Bedenken gegen Wohngebiet Dittlau

Zwischen Faurndau und Jebenhausen sollen schon bald neue Eigenheime stehen. Erste Ideen stellte OB Guido Till bei der Bezirksbeiratssitzung in Faurndau vor. 40 Besucher waren gekommen.

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Das Gebiet Dittlau zwischen Faurndau und Jebenhausen. Hier soll auf etwa 14 Hektar ein Wohnquartier entstehen.  Foto: 

Im „Dittlau“ in Faurndau könnte in den kommenden Jahren ein neues Wohngebiet ausgewiesen werden. Oberbürgermeister Guido Till stellte zusammen mit Baubürgermeister Helmut Renftle erste Ideen dazu in einer von rund 40 Bürgern besuchten Bezirksbeiratssitzung im Farrenstall vor. Ablehnung äußerte Beirat Richard Schurr (FW), die SPD-Beiräte wollten kritische Anmerkungen festgehalten wissen, signalisierten jedoch, dass es keinen grundsätzlichen Widerstand gebe.

OB Till: „Der Markt ist leer“

Der Rathauschef betonte, dass es noch kein fertiges Konzept gebe. Vielmehr war ihm zusammen mit dem Baubürgermeister die frühzeitige Information ein Anliegen. Er sagte zu, den begonnenen Dialog fortzusetzen. Ausführlich legte er dar, weshalb in Göppingen dringend neue Wohnungen in größerem Umfang und für verschiedene Zielgruppen entstehen sollten. „Der Markt ist leer“, so Till, der Siedlungsdruck entsprechend hoch. Denn die Wirtschaft in Göppingen floriere. „Wir müssen Wohnraum für unsere Mitbürger schaffen“, erklärte Bürgermeister Renftle. OB Till verwies darauf, dass neben Gewerbesteuer auch die Einkommenssteuer von Bedeutung sei. Würden Interessenten auf andere Kommunen ausweichen, habe man keine Vorteile, aber Nachteile, etwa den Durchgangsverkehr.

Im Flächennutzungsplan ist das Gebiet Dittlau bislang zur Gewerbenutzung vorgesehen. In den Augen Tills wäre es allerdings Perlen vor die Säue geworfen, wenn diese Lage mit toller Aussicht nicht als Wohnbebauung umgewidmet würde. Bürgermeister Renftle verwies auch darauf, dass in diesem Gebiet keine Restriktionen wie Vogelschutz bestünden wie an anderen Stellen. Daher biete sich nach jahrelanger, intensiver Suche sowie mühevoller Innenentwicklung das Gebiet für ein Bauprojekt in größerem Umfang an.

Er stelle sich eine behutsame Entwicklung des Gebietes von Faurndau aus Richtung Süden vor, so Till weiter, der auch betonte, dass man keine Trabantenstadt wolle: „Die Versorgung würde im Zentrum bleiben“. Entscheidend sei ein eigener B-10-Anschluss, da die St. Galler-Straße nicht in der Lage sei, noch mehr Verkehr aufzunehmen, erklärten Till und Renftle unisono. Dieser könnte auf Höhe des Tierheims als „Öde Süd“ entstehen.

Bezirksbeirätin Iris Leister (CDU) würde die Anschlussstelle gerne unabhängig von dem Baugebiet verwirklicht sehen, was aber laut OB nicht so leicht ist, da die Anforderungen dafür seitens des Landes beziehungsweise Regierungspräsidiums hoch seien.

„Ich bin gegen das Dittlau“, erklärte Beirat Richard Schurr (FW). Er führte Gründe ökologischer Nachhaltigkeit an und gab auch zu bedenken, dass die Gegend stark von der Automobilindustrie abhängig sei, die sich gerade im Umbruch befinde. Der Wohnbedarf könne daher eine Seifenblase sein, meinte Schurr.

OB Till warnte davor, das Thema Wirtschaftskraft zu vernachlässigen. Aufgrund seiner Erfahrungen im anderen Regionen Deutschlands sagte er, dass ein Verlust schleichend erfolge, aber „wenn sie weg ist, ist sie weg“. Umeine gute Infrastruktur erhalten zu können, sei eine Auslastung der Angebote wie etwa der Schule nötig. Es gelte daher, auch in dieser Hinsicht nachhaltig zu denken und auch Wohnraum für junge Familien anzubieten.

Zahlreiche Bedenken und Fragen zum geplanten Wohngebiet wollte die SPD-Fraktion öffentlich festgehalten wissen. Bezirksbeirat Herbert Schweikardt betonte nach Wortgefechten mit dem OB aber auch, dass es sich um keine grundsätzliche Ablehnung handle. Wichtig sei bezahlbarer Wohnraum, sagte Gunther Reiber (SPD), der Till und Renftle hinsichtlich der Vorgehensweise warnte: „Sie müssen aufpassen, dass Sie nicht wie zwei Elefanten im Porzellanladen auftreten.“ Kritik übte er auch an der Länge des Pachtvertrages des Golfclubs im Stauferpark bis ins Jahr 2027, dem der Göppinger Gemeinderat zugestimmt hatte und somit eine Wohnbebauung in dieser Zeit dort nicht möglich ist.

„Fast aus den Socken gehauen“ hat es Reiber, dass der Sportplatz im Dittlau zur Disposition stehen könnte. Ein umfangreicher Fragenkatalog, etwa zu ökologischen Gesichtspunkten und zur Gesamtentwicklung Faurndaus, schlossen sich an. Bezirksbeirat Till Krauß, ebenfalls SPD, forderte eine echte Bürgerversammlung vor einer Abstimmung über das Wohngebiet.

Bezirksbeirat Martin Schurr (Grüne) erkundigte sich, ob man enteignen wolle, wenn Eigentümer im Dittlau ihr Stück nicht verkaufen wollten. OB Till verneinte dies klar: „Wir enteignen doch nicht!“

Größe Rund 40 zusammenhängende Hektar sind angedacht, davon würde rund die Hälfte für die Wohnbebauung genutzt werden. Entstehen könnten dabei 700 bis 830 Wohneinheiten, was einen Bevölkerungszuwachs von 1700 bis 2000 Einwohnern zur Folge hätte.

Zukunft Bürgermeister Helmut Renftle gab zu bedenken, dass einer Berechnung der Region zufolge bis ins Jahr 2030 im Kreis 10 000 Wohneinheiten fehlen würden.

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