Abschied vom Bücher-Gutschein

So erbittert wie um das Gutschein-Verfahren für Schulbücher wurde in Göppingen selten gestritten. Nach langem Kampf hat eine Mehrheit der Stadträte jetzt den Abschied von eigenen Büchern besiegelt.

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Eigene Schulbücher sind in Göppingen bald passé. Foto: Archiv

Es war der letzte Abwehrkampf in einer viele Jahre währenden Schlacht, den die Befürworter des Gutscheinverfahrens am Donnerstagabend im Göppinger Gemeinderat führten. Emotionsgeladene Apelle für die eigenen Schulbücher schallten noch einmal durch den Ratssaal. Oberbürgermeister Guido Till räumte süffisant ein, innerhalb der Verwaltung herrsche "tiefe Zerissenheit" beim Thema Gutscheinverfahren. Am Ende half es nichts. Mit knapper Mehrheit hoben die Stadträte eine Institution aus den Angeln: Künftig können die Schüler an den Gymnasien und Realschulen nicht mehr wählen, ob sie die Schulbücher selber anschaffen und dafür von der Stadt Gutscheine erhalten.

Übrig bleibt ausschließlich das Leihverfahren. Auch der nach heftigen Kontroversen im Herbst erarbeitete Kompromissvorschlag von Oberbürgermeister Till, das Gutscheinverfahren zunächst bis 2014 beizubehalten, scheiterte mit 22 zu 15 Stimmen.

Vor allem in der CDU regte sich seit jeher heftiger Widerstand, wenn in den vergangenen Jahren ein Vorstoß zur Abschaffung der Wahlfreiheit unternommen wurde. Zu klar seien die Vorteile eigener Schulbücher, finden die Christdemokraten. Da müsse man den hohen Verwaltungsaufwand in Kauf nehmen, der damit verbunden war, dass Leih- und Gutscheinverfahren parallel angeboten wurden. Der große Aufwand war auch ein Hauptgrund, dass die Schulleiter für die Abschaffung des Gutscheinverfahrens plädiert hatten. Der Gesamtelternbeirat hatte sich angeschlossen. Das Anschaffen eigener Bücher, das in den 80er-Jahren noch absolut vorherrschte, war in den vergangenen Jahren nicht mehr sonderlich beliebt: An den Realschulen sank die Quote auf drei Prozent. Aber: Immerhin jeder dritte Gymnasiast beschaffte sich die Bücher selber. So konnte er die neuen Bücher bisher mit Notizen versehen und zum Nachlernen herauskramen. Das wird künftig nicht mehr möglich sein.

Im Leihverfahren sollen die von der Schule angeschafften Bücher fünf Jahre lang von Jahrgang zu Jahrgang weiter gegeben werden. Ingo Hagen (CDU), vehementer Verfechter des Gutscheinsystems, schimpfte, die jahrelang von verschiedenen Schülern benutzten und nicht pfleglich behandelten Bücher seien "oft geradezu abstoßend", veraltet oder gar zerrissen. Deshalb wurmte ihn die mit der Abschaffung der Wahlfreiheit verbundene "Gängelung der Eltern".

Andere Stadträte widersprachen vehement. Beschädigte Bücher aus Schulbeständen könnten selbstverständlich umgetauscht werden. Die meisten Bücher würden ohnehin nach einem Schuljahr wieder verkauft - so komme eine Art selbst inszeniertes Leihverfahren zustande.

In anderen Kommunen im Landkreis wie Eislingen und Ebersbach, wo das Gutscheinverfahren ebenfalls existiert, scheint es auf sicheren Beinen zu stehen.

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