AUSFLUGSTIPP: Haarmode - gewagt bis schlicht Ausstellung "Geschichte der Frisuren" im Reutlinger Heimatmuseum

Schon immer war es ein Traum der Frauen, eine tolle Haarpracht zu haben. Was dabei im Laufe der Zeit herauskam, zeigt bis zum 26. Mai die Ausstellung "Histoires de Coiffures - Geschichte der Frisuren".

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"Belle Poule" heißen Frisur und französische Kriegsfregatte. Foto: Alain Ducher

Alain Ducher aus Reutlingens Partnerstadt Roanne ist seit über 50 Jahren Friseur. 1986 wurde er "Meilleur Ouvrier de France". In diesem Wettbewerb suchen Handwerker alljährlich den Besten ihres Gewerbes. Eine Aufgabe damals war es, Haare nach einer historischen Vorlage möglichst exakt zu frisieren. Das Interesse an Mode vergangener Tage hat Ducher nicht mehr losgelassen: Er gestaltete über 80 Frauenbüsten mit Frisuren aus dem antiken Ägypten bis in die 1940er Jahre. Die Modistin Aline Traclet fertigte passende Hauben, Hüte, Schleier und Kragen.

An der Haartracht ließen sich über die Jahrhunderte hinweg Beruf, gesellschaftliche Stellung oder politische Haltung ablesen. Ägyptische Prinzen und Prinzessinnen trugen beispielsweise im Kindesalter eine lange, seitliche Haarlocke. Während der Französischen Revolution grenzten sich die Revolutionäre von den Anhängern des Ancien Régime unter anderem durch ihren Kopfschmuck ab: Scheinbar unfrisiert trugen sie strähnig herabfallende Haare oder eine Vielzahl krauser Löckchen. Immer wieder wurden Frauen mit besonderen Frisuren-Trendsetterinnen. Ein Beispiel dafür ist die Schauspielerin Asta Nielsen. Durch ihr Vorbild wurde in Deutschland der Pagenkopf und der kürzere Bubikopf in den 1920er Jahren modern. Im Laufe der Zeit veränderten sich die technischen Möglichkeiten, das Haar zu frisieren. Bereits im antiken Griechenland wurde eine Vorstufe der heutigen Lockenstäbe benutzt.

Der Pariser Friseur Marcel Grateau erfand um 1872 ein Verfahren, mit Kamm und Brennschere sehr natürlich wirkende Haarwellen zu legen: die Ondulation. Die erste Dauerwelle wurde 1906 von Kurt Nessler aus Todtnau entwickelt.

Blond war zu allen Zeiten eine der beliebtesten Haarfarben: Reiche Römerinnen ließen sich Perücken aus dem Haar blonder Sklavinnen fertigen. In der Renaissance versuchte man den Farbton durch Waschen mit einem Destillat aus Asche von entrindetem Buchenholz und anschließendem Bleichen an der Sonne zu erlangen. Dauerhaftes Blondieren durch Wasserstoffperoxyd wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts möglich.Info Das Museum in der Oberamteistraße 22 ist von Dienstag bis Samstag von 11 Uhr bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr, sonn- und feiertags bis 18 Uhr geöffnet. Am 12. Mai zeigt ein Friseurteam, wie historische und aktuelle Frisuren frisiert werden.

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