Angriff mit Machete: Täter vor Gericht

Nach einem Streit griff er seinen Nachbarn an: Jetzt steht der 64-Jährige vor dem Amtsgericht Göppingen.

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Ein Nachbarschaftsstreit im Göppinger Wohngebiet Galgenberg ist im Juli 2016 eskaliert: Mit einer Machete hat ein heute 64-jähriger Mann seinen damals 41-jährigen Nachbarn schwer verletzt. Auch dessen Frau wurde bei dem Angriff am Oberarm verletzt. Am Mittwoch wurde der Fall vor dem Amtsgericht in Göppingen verhandelt. 2016 wollte die Familie noch als Nebenkläger vor Gericht auftreten. Tat dies jetzt aber doch nicht.

Die Staatsanwältin Nadine Zwerina klagte den Mann wegen gefährlicher Körperverletzung an: Oberflächliche als auch bis auf den Knochen tiefe Schnittwunden hatte das männliche Opfer an Brust und Armen. Die Verletzung der Frau habe der Angeklagte vorhergesehen und billigend in Kauf genommen. Die Waffen waren eine aus einem Sägeblatt gebastelte Machete und ein Schlagstock, der aus einem Heizungsrohr hergestellt wurde.

Der Angeklagte erzählte, er habe an dem Abend auf dem Weg vor seinem Haus mit einem Besen gekehrt. Bis sein Nachbar neben ihm stand und gesagt habe, warum der Angeklagte behaupte, dass er mit Steinen werfe. „Warum sagt er das zu Ihnen? Haben Sie da mit Steinen geworfen?“, fragte die Staatsanwältin und der Angeklagte antwortete, dass es in den Tagen zuvor mehrere Vorfälle gab. Allerdings habe nicht er, sondern seine Nachbarn mit Steinen geworfen. Die Frage, ob er kurz vor dem Angriff welche geworfen habe, verneinte er. Nach dem Angriff seien aber von beiden Seiten Steine geflogen.

Nach der Frage des Nachbarn am Anfang der Auseinandersetzung wollte dieser nach ihm greifen, sagte der Angeklagte. Erst habe er sich mit dem Besen gewehrt und dann den Schlagstock aus der Hose gezogen. „Den hatten sie in der Hose?“, fragte Richterin Julia König verwundert, was der 64-Jährige bestätigte. „Dann stand er mit verschränkten Armen da und hat gegrinst“, fuhr der Mann fort, der das als überhebliche Geste verstand. Danach habe der Nachbar dreimal versucht nach ihm zu greifen, worauf der Angeklagte dann auch mit dem Stock zugeschlagen hatte: „Da hat es dann geknackt. Das hat man gehört.“ Danach sei der damals 41-Jährige für kurze Zeit verschwunden.

„Das war erst mal nur wie eine Warnung“, erzählte der Angeklagte. Auf die Frage von Richterin König, ob der Nachbar auch zugeschlagen habe, antwortete der Mann: „Er hat es versucht, aber ich hab das nicht weiter kommen lassen.“ Den Griff zur Machete rechtfertigte er mit der kuriosen, angespannten Situation: „Ich dachte, er wird jetzt noch aggressiver.“ Zur Abschreckung „fuchtelte“ er mit der Waffe vor dem Nachbarn, der immer wieder danach greifen wollte. Weil sich der 64-Jährige am Zeigefinger der linken Hand verletzte, fuhr er nach dem Vorfall zur Untersuchung ins Krankenhaus.

Zum Prozess waren ursprünglich vier Zeugen geladen. Eine Ärztin der Klinik am Eichert in Göppingen, die die Betroffenen vor einem Jahr behandelt hatte, war nicht zu dem Gerichtstermin erschienen. „Ohne die Ärztin geht es nicht“, stellte Rechtsanwalt Rudi Mannl fest, der den Angeklagten vertritt. Er zweifelte auch an den Wunden der Opfer, die sich die Richterin, die Staatsanwältin, der Rechtsanwalt und der Angeklagte auf Fotos in der Akte gemeinsam anschauten. „Ich würde sagen, das kann man sich durchaus von einem Gerichtsmediziner angucken lassen“, sagte Mannl. Wenn man mit einer Machete zuschlage, sei eine Wunde eigentlich glatt und nicht krumm. „Das kommt mir komisch vor.“ Daher wolle er den Augenmerk eher auf die Entstehung der Wunden legen.

Der Gutachter solle am selben Tag wie die Opfer angehört werden, die bereits am Mittwoch als Zeugen geladen waren. „Ich möchte sie schon mit der Aussage des Sachverständigen konfrontieren können. Das kann ich jetzt nicht.“ Richterin Julia König stimmte Mannl zu, unterbrach und verschob die Verhandlung vorerst um zwei Wochen. Der betroffene Mann und seine Frau sollen beim nächsten Termin als Zeugen aussagen und wurden daher von König entlassen.

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