Mechatronik-Sudium nimmt sie sich gleich für drei Schüler Zeit.

Carmen Ketterl ist selbstständige Umweltmanagementberaterin: "Durch meine drei Kinder bin ich in Übung was den Schulstoff betrifft und mein Beruf ermöglicht mir eine freie Zeiteinteilung." Sie unterstützt Berkay Tanis in Deutsch, Englisch und Französisch. Berkay besucht die siebte Klasse eines Gymnasiums. "Das G8 ist sehr anstrengend", findet er, "aber trotzdem gehe ich immer noch sehr gerne zur Schule, auch Dank Frau Ketterl." Seine Mutter ist stolz auf ihren Sohn und bedauert es, dass sie ihn in der Schule nicht unterstützen kann: "Es ist sehr schwierig, wenn Eltern ihren Kindern wegen der Sprachbarriere nicht helfen können." Selbst bei Gesprächsterminen mit Lehrern stoße sie an ihre Grenzen.

Auf der Wirtschaftsschule in der Öde bemüht sich Orhan Can um seinen Realschulabschluss. "Mein bisheriger Nachhilfelehrer, ein Ingenieur, ist vor einiger Zeit leider weggezogen. Jetzt hoffe ich auf jemand Neues, der mir in Mathe hilft." Wie wichtig die Zeugnisnoten für die Arbeitgeber sind, bedauert Jutta Kalder-Ege. Als Lehrerin im Ruhestand hat sie früher schon viel mitbekommen vom Kampf der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt. "Die meisten Arbeitgeber schauen nur auf Noten und wissen gar nicht, welche Anforderungen dazugehören." Ein ausländischer Schüler, der zuerst mühsam Deutsch lernt und sich dann noch im Deutschunterricht durch einen Goethe oder Schiller durchquälen muss, bleibe dann vielleicht auf einer vier im Zeugnis sitzen, obwohl er ordentlich lesen und schreiben kann. Andere, beispielsweise technische Talente, tauchten erst gar nicht im Zeugnis auf. Kalder-Ege hilft im Fach Deutsch und schätzt neben der Möglichkeit zu helfen die interkulturelle Begegnung.

"Jeder, der jetzt Lust bekommt, unser Nachhilfeteam zu verstärken, ist herzlich willkommen", bekräftigt Elke Sauer. Deutschkenntnisse und Nestwärme für die Schüler seien die einzige Voraussetzung.

Interessierte können sich beim Jugendmigrationsdienst Göppingen bei Elke Sauer informieren. Telefon: (07161) 38905-18.

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