Abschied von vielen Schätzen genommen

Zum vorläufig letzten Mal nutzten am Sonntag zahlreiche Göppinger die Gelegenheit, Museen im "Storchen" zu besuchen. Jetzt ziehen die Ausstellungen aus und für knapp zwei Jahre die Handwerker ein.

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"Ein lachendes und ein weinendes Auge" hat Jürgen Kettenmann. Fast 50 Jahre lang war er Museumswart im Stadtmuseum Storchen, hat Ausstellungen wesentlich mitgeprägt. Mit dem Haus verbindet er viele Erinnerungen. Dass sich das Museum jetzt komplett verändern wird, darin sieht er freilich auch eine Chance. "Es wird sich positiv entwickeln", davon ist Kettenmann überzeugt. Am Sonntagabend ließ er sich die Gelegenheit nicht nehmen, nochmal einen Blick in den alten Storchen zu werfen. Denn bis Herbst des kommenden Jahres ist das Museum geschlossen.

Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß hatte am letzten Tag vor der Schließung gemeinsam mit Steffi Knüpfer zu Führungen durch die Ausstellungen eingeladen. "Ich komme seit meiner Kindheit hierher", sagte eine ältere Göppingern. "Jetzt will ich einfach noch einmal alles sehen, so wie ich es seit Jahrzehnten kenne." Vom Stadtarchivar erfuhr sie nicht nur, dass die Zünfte früher das handwerkliche Leben einer Stadt organisierten, sondern auch interessante Details zur Ausstattung des Storchen selbst. Der wird in den nächsten Monaten nicht nur einen barrierefreien Zugang erhalten und feuersicher umgebaut werden. Mit einer zeitgemäßen Konzeption soll das Museum nach Ende der Umbauarbeiten seine Schätze präsentieren.

Diese Schätze werden jetzt erstmal in Kisten und Schachteln verpackt. Sechs bis acht Wochen, so schätzt Rueß, werden er und seine Mitarbeiter brauchen, um alle Ausstellungsstücke sicher zu verpacken und etwa im Alten Kasten einzulagern. Auch Anita Kunze wird mithelfen. Seit sechs Jahren arbeitet sie als Aufsicht im Storchen. Wie ihre Kolleginnen wird sie bis zur Wiedereröffnung im Archiv mitarbeiten. Nicht alles wird ab 2013 wieder zu finden sein. "Das Modell der staufischen Stadt zeigt zu viel Ungesichertes", erklärte Steffi Knüpfer. Indes werden die beiden Modelle der Stadt vor und nach dem Brand, welche "die wesentliche städtebauliche Entwicklung" veranschaulichen, erneut ausgestellt werden.

Beim Ausräumen wird auch Jürgen Kettenmann, der seit seiner Pensionierung vor zehn Jahren noch immer viel Zeit im Storchen verbringt, mithelfen. Und dabei ein besonderes Augenmerk auf das historische Spielzeug haben. "Daran hängt mein Herz besonders."

Info Das Museum im Storchen war 1949 mit einer Sammlung des Geschichts- und Altertumsverein in der früheren Stadtresidenz der Freiherren von Liebenstein eröffnet worden. 1970 fand die naturkundliche Sammlung in der Alten Badherberge in Jebenhausen eigene Museumsräume.

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