Beim Männerhort gab’s eine Komödie vor der Komödie

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Lustig und turbulent ging’s zu im „Männerhort“ im Adelberger Kloster.  Foto: 

Jeder kennt den Witz: „Geht eine Frau an einem Schuhgeschäft vorbei.“ Doch bevor die „unsichtbaren“ Gemahlinnen im Happy-Shopping-Center oben und die Männer quasi als sympathische „Kellerasseln“ unten loslegen konnten, folgte erst mal ein spontaner Schlagabtausch, den es so zwischen den Schauspielern und einigen Besuchern vermutlich noch nie gegeben hat: „Lauter!“ schallt es vom Zuschauerrang, „wir verstehen nichts“.

Das Mikro von Helmut gab keinen Mucks von sich. Verzweifelte Rufe nach den Technikern, die Hand an Helmuts Übertragungskästchen in dessen Hose  anlegen. Kurzes tonales Aufbäumen, dann war wieder Stille. „Noch ne Wurst oder ein Bier“, überbrückt Helmut die stumme Zeit grinsend, ploppt sich selbst ein Wulle auf und meint nach weiteren „Finde-den-Fehler-Minuten“: „Oh Gott, das passt ja zum Kloster“. Die Spannung steigt, wird das heut’ noch was? „Ich muss halt am Montag schaffa“, verkündet ein Zuschauer locker, Gelächter folgt. Dann entdeckt ein Techniker den vermutlichen Fehler: „Die vier ist drin, aber der Ausschlag liegt bei der fünf“. Das Publikum schmeißt sich weg vor Lachen, als ein Besucher rät: „Dann lass doch a bissle dr Fernseher laufa“. Nach über 20 Minuten war das Problem gelöst.

Nach Eroll (Markus Penne) und Helmut (Patric Welzbacher) füllt sich mit Lars (Felix Lampert) langsam der Heizungskeller, genauer gesagt der Männerhort in den Katakomben eines Einkaufszentrums. Dort macht es sich das charakterlich völlig unterschiedliche Trio mit Bier und einer bildtechnisch ständig unterbrochenen Fußballübertragung gemütlich.

Zufällig findet Feuerwehrmann Mario (Arno Kempf) das Versteck und will dem Idyll ein Ende bereiten. Doch schnell begreift er, dass er bei dieser Selbsthilfegruppe gar nicht so falsch ist. Fortan sind es vier Kerle, die beim Basteln der längsten Dosennippelkette dem weiblichen Willen zum Einkauf trotzen. Was für bedauernswerte Y-Chromosom-Träger, sind sie doch nichts anderes als die Sklaven ihrer an „Shopperitis“ leidenden Frauen. Dem Weibe untertan, müssen sie horrende Rechnungen bezahlen sowie sinnlose Einkäufe, wie bisweilen sieben Damensättel, „wo doch schon drei Stück bis zur Menopause reichen würden“, nach Hause tragen.

Nachdem der Fernseher immer noch defekt ist, meint Helmut: „Wir können uns einfach mal so unterhalten“. Ein fataler Fehler, denn die bis dahin heile Unterwelt bekommt zusehends Risse. Ungeachtet des weiblichen „Innenlebens“, das es bei Männern anscheinend nicht zu geben scheint, wirft einer nach dem anderen seine Frau aus dem Haus.

„Vertrauen ist gut, verfolgen ist besser“, meint Eroll, für den nicht wie bei Lars „Alles Lambada“ ist. Ganz im Gegenteil. „Anhand einer Liste unserer Dessous kontrolliere ich täglich unsere Schmutzwäsche, sogar mit Schwarzlicht gegen bestimmte Flecken“, verrät der gehörnte Ehemann. Anfangs noch über Fußball, Dosennippel, Damensättel quatschend, nehmen sie  sich dann Hemingway als Vorbild. Denn der Schriftsteller galt als Meister seines Fachs im „Nicht-mit-Frauen-diskutieren“.

Es sind bisweilen die spontan wirkenden Sprüche, die dem Stück die nötige Würze verleihen. Wenn beispielsweise die selbstverliebte Führungskraft Lars an den Klingeltönen erkennt, wer ist Ehefrau und wer ein neuer unkomplizierter „Tinder-Flirt“. Sprechen ihn seine Kumpels darauf an, meint der Womanizer: „Die Arme würde sich nie umbringen, wenn ich nicht zugucke“. Das sitzt. Nicht jede Szene war an den Film angelehnt, die flotte Inszenierung hatte durchaus ihren ganz eigenen Charme. Bisweilen ein grob gestricktes, aber als solches recht amüsantes und mitunter ziemlich witziges Theaterstück, dass am Ende zu Recht jede Menge Beifall bekam.

Erfolgsstück Mit dem „Männerhort“ schrieb der deutsch-isländische Autor Kristof Magnusson seinen größten Theatererfolg. Das Stück wurde an mehr als 80 Bühnen im In- und Ausland inszeniert. Allein die Inszenierung des Berliner Theaters am Kurfürstendamm mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst sahen gut 100 000 Zuschauer. Und die Verfilmung mit Christoph Maria Herbst, Detlev Buck und Elyas M’Barek landete auf Platz 1 der deutschen Kinocharts.

Vorbild Den Männerhort gab es wirklich, und zwar Ende der 90er Jahre in Göppingen. Die Idee dazu ging damals auf eine Initiative der VHS und des  Stadtmarketings zurück. Der Göppinger VHS-Leiter Wolfgang Merkle erinnert sich, dass man die Idee hatte, nicht die Kinder, sondern die Männer seien die wahren Einkaufsbremser, die man deshalb im „Männerhort“ beschäftigen wollte. Kurz darauf standen internationale Kamerateams in der Bleichstraße, wo der Hort eingerichtet war. Drei Jahre später schrieb Magnusson sein Stück. maz

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