Anbau von Energie-Pflanzen bietet Landwirten neue Einnahmen

Die Herstellung und der Verkauf von Energie wächst zu einem neuen Standbein der Landwirtschaft heran. Die Entwicklung ist nicht unumstritten, beschert aber vielen Bauern höhere Einnahmen.

|
Noch stehen zahlreiche Maisfelder, wie hier zwischen Bartenbach und Birenbach. Doch die Ernte läuft. Wird der Mais für Biogasanlagen angebaut, kann er auch etwas länger stehen als Futtermais. Foto: Staufenpress

Die Versorgung der Menschen mit pflanzlichen und tierischen Produkten zur Ernährung und Bekleidung ist eine klassische Aufgabe der Bauern. Seit einigen Jahren ist die Energieversorgung als neue Aufgabe und Einnahmequelle hinzugekommen, die eine wachsende Bedeutung erhält. Der Anbau von Mais und Raps für Biogas und Benzin verändert die Landwirtschaft, etwa durch höhere Pachtpreise. Denn die Produktion von Energie-Rohstoffen benötigt Land und steht damit in Konkurrenz zu den Flächen, auf denen Nahrungsmittel für Menschen und Tiere erzeugt werden.

"Die Energiewirtschaft bezahlt eine höhere Pacht", stellt Hans Schuster, der Leiter des Landwirtschaftsamts im Kreis fest. Das ein Vollerwerbslandwirt in der Regel zwei Drittel seiner bewirtschafteten Flächen gepachtet habe, müsse er sich bei Ablauf der Verträge auf höhere Kosten einstellen. Die Regeln der Marktwirtschaft etwas außer Kraft setzen möchte der Bauernverband. "Wir empfehlen, den Pachtpreis nicht unnötig hoch zu treiben", sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Hermann Delle. Er rät zu vertraglichen Absprachen zwischen Maisbauern und Viehhaltern.

Seit landwirtschaftliche Güter als Energie-Rohstoffe gefragt sind, erzielen die Bauern höhere Preise, schildert Delle. Vor etwa zehn Jahren sei es fast günstiger gewesen, bei Preisen von acht, neun Euro für den Doppelzentner, den Weizen in der Heizung zu verbrennen, als Öl zu kaufen. Inzwischen hätten sich aber die Preise für den Doppelzentner verdoppelt.

Während sich die EU-Kommission überlegt, beim Benzin wieder von E 10 (zehn Prozent Biosprit) abzurücken - wegen der Folgen für Natur und Lebensmittelpreise -, stellt sich für Delle die Frage "Teller oder Tank" erst gar nicht. "Teller und Tank", sagt er. Denn der Energiesektor biete den Bauern eine Alternative für ihre Produkte. Weil die Haltbarkeit von Getreide oder Milch begrenzt sei, könne die Lebensmittelindustrie immer Druck auf die Preise ausüben. Dies sei bei Biogas oder Biosprit nicht so einfach. "Ich würde den E-10-Wegfall bedauern", so Delle. Er vermutet, dass die Mineralölwirtschaft gerne die Konkurrenz durch die Bauern ausschalten würde.

Beim Anbau spielen Energiepflanzen nach Angaben von Schuster und Delle im Kreis Göppingen noch keine große Rolle. Weder Raps- noch Maisanbau hätten stark zugenommen. Die Bevölkerungsdichte sowie kleine und unebene Flächen im Kreis machten den Anbau von Energiepflanzen relativ uninteressant, speziell für große Konzerne. Dass in diesem Jahr etwa 15 Prozent mehr Mais als 2011 angebaut wird, liegt am starken Frost im Februar. Wo keine Schneedecke lag, ist das Wintergetreide erfroren, erläutert Schuster: "Die Bauern haben mit Mais reagiert."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drama von Eislingen: Opfern die Kehle durchgeschnitten

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. weiter lesen