Azubi-Einsatz für die gute Sache

Das Fahrzeug ist 15 Jahre alt, durchgerostet und unfallbeschädigt. Nicht mehr lange: Kfz-Azubis wollen aus einem 15 Jahre alten VW Transporter des Waldeckhofes ein verkehrstüchtiges Glanzstück machen.

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An dem Fahrzeug des Waldeckhofs zeigen Jörg Schäffer und Hans-Walter Schurr den Azubis, wie langwierige Arbeiten strukturiert werden. Foto: Kfz-Innung

"Den Wagen würde der Tüv wahrscheinlich sofort aus dem Verkehr ziehen", vermutet Kfz-Meister Hans-Walter Schurr. Der Rost hat die linke Tür des VW-Transporters durchgefressen und die Schweller sehen nach 190 000 Kilometern nicht besser aus. Durchgerostete Schweller sind beim Tüv ein K.o.-Kriterium, genauso wie das leicht schiefstehende, ausgeschlagene Vorderrad. Doch Kfz-Azubis wollen aus dem Fahrzeug ein verkehrstüchtiges Glanzstück machen. Keine leichte Aufgabe.

Für die Staufen Arbeits- und Beschäftigungsförderung ist das weißlich-rostige Gefährt, das vor allem für den Gartenbau und die Grünpflege eingesetzt wird, Gold wert. "In dem Doppelkabinenauto können wir sechs Personen transportieren und auf der Pritsche noch unsere Geräte und Material", erklärt Geschäftsführerin Karin Woyta, die 250 Langzeitarbeitslose und psychisch Kranke wieder in ein geregeltes Arbeitsleben bringt.

Schon seit einem Jahr hat die Kfz-Innung Göppingen die Idee "Pimp a Benefiz-Car": Azubis des dritten Lehrjahrs machen sich über ein desolates Fahrzeug her, das dann fahrtüchtig einer gemeinnützigen Organisation zu Gute kommen soll. Damit haben die angehenden Kfz-Mechatroniker einerseits ein lohnendes Ziel und andererseits begleitet von Ausbildungs-Fachmann Schurr und Berufsschullehrer Jörg Schäffer arbeiten sie wie in einer Lehrwerkstatt. "Im Ausbildungsbetrieb stehen die Schüler unter Zeitdruck und arbeiten nach Vorgaben ihres Meisters oder eines Gesellen", sagt Schäffer. In Schurrs Werkstatt dagegen lernen die 24 Azubis selbstständiges, zielgerichtetes Arbeiten. "Das ist viel Arbeit", sagt der 19-jährige Steffen Schüssler nach einem ersten Rundgang um das Auto, "aber das ist zu machen". Der Ursenwanger lernt beim städtischen Betriebshof.

Bis Mai soll das Fahrzeug wieder einsatzfähig sein. "Die Basis ist nicht schlecht", urteilt Schurr, denn Verschleißteile wie Motor oder Lichtmaschine sind weitestgehend in Ordnung. Vor allem die Karosserie ist in einem desolaten Zustand. Deshalb müssen die Azubis zunächst viele Teile auseinander schrauben. Um Geld zu sparen und damit die Jungen es lernen, sollen möglichst viele Teile erhalten bleiben. Das gibt dem Kfz-Meister gleich die Gelegenheit einen Azubi als "Entroster" zu bestimmen, der mit Rostlösungsmittel und Stahlbürste auf Zuruf allen hilft. Schäffer ist vom Projekt begeistert: "Die Innung und die Schule arbeiten wirklich sehr gut zusammen." Eigentlich sind die Azubis im dritten Lehrjahr alle zwei Wochen für drei Tage an der Schule, um Theorie zu büffeln. Aber für den guten Zweck werden einige Unterrichtsstunden in der Faurndauer Werkstatt absolviert. "Wir werden sicher fünf Arbeitstage benötigen", so Schäffer.

Innungs-Vize Schurr ist auch von seinen Berufskollegen begeistert. Eineinhalb Tage nachdem er zusammen mit Obermeister Klaus Heschke eine Liste mit den benötigten Ersatzteilen im Wert von 4000 Euro an die 130 Kfz-Betriebe im Landkreis geschickt hatte, besaß er für 95 Prozent der Teile Zusagen. Außerdem landeten weitere 3800 Euro auf einem eigens eingerichteten Spendenkonto. Damit sollen Verbrauchsmittel wie Schleifpapier bezahlt werden und die künftigen Kundendienste. "Das ist klar, dass dieses Geld ausschließlich für dieses Projekt genutzt wird." Damit Karin Woyta und ihre Mitarbeiter den Wagen im Mai garantiert nicht mehr erkennen, übernimmt ein Autohaus sogar eine neue Lackierung.

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