Agua Loca oder: Musik für die Hüften

Karibisches Feuer, lateinamerikanische Leidenschaft: Am Samstagabend versetzte die Spanish-Latino-Rockformation "Agua Loca" die Geislinger Rätsche in andere Sphären. Es gab drei Stunden gute Laune.

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Die Stuttgarter Spanish-Latino-Rockformation "Agua Loca" versetzte die Rätsche-besucher für einige Stunden in die Karibik.  Foto: 

Was passiert, wenn neun Vollblutmusiker sich zusammenfinden und Spanish-Latino-Rock spielen? Sie heben die Erde aus der Angel und katapultieren innerhalb von Minuten die Karibik mitten nach Geislingen. So geschehen am Samstagabend bei der Geislinger Rätsche im Schlachthof mit der Stuttgarter Band "Agua Loca".

50, 60 Leute, darunter verblüffend viele Männer, stehen vor der Bühne, mehr als 40 haben sich auf die Empore begeben, weil man dort sitzen kann. Eigentlich "könnte": Es dauert keine zehn Minuten, dann befinden sich auch die meisten von ihnen schon wieder unten. Es ist fast unmöglich, bei diesem Rhythmus still zu bleiben.

Zucken anfangs nur die Muskeln, die Finger, so schaffen es die Musiker mit ihren großteils selbst komponierten, aber auch von Santana adaptierten Songs innerhalb von Minuten, die Rätsche in eine Disco zu verwandeln, den Menschen Urlaubsfeeling zu vermitteln, Strand, Meer und Cuba Libre vorzugaukeln. Jeder tanzt und bewegt sich. Selbst die Musiker auf der Bühne.

Ihnen macht ihre Musik genauso Spaß wie ihrem Publikum. Sie mixen E-Gitarrensound mit Saxofon, Congas mit Keyboard, leidenschaftliche Stimmen mit spanischen Texten und über allem tobt der Rhythmus. Percussion-Instrumente in allen Variationen kommen mal vorder-, mal hintergründig zum Einsatz, treiben an, pushen die Tänzer. Das ist Musik, die in die Hüften schießt, die die Knie bewegt, die einem ein Lächeln ins Gesicht treibt. Und Schweiß auf die Stirn.

Jeder der Musiker - nur die wenigsten können tatsächlich lateinamerikanische oder spanische Wurzeln vorweisen - beherrscht sein oder sogar seine Instrumente aufs Feinste. Das beweisen minutenlange Soli, die das jeweilige Instrument in den Mittelpunkt rücken. Das sind zugleich die einzigen Zeiten in diesem Soundfeuerwerk, in denen der Zuhörer mal still steht. Bewundernd und fasziniert, bis er vor Begeisterung tobt.

Sobald jedoch die Musik der Band im Ganzen wieder einsetzt, zucken auch die Glieder wieder, lässt sich der Körper unwillkürlich vom Rhythmus treiben. Die Stimmung in der Rätsche ist grandios - schwer fällt nur die Rückkehr aus der Rätsche-Karibik in die regnerische Geislinger Februarnacht.

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