Beim Schulstreit diskutieren jetzt die Bürger mit

Über die Zukunft der Schullandschaft gehen in Süßen die Wogen hoch. Am Dienstag wird in einer Bürgerversammlung darüber informiert und diskutiert. Mit einem Kommentar von Daniel Grupp.

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Die Süßener J.-G.-Fischer-Schule gehörte zu den ersten Gemeinschaftsschulen im Land. Die benachbarte Realschule möchte nicht mit ihr fusionieren.  Foto: 
Eine etablierte, erfolgreiche Realschule, die gut funktioniere, darf aus Sicht von Albrecht Finckh nicht zerstört werden. Deshalb wendet sich der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Gemeinderat von Süßen gegen die Zusammenlegung von Geschwister-Scholl-Realschule und J.G.-Fischer-Gemeinschaftsschule. Viele Schüler kämen gerade wegen der Realschule nach Süßen. Der Schulstandort nehme durch die Fusion Schaden.

Die gegenteilige Ansicht vertreten die Befürworter des Zusammenschlusses. Es gehe um die Qualität des Schulstandorts, der sich wegen der neuen Gemeinschaftsschulen in den Nachbarorten einem Konkurrenzkampf stellen müsse, verteidigt zum Beispiel die Süßener SPD den Zusammenschluss. Die zukunftssichere Entwicklung des Standorts gerate in Gefahr, bewertet die SPD die Initiativen, die den Zusammenschluss stoppen wollen.

In zwei Abstimmungen im Süßener Gemeinderat hatte die Mehrheit beschlossen, die Realschule und die Gemeinschaftsschule zu fusionieren. In der Praxis würde dies bedeuten, dass die Realschule in der Gemeinschaftsschule aufgeht. Die Stadträte von SPD, Grünen und zwei Vertreter der FDP-AFW haben zuletzt dafür gestimmt, die CDU- und zwei weitere FDP-AFW-Stadträte waren dagegen.

Bürgermeister Marc Kersting hatte beim Grundsatzbeschluss im Oktober 2013 für die Zusammenlegung votiert, bei der Abstimmung im Dezember 2014 dann nicht mehr, weil in der Zwischenzeit aus dem Umfeld der Realschule der Widerstand gegen die Zusammenlegung immer heftiger wurde. Er habe noch Zeit für weitere Gespräche und Informationen gewinnen wollen, sagt Kersting.

Der Gemeinderat muss noch einmal über das Thema abstimmen. Das Gremium müsse noch beschließen, die Realschule aufzuheben. Das sei Voraussetzung für die Fusion. „Das war eigentlich immer klar“, sagt der Bürgermeister. Dies soll im Juli über die Bühne gehen.

Davor sollen aber alle Beteiligten auf den gleichen Informationsstand kommen. „Wichtig ist, dass man darstellt, was ist Realschule, was ist Gemeinschaftsschule“, erklärt Kersting. Die Information der Bürger erhofft sich auch Finckh, der beide Schulformen behalten möchte, weil Kinder unterschiedlich seien.

Die Bürgerversammlung beginnt am Dienstag, 9. Juni, um 19 Uhr in der TSV-Halle. Dabei soll Ralf Güntner vom Schulamt Göppingen neutral informieren. Neben Kersting werden die Rektoren Werner Fischer und Steffen Lonczig sowie Vertreter der Fraktionen sprechen. An der Diskussion können neben den Süßenern auch Eltern aus Nachbarorten teilnehmen, deren Kinder Schulen in Süßen besuchen.

Ein Kommentar von Daniel Grupp: Den Standort nicht schlecht reden

Information ist das Zauberwort, das in Süßen den Streit zwischen den Gegnern und den Befürwortern des Zusammenschlusses von Real- und Gemeinschaftsschule abmildern soll. Die Bürgerversammlung am Dienstag bietet dazu eine gute Gelegenheit, die die Beteiligten auch nutzen sollten. Denn es ist weder der Stadt noch den Schulen gedient, wenn die eine oder andere Seite den Standort schlecht redet.

Dass sich in Süßen die Vertreter der Gemeinschaftsschule für die Fusion stark machen, ist verständlich. Dadurch wächst die Zahl ihrer Schüler, das Unterrichtsangebot kann vielfältiger und attraktiver gestaltet werden. Zudem winkt ein Imagegewinn. Die Realschule indes sieht sich derzeit gut positioniert in der Bildungslandschaft. Ihr geht es auch um den Status, den die Schule nicht verlieren möchte. Viele Eltern wollten keine Ganztagesschule, ist oft zu hören. Wie die Öffnungszeit vieler Kindergärten aber zeigt, geht die Entwicklung in eine andere Richtung. An Schulen ist der Unterschied ohnehin gering - täglich bis 13 Uhr oder ab drei Tage bis 15 Uhr.

Weil sich die Schüler ändern, müssen sich die Realschulen weiter entwickeln. Dies fordert auch das Land. In der Praxis werden sich beide Schultypen in einigen Jahren kaum unterscheiden. Mit einer Fusion stünde Süßen an der Spitze dieser Entwicklung, ansonsten dauert es einige Jahre länger, aber der Trend zum zweigliedrigen Schulsystem dürfte unumkehrbar sein.

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Themenschwerpunkt

Streit um Schulfusion

Die Lösung im Streit um die geplante Fusion der J.-G.-Fischer-Gemeinschaftsschule in Süßen mit der Geschwister-Scholl-Realschule, könnte ein Kompromiss als Schulverbund sein.

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