Kurz, knackig, klangvoll

Göppingen.  Die Lesebühne "Get shorties" hatte im rappelvollen Filmcafé dank kleiner, feiner Kurzgeschichten die Lacher auf ihrer Seite. Gleichfalls für Kurzweil sorgte die Band "Single Malt Blues" mit toller Livemusik.

Nachdem es im Gewölbekeller des Café Latinum zu eng geworden war, präsentierte sich Ingo Klopfers Lesebühne "Get Shorties" nun bereits zum dritten Mal im Göppinger Filmcafé. Mehr als 100 Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Wenn das Interesse weiter so wächst, dann muss der Organisator der Kurzgeschichtenlesungen bald ein noch größeres Domizil suchen. Doch das wäre eigentlich schade. Denn zu den knackig-heiteren Erzählungen passen keine großen Säle, gerade die herzig-heimelige Atmosphäre am Lesepult sowie das enge Miteinander des Publikums versprühen den besonderen Reiz. Die reine Männerriege hatte vorwiegend lustige, selbstironische, teilweise gewöhnungsbedürftige und frivole aber auch eine bedrückende Episode im Gepäck.

400 Worte genügten Ingo Klopfer für seine erste Geschichte "Jetzt musst du springen", wobei es um selbst auferlegte Zwänge wie das Verspeisen glitschiger Nacktschnecken oder das systematische Verkraulen der Freundin ging. Erst dann würden die Prüfungen des Lebens klappen. Richtig unappetitlich?

Das wurde es erst beim Treffen zweier Volltrunkener am "Badetag". "Auch sie hat sich gerade daran gemacht, Unverdautes am Waldrand zu kompostieren." Ironisch, freilich stets mit einem Quäntchen Realitätssinn, verbreitete der Verleger akzentuiert und souverän seine literarischen Häppchen.

Dem "Chef" in nichts nach stand Volker Schwarz. Tolle Mimik, dunkle Reibeisenstimme und ohne einen Versprecher verkündete der Welzheimer: "Dein Körper ist dein Tempel." Der Klassiker reihte sich nahtlos in die weitere Chronik einer Midlife Crisis beim Cellulitis-Kongress ein. Mit jeder Menge Witz nebst rasender Geschwindigkeit eroberte er dank seines feinen Gespürs für die deutliche Hervorhebung seiner vielen Glanzpunkte das Publikum. "Er war hässlich, sie war hässlich, die ersten Kinder mussten sie wegschmeißen." Krawumms, das saß.

Etwas schwerer bei seinem Vortrag "Der Mitarbeiter" tat sich der Geislinger Heiko Reimann, der seine Stimme häufig nicht gezielt genug einsetzte. Sein Vortrag klang daher etwas monoton und gehetzt.

Kein Problem hatte hingegen Nicolai Köppel aus Heilbronn. Locker-flockig sowie überaus lässig ließ er seine Blicke während des Lesens im Raum ständig umherwandern. Genüssliche Pausen nach besonders gelungenen Passagen, zum Schreien komisches Mienenspiel, cooler bis böse-sarkastischer Blick - einfach köstlich. Da störte es keinen, dass der "Schauspieler" als "Lügenbold" zudem schlüpfrig-zweideutige Abenteuer erlebte.

"Einen Sprung der Gefühle" nannte Ingo Klopfer seine Erzählung "Herziger". Das war ganz schön starker Tobak, wie unheimlich intensiv er das Sterben einer Krebspatientin mit wirklich all seinen unschönen Begleiterscheinungen offen legte. Besser kann man sein Publikum kaum berühren.


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