Abfallkonzept: Die Biotonne wird kommen

Die Biotonne wird kommen - daran führt kaum ein Weg vorbei. Wie das neue Abfallkonzept genau aussehen wird, sollen die Kreisräte bis Ende des Jahres entscheiden. Doch vorher haben die Bürger das Wort.

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Bei manchen Kreisbewohnern landet der Bioabfall auf dem eigenen Kompost. Ob sie trotzdem eine Biotonne brauchen, ist noch unklar.  Foto: 

Die Kritiker befürchten Maden im Biomüll und eine Protestwelle, die durch den Landkreis schwappt. Die Befürworter hingegen sehen die Chance, dass Abfall strikter getrennt und organischer Müll wie Essensreste und Obstschalen energetisch genutzt werden kann. Fakt ist: Die getrennte Biomüll-Erfassung wird zum 1. Januar 2015 Pflicht, das schreibt das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz vor - mit der Einschränkung, dass die Änderung technisch und wirtschaftlich zumutbar ist.

Dass sich der Landkreis Göppingen dieses Schlupfloch zunutze machen kann und um die Biotonne herumkommt, daran glaubt Eberhard Stähle, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, nicht. Er und seine Mitarbeiter stecken daher mitten in den Vorbereitungen auf dieses neue Müllsystem. Bevor jedoch die Kreispolitiker über Eckpunkte des künftigen Konzepts - unter anderem Gebühren, freiwillige oder verpflichtende Biotonne und Behältergröße - diskutieren, haben die Bürger das Wort.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat die "Forschungsgruppe Wahlen" aus Mannheim beauftragt, vom 7. bis 13. Mai 1000 zufällig ausgewählte Haushalte im Kreis per Telefon zu befragen. Dabei geht es beispielsweise darum zu erfahren, ob die Kreisbewohner eine extra Gebühr für eine Biotonne zahlen würden und ob ein Stellplatz für einen zusätzlichen Eimer vorhanden ist. Außerdem will das Institut wissen, ob die Bürger hygienische Probleme befürchten oder wie sich die Einführung der Biotonne auf die eigene Kompostierung auswirkt. "Wir brauchen die Meinung der Bevölkerung, um das neue System möglichst gut auf die Bedürfnisse im Landkreis abzustimmen. Wir wollen es möglichst vielen Recht machen", unterstreicht Stähle. Außerdem können die Bürger bei dieser Gelegenheit einmal sagen, wo ihnen in Sachen Müllentsorgung der Schuh drückt.

Der Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs geht davon aus, dass die Ergebnisse der Befragung bis zur Sommerpause vorliegen. Genauso wie das Resultat der Restmüllanalyse, die in vollem Gang ist. In dieser Woche läuft die dritte von vier Sortierkampagnen. Die Untersuchung soll Aufschluss geben, wie viel wiederverwertbares Material sich im Restmüll befindet - also auch Bioabfall. "Da ist Potenzial drin", sagte Stähle gestern, einen ersten Zwischenstand mit Zahlen will er aber erst in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr am Dienstag nennen. Nach Erfahrungen anderer Kreise kann rund 30 Prozent organischer Abfall aus der Restmüllmenge abgeschöpft werden.

Die Kreisräte werden im September in die Debatte einsteigen. Ende dieses Jahres soll dann klar sein, wohin die Reise geht. Anschließend wird die Abfuhr der Biotonne ausgeschrieben. Probleme mit aktuellen Vertragspartnern - dem Müllentsorger ETG und dem Müllheizkraftwerk - erwartet der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs nicht: "Die Auswirkungen sind beherrschbar." Eines ist aber so gut wie sicher: "Die Müllgebühr wird steigen, zum Nulltarif gibts das neue System nicht."


Fünf Minuten am Telefon

Die "Forschungsgruppe Wahlen" aus Mannheim wird vom 7. bis zum 13. Mai 1000 zufällig ausgewählte Haushalte rund ums Thema Mülltrennung sowie die Akzeptanz, Vorbehalte und die Einstellung insgesamt zur separaten Biomüllerfassung befragen. Das Institut möchte beispielsweise wissen, ob die Bürger bereit sind, eine extra Gebühr zu bezahlen oder ob es nur Interesse an einer kostenlosen Biotonne gibt. Das Telefongespräch wird fünf bis sieben Minuten dauern.

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Am 1. Juli 2015 ist im Landkreis Göppingen die getrennte Sammlung von Bioabfällen in Form von Plastiksäcken gestartet. Es gilt die gesetzliche Pflicht zur Trennung und Verwertung von Küchenabfällen.

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