Alles für den Garten

Ein tiefgründiges Stück gegen Rassismus und Intoleranz führte die Theater-AG der Kaufmännischen Schule Göppingen im Alten E-Werk auf. Inhalt und Schauspiel beeindruckten.

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"Alles für den Garten" hieß das Stück, das die Theater-AG der Kaufmännischen Schule im Alten E-Werk zur Aufführung brachte.  Foto: 

Wenn alle Türken Kanaken sind, sind dann auch alle Deutschen Nazis? Was würden Sie tun, wenn ihr Kind homosexuell wäre? Welche Bedeutung hat der Garten für Sie? Knapp zwanzig Jugendliche, Schauspieler der Theater-AG der Kaufmännischen Schule Göppingen laufen nacheinander an den vorderen Rand der Bühne des Alten E-Werks und richten die militanten Fragen direkt an die Zuschauer.

Stille. Die Worte hängen in der Luft, keiner im Saal, der nicht darüber nachdenkt. Darüber nachgedacht haben ganz sicher auch Siora Keller, Thu Than Huynh von der KS und die Essener Schülerin Venecia Igleniec, allesamt "Anne Frank Botschafterinnen" des Jahres 2013, die mit dem Projekt auf fehlende Toleranz, Rassismus und auf die weit verbreitete Homophobie aufmerksam machen wollen. Von Venecia kam die Idee dazu, von Siora der Text und gemeinsam mit Thu Than entwickelten sie daraus Charaktere und Handlung in der fiktiven Geschichte: "Alles für den Garten Eden".

Fiktiv? Nicht unbedingt, denn ohne Weiteres könnte es sich so ähnlich zugetragen haben. Vater Harald, alt und gehbehindert, übergibt seinem Sohn Joachim die Schlüssel seiner Wohnanlage, in der überwiegend Familien mit Migrationshintergrund oder Menschen mit "Makel" leben. Seinen Rat, alles dem Hausmeister zu überlassen, schlägt der Junior aus, will sich selbst um Haus und Bewohner kümmern. Eines Tages hängt eine große Tafel im Flur: "Öffentliche Störung durch freizügig gelebte sexuelle Neigungen steht unter Anklage. Das Tragen von Kopftüchern wird untersagt". Zwei von fünf Regeln der neuen Hausordnung, die der frischgebackene Hauseigentümer zusammen mit einer saftigen Mieterhöhung den Mietern präsentiert. Wem das nicht passe, der könne ja ausziehen. Die türkische Arbeiterfamilie Özgür, Jüdin Miriam Silberstein, Waris Bukhata mit afrikanischen Wurzeln, ein lesbisches Pärchen und die deutschen Aigners sind zuerst entsetzt. Doch nach und nach erlebt der Zuschauer wie und was sich aus dieser Situation heraus entwickelt. Wie bislang friedvoll zusammenlebende Mietparteien unterschiedlicher Kulturen und Religionen, die Ideale der Hausgemeinschaft in Frage stellen, denn Ausgrenzung und Intoleranz prägen nun die Regeln des Zusammenlebens. All das spielen die jungen Akteure mit einer Hingabe, die man in dieser Intensivität selten findet. Erstklassige Texte, umrahmt von passender Mimik und Gestik sauber und mit exakter Betonung gesprochen. Ohne zu übertreiben, offenbarten sie das konfuse Seelenleben der jeweiligen Figur und gingen bisweilen für sich selbst und die Zuschauer an ihre Grenzen. Ein starkes Theaterstück, das vielmehr Öffentlichkeit verdient hätte.

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