Als Metzgermeisterin allein unter Männern Yvonne Hauser trat in Fußstapfen ihres Vaters

Alljährlich will der Girls Day Mädchen dazu bringen, sich an "Männerberufe" heranzuwagen. Auch Metzgerin ist ein Beruf, den Frauen selten wählen.

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Zierliche Frau in der Wurstküche: Yvonne Hauser. Foto: Czemmel

Die 34-jährige Yvonne Hauser ist Metzgermeisterin und leitet seit zehn Jahren die Metzgerei Hoyler in Zell. Eines "Girls Days", der Mädchen einen Blick in männerdominierte Berufssparten werfen lässt und dazu animieren soll ihr Berufswahlspektrum zu erweitern, bedurfte es bei Yvonne Hauser nicht. Sie hat "ihren Männerberuf" einem ganz anderen Umstand zu verdanken.

Als jüngstes Kind von Richard und Maria Hoyler wuchs sie im Deutschen Kaiser in Zell auf, wo ihr Vater auch die dazugehörige Metzgerei betrieb. Weil ihm der Fortbestand von Gasthaus und Metzgerei am Herzen lag, erklärte er seinen Kindern schon früh: "Ihr könnt Koch oder Köchin, Metzgereifachverkäuferin, Restaurantfach oder Metzger lernen." Als Yvonne aus der Schule kam, war die Auswahl schon sehr zusammengeschrumpft. Eine Schwester hatte sich für Köchin, die andere für Metzgereifachverkäuferin entschieden. Für den Familienbetrieb wurde also noch ein Metzger gebraucht. "Mein Bruder fiel aufgrund einer Behinderung für diesen Beruf aus, also blieb nur noch ich übrig", erklärt Yvonne Hauser. "Der Umgang mit Fleisch und Wurst war für mich nie ein Problem", berichtet sie. "Ich bin da ja von Kindheit an hineingewachsen und hatte schon in meiner Jugend bei verschiedenen Arbeiten mitgeholfen."

Ungewohnt war es allerdings, in der Berufsschulklasse das einzige Mädchen unter 20 jungen Männern zu sein. "Als ich später in Frankfurt auf die Meisterschule ging, waren dort 70 Männer und ich", sagt sie grinsend. Ob die Arbeit für sie körperlich nicht zu schwer ist, beantwortet die zierliche Frau so: "Für die schweren Dinge gibt es ja heutzutage glücklicherweise arbeitserleichternde Maschinen. Außerdem hatte ich ja immer starke Männer um mich herum."

Als ihr Vater vor zehn Jahren in Rente ging, übernahm Yvonne Hauser mit gerade mal 24 Jahren die Leitung der Metzgerei. "Mein Geselle folgt mir meistens", lacht sie. In ihrer großen Wurstküche mischt sie gerade die Zutaten für ihre ungarischen Spezialitäten. "Wir sind eine scharfe Metzgerei", witzelt sie augenzwinkernd und reißt eine weitere Tüte Paprika auf. Die Metzger-meisterin hat schon so manche Wurstsorte entwickelt und stellt auch allergenfreie Wurstwaren her. Den nötigen Ausgleich zu ihrem manchmal recht anstrengenden Beruf findet sie bei ihrem Mann, der mit Fleisch und Wurst lediglich dann zu tun hat, wenn sie auf dem Teller liegen.

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