Mehr Toleranz für kulturelle Traditionen

Göppingen.  Im Bürgerhaus Göppingen drehte sich am Dienstag alles ums Thema Menschenrechte und Integration. Durch die Veranstaltung führte die Politologin Gertrud Gandenberger aus Bad Liebenzell.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." So beginnt der erste Artikel des deutschen Grundgesetzes, den wohl jeder schon einmal gehört. Er verpflichtet zur Einhaltung der Menschenrechte. Doch was sind eigentlich Menschenrechte? "Menschenrechte sind grundlegende Rechte, die einem Menschen zukommen, und zwar einfach deswegen, weil er ein Mensch ist", erklärt Politologin Gertrud Gandenberger vom Internationalen Forum den Zuhörern im Göppinger Bürgerhaus. "Menschenrechte sollen keine Sinnfragen der Menschheit beantworten, sondern sie sind praktische Grundlagen für eine menschliche Koexistenz."

Eingeladen worden war die Expertin zum Thema Menschenrechte von den Organisatoren des "Café Vielfalt", einer gemeinsamen Veranstaltung des Kinder- und Jugendreferates der Stadt Göppingen und der Jugendberufshilfe Future. Die meist jungen Erwachsenen lernten, dass jeder Mensch Anspruch auf Menschenrechte hat. "Sie sind unveräußerlich, universell, unteilbar und egalitär", so Gandenberger. Unveräußerlich, da sie jedem Mensch von Geburt an zustehen. Egalitär, da sie für alle Menschen unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion und Herkunft gelten. Unteilbar, da bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte eine Einheit bilden. Universell, da sie ihrem Anspruch nach für Menschen weltweit gelten.

Dem Vortrag schloss sich eine Diskussionsrunde mit Vertretern der Jungen Union, der Jungen Liberalen und der Grünen Jugend an. Die Vertreter der Jugendorganisationen erzählten, was ihre Partei zur Integration von Menschen im Landkreis Göppingen beiträgt. Bedauert und diskutiert wurde die Tatsache, dass sich wenige Bürger mit Migrationshintergrund politisch und in Vereinen engagieren.

Gertrud Gandenberger rief zum Perspektivenwechsel auf in einer sich wandelnden Gesellschaft. "Integration heißt Anerkennung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten." Handlungsbedarf bestehe überall dort, wo Religion zum Kontrollfaktor und zur Freiheitsberaubung genutzt wird. "Wichtig ist eine anerkennende und wertschätzende Rhetorik in der öffentlichen Debatte, besonders von Seiten politischer Parteien."

Im Anschluss an die Veranstaltung übte sie auch Kritik an der "Eislinger Erklärung", die an einigen Stellen vorurteilshafte und unkorrekte Aussagen enthalte, welche so nicht stehen bleiben könnten. Leider biete das Papier auch wenig Lösungsansätze, wie denn mit den Herausforderungen umgegangen werden könne, ohne dabei einzelne Menschenrechte in Frage zu stellen.

Eine Möglichkeit zum Perspektivenwechsel bot Melita Trapp, Integrationsbeauftragte der Stadt Göppingen: Sie lud alle Anwesenden zum Tag der Offenen Moschee am 3. Oktober in Göppingen ein.


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