Baumwipfelpfad erhitzt die Gemüter

Stadt Wiesensteig, Landkreis und Investor sehen den geplanten Baumwipfelpfad als "einmalige Chance", Kritiker haben jedoch Bedenken. Die Kreisräte werden sich daher heute eine kontroverse Debatte liefern.

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Heute um 15 Uhr wird es spannend: Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistags tritt im Göppinger Landratsamt zusammen und wird über ein umstrittenes Projekt beraten und eine Richtungsentscheidung treffen. Es geht um den geplanten Baumwipfelpfad mit einem Waldinformations- und Erlebniszentrum am Bronnen in Wiesensteig. Die Landkreisverwaltung trommelt mächtig dafür und sieht in dem touristischen Angebot "ein einmaliges Projekt für die Region", das einen "hohen Erlebniswert" vermitteln und viele Besucher locken würde. Der Investor, die Erlebnis Akademie (EA) mit Sitz in Bad Kötzting , sowie die Forstverwaltung Baden-Württemberg und die Stadt Wiesensteig teilen diese Auffassung.

Doch es regt sich auch Widerstand, es gibt jede Menge Fragen und Bedenken. Die Geislinger CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi und Wolfgang Rapp, Fraktionschef der CDU im Kreistag, sind überzeugt: "Nur vor Ort im Gespräch mit den Betroffenen kann man sich eine objektive Meinung über den geplanten Baumwipfelpfad bilden. Die Vor- und Nachteile müssen vor einer Entscheidung intensiv diskutiert und abgewogen werden", betonen sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Daher haben Razavi und Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion sich "unvoreingenommen" nach Wiesensteig aufgemacht und mit den Anliegern gesprochen.

Die Diskussion fand direkt am Standort des geplanten Baumwipfelpfads in der Nähe des Reußenstein-Parkplatzes statt. Mit dabei war die Familie Rothfuß, die als Anlieger und Betreiber eines landwirtschaftlichen Betriebs von dem Projekt betroffen wäre. Auch Claus Buntz vom Kreisbauernverband, Andreas Pohl als Wiesensteiger Berufsjäger, Landrat Edgar Wolff und der Wiesensteiger Bürgermeister Gebhard Tritschler waren ebenfalls mit von der Partie. Heiner Rotfuß, der in unmittelbarer Nähe des geplanten Baumwipfelpfads einen 100 Hektar großen Landwirtschaftsbetrieb betreibt, rechnet mit "gravierenden Auswirkungen". Er kritisierte, dass der Standort für den erwarteten Besucheransturm nicht geeignet sei. Bereits jetzt sei durch zahlreiche Attraktionen in der Umgebung die Parksituation "mehr als problematisch". Zudem könne er nicht verstehen, wie ein derartiges Projekt in einem Landschafts-, Vogel- und Wasserschutzgebiet aufgezogen werden könne. Er befürchtet einen "vorübergehenden Eventcharakter", der irgendwann verpufft.

Claus Buntz als Vertreter des Kreisbauernverbandes stieß in dasselbe Horn: "An Tagen mit hohem Besucheransturm wird eine Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen rund um den Baumwipfelpfad nicht mehr möglich sein." Er habe kein Verständnis dafür, dass wertvolles Ackerland für neue Parkplätze verplant werde. Der Wiesensteiger Kreisrat Dieter Braun monierte, "dass sich der Investor bereits für diesen Standort entschieden hat, aber bis zum heutigen Tag nicht das Gespräch mit den Anliegern gesucht hat".

Andreas Pohl sieht hingegen negative Auswirkungen auf die Tierwelt. Auch er kritisierte, dass erhebliche Flächen kaputt gemacht würden und appellierte, die vorhandenen Besuchermagneten der Region besser zu nutzen und einen sanften Tourismus zu betreiben. Ebenso wie die Familie Rotfuß stellt er den Nutzen des Projekts für die Stadt Wiesensteig in Frage.

Die Abgeordnete Nicole Razavi übte Kritik am Prozedere: Das Bürgergespräch hätte bereits am Anfang des Planungsprozesses stattfinden müssen. Ein besonderes Augenmerk legte sie auf die zu erwartende zusätzliche Verkehrsbelastung. Landrat Edgar Wolff und Wiesensteigs Bürgermeister Gerhard Tritschler gingen in der Runde auf die Vorteile des Projekts ein.

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