Abrechnung mit Justitia

Auch im zweiten Teil seines Programms "Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt" dringt Kabarettist Werner Koczwara mit Leichtigkeit, Witz und Intelligenz in ungeahnte Tiefen der Rechtsprechung.

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Der Schwäbisch Gmünder Kabarettist Werner Koczwara präsentierte im Alten E-Werk abstruse Beispiele aus dem undurchdringlichen Dschungel an Gesetzen, Verordnungen und Paragrafen. Foto: Sabine Ackermann

Nein, Werner Koczwara ist kein Jurist. Zumindest keiner, den das Gericht anerkennen würde. Doch der 56-jährige Kabarettist muss sich mit seinem Wissen, was die mitunter nicht nachvollziehende "Deutsche Ordnung" betrifft, keinesfalls hinter den echten Advokaten verstecken. Nicht von ungefähr, war das Alte E-Werk in Vorfreude auf die groteske Realsatire restlos ausverkauft. Wie es sich "im Dienst" gehört, trägt das wandelnde Gesetzbuch schwarz, dafür sind die authentisch gesprochenen Urteile im Namen von Justitia umso farbiger - wie etwa der Verkauf von Emissionsrechten. Warum nicht geradeso mit dem Vorfahrtsrecht an Engländer verfahren? Oder das Recht zur Meinungsfreiheit als Flat-rate unter dem Motto "Einen Monat schimpfen für zehn Euro" anbieten?

Fortwährend präsentiert der preisgekrönte Komödiant abstruse Paradebeispiele aus dem undurchdringlichen Dschungel an Gesetzen, Verordnungen und Paragrafen. Und das macht er gut. Frei redend, nur ab und zu wandert sein Blick in Gesetzbücher oder eigene Manuskripte. Er gibt sich zwar schwäbisch sparsam in Mimik und Gestik, was jedoch pointierte Betonung und Pausen betrifft, ist er ein wahrer Meister seines Fachs. "Gesetze sind Gebrauchsanweisungen für den Rechtsstaat, und wo Ordnung zu Unfug wird, wird Justiz zu Komik", betont der geistreiche Gmünder. So erklärt er anschaulich, warum das an einem Baum hängende Skelett eines Selbstmörders im Fachjargon als "herrenloser Persönlichkeitsrest" zu bewerten ist. Ferner sei es gesetzlich festgeschrieben, dass eine Ehe aufgehoben werden kann, wenn diese im Zustand der Bewusstlosigkeit geschlossen wurde. Kommt es hingegen zur Vermählung, durfte man noch vor vier, fünf Jahrzehnten von der Frau bei der Ausübung des ehelichen Beischlafs ein "gehöriges Maß an Opferbereitschaft" einfordern. An alle Jugendliche gerichtet: Die Staatsmacht ist bis dato auf der Seite der Eltern. So müssen laut § 1619 des BGB die Kinder im Haushalt mithelfen!

Werner Koczwara wird nicht müde, real existierende Fälle und Urteile akribisch auszuschlachten. Unfassbar die Top 10 der klagenden und reisepreisdrückenden Urlauber. Ist es ein Erholungsmangel, wenn die Sonne auf Mauritius zu schnell untergeht, bei Ebbe die Wassertiefe zu gering, dafür aber das Gras in der Steppe Tansanias zu hoch gewesen ist, es an Kenias Strand zu viele Einheimische gibt, man während des Abenteuerurlaubs nie in Lebensgefahr war und der Winter in Kanada überraschende Kälte brachte?

Zum Sammelsurium der Kuriositäten gehört außerdem, dass Sicherheitsbeamte zum Tragen von Unterwäsche verpflichtet seien, da ansonsten die Schambehaarung ihre Arbeitskleidung abnutze. Zum Problemfall Intimrasur und warum sich immer mehr Männer untenrum glatt rasieren, sage die Rechtsprechung bislang noch nichts. Doch Werner Koczwara hat auch darauf eine Antwort. "Das liegt am optischen Gesetz, denn ein Gartenzwerg sieht auf einer gemähten Wiese einfach größer aus."

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