Alb-Fils-Kliniken-Chef weist Kritik gegen Neubau zurück

Klinikchef Professor Martin hat die Kritik von Geislingens OB Amann an dem ins Auge gefassten Klinikneubau am Eichert in Göppingen zurückgewiesen.

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Klinik am Eichert  Foto: 

Zu den großen Vorbehalten gegen den sich abzeichnenden Abriss und Neubau der Klinik am Eichert in Göppingen, die Geislingens Oberbürgermeister Wolfgang Amann geäußert hat, haben Professor Dr. Jörg Martin, Chef der Alb-Fils-Kliniken, und sein Finanzchef Direktor Wolfgang Schmid Stellung genommen. In dem Schreiben an Amann, das sie auch an unsere Zeitung und an Funktionsträger aus dem Kreistag weiterleiteten, bedauern sie, dass der OB nicht auf die Klinikleitung zugekommen sei: "Bei einem solchen Treffen hätten viele Missverständnisse ausgeräumt werden können, die jetzt zu einer emotionalisierten öffentlichen Diskussion führen." Gleichwohl solle das Antwortschreiben "weder eine verbale Retourkutsche noch eine schallende Ohrfeige" sein.

Amann hatte kritisiert, dass der Gutachter HWP zunächst 60 bis 80 Millionen Euro für die Sanierung der Klinik am Eichert veranschlagt habe, wenige Jahre später plötzlich 420 Millionen - weshalb die Klinikleitung nun einen Abriss der 33 Jahre alten Klinik und einen Neubau für 300 bis 350 Millionen ins Auge fasst. Laut Professor Martin bezog sich die erste "Studie" nur auf "dringend notwendige Großsanierungen für OP, Kreißsaal, Intensivstation und den Neubau eines Bildungszentrums". Diese Studie habe nicht das Gesamtgebäude untersucht - das sei in einem zweiten Schritt geschehen; Ergebnis: 200 Millionen Euro, ohne Provisorien. Das wiederum sei Anlass gewesen, ein Gutachten "zur baulich-betrieblichen Weiterentwicklung durchführen zu lassen", mit dem bekannten Ergebnis. Zwischenzeitlich habe das Sozialministerium das Gutachten geprüft. "Es kam zur selben Einschätzung", schreibt Martin.

Er weist zudem den Vorwurf zurück, nicht einmal die Kreisräte hielten das Gutachten in Händen. Laut Martin ging jedem "eine Kurzfassung" zu, zusätzlich habe jede Fraktion zwei Exemplare des "Vollgutachtens". Derzeit werde das Gutachten den Fraktionen erläutert. Die Finanzierungsmöglichkeiten eines Klinikneubaus und seine Auswirkungen auf die Kreisumlage werden laut Martin "derzeit gemeinsam mit der Kreiskämmerei evaluiert".

Der Klinikchef weist Amanns Bedenken zurück, dass ein Klinikneubau neue Voraussetzungen schaffe und damit hinter dem Fortbestand der Helfenstein Klinik in Geislingen wieder Fragezeichen stünden. "Es liegt ein eindeutiges und mehrfach öffentlich geäußertes Bekenntnis des Landrats und aller Fraktionen zu dem Klinikstandort Geislingen vor" und das trotz der schwierigen Rahmenbedingungen für kleine Häuser. Deshalb erstaune es ihn, dass ausgerechnet Amann "diesen Standort nun in Frage stellt".

Martin verweist darauf, dass derzeit 23 Millionen Euro in die Modernisierung der Helfenstein Klinik investiert werden - elf Millionen betreffen das Ärztehaus, die übrigen Gelder fließen in die neue Eingangshalle, in die Zentrale Notfallaufnahme, eine neue Intensivstation und die in Betrieb gegangene Endoskopie. Zeit- und Kostenplan seien eingehalten, versichert Martin. Amann hatte eingewandt, ein Ärztehaus funktioniere auch ohne Klinik. Dem hält der Klinikchef die Gesamtausgaben entgegen: "Solche Investitionen tätigt man nicht, wenn man über die Schließung eines Standortes nachdenken würde."

Im Übrigen bietet Martin an, Amann "in einem persönlichen Dialog die Inhalte des Gutachtens offenzulegen", um zu einer Versachlichung beizutragen.

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