Andechs schon "immer im Visier"

Der Kooperationsvertrag ist unterschrieben, der Eröffnungstermin steht: Mitte Oktober 2016 soll am Göppinger Schillerplatz "Der Andechser" seine Türen öffnen. Die Wohnbau investiert 1,5 bis zwei Millionen Euro.

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Schnell wurde bei der Pressekonferenz im Dienstzimmer des Göppinger Oberbürgermeisters Guido Till gestern klar, dass an dem Projekt schon lange gefeilt wird. Bereits am 14. Oktober 2016 soll am Schillerplatz im Gebäude, wo jetzt noch das "Dolce" untergebracht ist, der Brauereigasthof "Der Andechser" eröffnet werden.

Es ist ein gemeinsames Vorhaben der Wohnbau Göppingen (WGG) GmbH, einem Tochterunternehmen der Stadt, und der Klosterbrauerei Andechs, in der seit 1455 Bier hergestellt wird. Deren Vertriebsleiter Wolfgang Schäff schwärmte gestern am Besprechungstisch des Göppinger OB: "Ein besseres Gebäude kann ich mir nicht vorstellen. Es ist für uns ein Glücksfall. Und die Fassade ist die Kirsche auf der Torte."

Das Haus am Schillerplatz gehört der WGG, die nach Angaben ihres Geschäftsführers Volker Kurz nun 1,5 bis zwei Millionen Euro investieren will, um das Gebäude nach den Entwürfen des Göppinger Architekten Peter Welz und den Vorstellungen in Andechs zu sanieren und umzubauen. Welz - von der WGG beauftragt - stellte die Pläne vor: So ist vorgesehen, das Haus mit einem Aufzug barrierefrei zu erschließen. Der jetzige Wintergarten soll weg, das Gebäude eine komplett neue Technik erhalten.

Über der künftigen Brauereigaststätte sollen im zweiten Obergeschoss Tagungsräume samt Terrasse entstehen, vor dem Lokal auf dem Schillerplatz ist ein "Platanendach" geplant. Die Gäste sollen dort auch nicht mehr Asphalt, sondern Kies unter ihren Füßen spüren. Welz sieht in dem Projekt die langfristige Chance auf ein "neues Gesicht" des Schillerplatzes. OB Till pflichtete bei, sagte aber auch: "Eins nach dem anderen." Die jetzige Fassade bleibt erhalten - sie ist denkmalgeschützt. "Die Fenster haben auch etwas Klerikales", zeigte sich Schäff begeistert.

Vor neun Jahren, also kurz nach seinem Amtsantritt in Göppingen, hatte Till, wie er gestern erzählte, erstmals mit dem Gedanken gespielt, eine Brauereigaststätte anzusiedeln. Damals sei das Vorhaben gescheitert. Die Idee wanderte zurück in die Schublade - bis er und WGG-Geschäftsführer Kurz sich vor eineinhalb Jahren erneut um das Thema hätten kümmern können. "Mir war klar: Wir müssen mit einer Brauerei zusammenarbeiten, bei deren Namen einem schon das Wasser im Munde zusammenläuft", sagte Till. In der zweiten Oktoberhälfte sei der Kooperationsvertrag zwischen der WGG und Andechs unterzeichnet worden, bestätigte Vertriebsleiter Schäff, wobei Kurz deutlich machte: "Der Vertrag beschreibt kein fertiges Projekt. Wir entwickeln das gemeinsam." Die Wohnbau investiere als Eigentümer und sei der Bauherr. Kurz: "Wir gehen da mit Schmackes ran."

Seit Schließung der Rad-Brauerei habe es eine solche Institution in Göppingen nicht mehr gegeben. "Es geht jetzt darum, ein Stück Sehnsucht zu befriedigen", sagte Till. Eine Alternative zum Partner Andechs habe es für ihn nicht gegeben, "wir haben immer diese Marke im Visier gehabt", so Till.

Bekannt geworden waren die Pläne der Wohnbau vor wenigen Tagen, nachdem Stefan Schmuckenschlager, Tills Amtskollege in Göppingens österreichischer Partnerstadt Klosterneuburg, bei einem Essen mit Vertretern des Göppinger Gemeinderats geplaudert hatte. "Die Redseligkeit meines Kollegen ist für mich zu verkraften", meinte Till gestern - und wies den Vorwurf von Göppinger Stadträten, er, Till, habe als WGG-Aufsichtsratschef Geheimnisverrat begangen, mit einem Lächeln zurück. Der Bürgermeister von Klosterneuburg sei von Anfang an in das Projekt "eingebunden" gewesen, gab Till zu Protokoll. Denn Schmuckenschlager sei es gewesen, der über den Abt des Stifts Klosterneuburg den Kontakt zu Abt Johannes vom Kloster Andechs hergestellt habe.

Bereits im November 2014 waren Till und Kurz daraufhin auf den "Heiligen Berg" nach Andechs gefahren, Kurz nach eigenen Angaben "mit einem Kribbeln im Magen". Das Kribbeln wird auch bei manchen Göppinger Stadträten nicht nachlassen, nachdem sie jetzt wissen, wie lange sie nichts wussten - und dass der Gemeinderat für das Vorhaben der Wohnbau zu keinem Zeitpunkt gebraucht wurde.

OB Till ist zuversichtlich, dass sich die politischen Wogen wieder glätten. "Aus der Bevölkerung habe ich für das Projekt bisher nur positive Resonanz bekommen", stellte er fest. Und Andechs-Vertriebsleiter Schäff meinte stolz: "Das ist für uns schon ein besonderes Projekt. Es soll ein Schmuckkästchen für Göppingen und unser Flaggschiff in Baden-Württemberg werden."

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Kommentare

17.11.2015 10:53 Uhr

so geht Demokratie

von OB Till kann man lernen wie Demokratie in deutschen Politikerköpfen geht.

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