INTERVIEW · WOLFGANG AMBROS: "Für so einen Hit muss man als Musiker dankbar sein"

Wolfgang Ambros? Da fallen jedem spontan Evergreens wie "Schifoan" und "Der Watzmann ruft" ein. Er könnte sich also längst zur Ruhe setzen, der Ambros. Stattdessen tourt er vital wie eh und je durch die Lande.

Seit fast 40 Jahren singen Sie "Da Hofa". Ist dieses Lied über aufflammenden Fremdenhass heute nicht aktueller denn je?

WOLFGANG AMBROS: Ich denke schon, dass das Lied aktuell ist - auch wenn der Hofer kein Fremder im ursprünglichen Sinn ist. Aber er ist sozusagen ein Fremder im eigenen Land, ein Außenseiter, der von den anderen drangsaliert wird. Das gibt es damals wie heute, wenn man nur an die vielen Übergriffe auf Ausländer denkt.

Sie spielen den "Hofer" auf der Tour?

AMBROS: Der Hofer gehört dazu, natürlich.

Wenn wir bei Liedern sind, die dazu gehören: Bei Ambros denkt man sofort an "Schifoan". Singen Sie das noch live, oder können Sie das Lied inzwischen selber nicht mehr hören?

AMBROS: Auch "Schifoan" spielen wir. Das ist mein größter Hit, ein richtiger Evergreen, der ganz breite Schichten anspricht. Für so was muss man als Musiker dankbar sein. Außerdem fahre ich weiterhin gerne Ski . . .

Apropos Berge: Sie haben sich lange gegen die Wiederaufführung des Alpen-Rustikals "Der Watzmann ruft" gewehrt. Warum?

AMBROS: Nach zwei Jahren on tour hatte ich einfach keine Kraft mehr. In einem Jahr 100 Aufführungen, das ist schon grenzwertig. Das hat sich dann im Lauf der Zeit hochgeschaukelt, auch persönlich. Inzwischen ist auch das wieder im Lot. Wenn wir jetzt den Watzmann bringen, dann in 20 bis 30 Aufführungen jährlich und mit einer Mannschaft, die sich gut versteht.

Viele Hits von Ihnen laufen noch immer im Radio. Ist das ein beruhigendes Gefühl? Oder besteht die Gefahr, dass man sich irgendwann zufrieden zurücklehnt?

AMBROS: Diese Gefahr sehe ich bei mir nicht. Im Gegenteil: Ich denke, ich muss aufpassen, dass neben der Livemusik nicht mein Privatleben zu kurz kommt. Wir hatten dieses Jahr schon gut 70 Aufführungen, viele rockige mit Band, aber auch einige im Duo mit Keyboarder Günter Dzikowski. Mehr brauchts nicht.

Sie haben den Wiener Zentralfriedhof besungen. Haben sich die Stadtväter damals bei Ihnen bedankt?

AMBROS: Warum sollten die sich bei mir bedanken?

Weil Sie der Stadt mit dem Lied eine zusätzliche Touristen-Attraktion beschert haben. Aber das werden die Stadtoberen wohl nicht so sehen . . .

AMBROS: Eher nicht. Wofür sollten die dankbar sein? Das war ursprünglich ein Spottlied, getextet von Josef Prokopetz. Die Stadt wollte "100 Jahre Zentralfriedhof" feiern. 100 Jahre Friedhof - wer feiert denn so was? Das war die Idee zum Lied.

Sie sammeln Spenden für ein Hospital in Kwale in Kenia. Wie kam es, dass Sie sich gerade dort engagieren?

AMBROS: Ich lebe schon seit Jahren zeitweise in Kenia und bewohne dort inzwischen auch ein Haus. Ich habe in diesem Land so viel Schönes erlebt. Ich wollte einfach ein wenig davon zurückgeben.

Sie haben Dylan, Waits und Moser interpretiert. Wen spielen Sie als nächstes?

AMBROS: (lacht) Oh, das kommt, wenn es kommt. Im Augenblick habe ich nichts im Kanon.

Was können die Besucher Ihres Göppinger Konzerts erwarten? Eine bunte Mischung aus alten Hits und neuen Liedern?

AMBROS: Nein, fast nur Klassiker, dazwischen ein paar neuere Sachen und zwei Moser-Lieder. Ich würd mal sagen: Wir machen vor allem Jux und Dollerei. Wir wollen unseren Spaß haben, und die Besucher sollen ihren haben. Außerdem ist das Göppinger Konzert heuer das letzte mit Band. Da feiern wir danach noch ein wenig Weihnachten.

Info

Wolfgang Ambros gastiert mit seiner Band, der "Nr. 1 vom Wienerwald", am Sonntag, 29. November, in der Werfthalle im Göppinger Stauferpark. Einlass ist um 18 Uhr, Beginn um 19 Uhr. Karten gibt es bei der NWZ in der Rosenstraße 24, Telefon: (0 71 61) 204-119, -120.


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