Ausstellung mit Thesenanschlag in Göppingen

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„Exactness is a fake“ ist diese Arbeit von Claude Wall unterschrieben. Das Zitat stammt von dem britischen Philosophen Alfred North Whitehead (1861-1947).   Foto: 

Am Beginn der Reformation stand Luthers Protest gegen die schamlose Vermarktung des Glaubens durch die katholische Kirche. Diesen Protest projiziert der Stuttgarter Künstler Claude Wall in die Gegenwart. Seine These: Der Kunstmarkt und die sensationslüsternen Medien wollen die Kunstwerke auf ihren Warencharakter und ihren Spekulationswert reduzieren. Von Bedeutung, Bildung und geistigem Mehrwert ist selten die Rede, und doch macht dies vor allem den Wert eines Kunstwerkes aus.

Die Reformation wirkte für die Christliche Kirche wie eine Revolution. In der Kunst kann man die permanente Reformation und Veränderung als Motor der Entwicklung vermuten. Thesen zum aus den Fugen geratenen Kunstmarkt gibt es genug, aber hier geht es um Kunst und Leben.

In seiner neuen Ausstellung in der Kunsthalle Göppingen Bilder als Thesen zur Kunst und nicht nur dazu, von Claude Wall in seinem ganz eigenen Duktus gemalt. Wall, der häufig intelligente Spiele mit den Werken seiner Kollegen spielt, zitiert außerdem Künstler, Philosophen – und eben auch Martin Luther. „Ihre Bilder und ihre Zitate bedeuten inspirierende Beiträge zur Debatte, einbezogen in Claude Walls Werke“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Kunsthalle Göppingen, „Kunst über Kunst – mit Thesen und Zitaten sich ein Bild machen, als rhetorische Volte, ausgesprochen und versinnbildlicht“.

So können die Betrachter mit der Kunst, in der Kunst und um die Kunst denken, fühlen, vielleicht auch streiten. Mit jeder These kann sich das Publikum auf eine kleine oder große Expedition des Mitdenkens machen.

Claude Wall versucht in jeder These auf den Punkt und ins Bild zu bringen, was man über Kunst und manchmal über Besonderheiten im Leben sagen und denken und verstehen kann. Er lässt die Community der Kunst zu Wort kommen, kleidet die Sätze in Bilder, die sich selbst kritisch spiegeln und wie Öffnungen funktionieren für das, was sich in der Betrachtung findet. „Thesen wägen nicht ab, sie suchen Zustimmung und beinhalten Kritik, sie provozieren Widerspruch und Fragen“, heißt es weiter in der Pressemitteilung. „Und die Lossprechung ist nicht auf das Jüngste Gericht vertagt. Jetzt und hier in der Ausstellung wird verhandelt, was sich in das große Buch des Wissens in Bildern einschreiben lässt.“

Und warum „95 Thesen plus 1“? Auch hierauf weiß die Kunsthalle eine Antwort: „... plus 1 könnte die These des Ganzen sein, die Frage aller Fragen und die These aller Thesen.“

Eröffnung Die Ausstellung „95 Thesen plus 1“ des Stuttgarter Künstlers Claude Wall wird am Sonntag, 17. September, 18 Uhr, in der Kunsthalle Göppingen eröffnet. Zur Ausstellung spricht Kunsthallenleiter Werner Meyer.

Öffnungszeiten: Di.-Fr. 13-19 Uhr, Sa., So. 11-19 Uhr und n. Vereinb. (bis 12. November); kunsthalle-goeppingen.de.

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