"Wir wollen kein Halli Galli"

Der von der Erlebnis-Akademie AG geplante Baumwipfelpfad bei Wiesensteig stößt in Teilen der Bevölkerung auf Widerstand. Vorstandssprecher Bernd Bayerköhler (47) will die Gegner mit Fakten überzeugen.

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  • "Für mich schwierig einzuschätzen ist, ob es sich um einen starken Widerstand von wenigen oder um die Meinung von vielen handelt": Investor Bernd Bayerköhler von der Erlebnis-Akademie in Bad Kötzting will die Menschen im Landkreis mit Fakten vom Projekt Baumwipfelpfad überzeugen. Fotos: Giacinto Carlucci 1/2
    "Für mich schwierig einzuschätzen ist, ob es sich um einen starken Widerstand von wenigen oder um die Meinung von vielen handelt": Investor Bernd Bayerköhler von der Erlebnis-Akademie in Bad Kötzting will die Menschen im Landkreis mit Fakten vom Projekt Baumwipfelpfad überzeugen. Fotos: Giacinto Carlucci
  • "Ich wehre mich gegen die Zahlen, die derzeit von manchen Kritikern kolportiert und einfach so zum Maßstab erhoben werden." 2/2
    "Ich wehre mich gegen die Zahlen, die derzeit von manchen Kritikern kolportiert und einfach so zum Maßstab erhoben werden."
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Hand aufs Herz, Herr Bayerköhler, hat Sie der heftige Protest gegen den Baumwipfelpfad überrascht?

BERND BAYERKÖHLER: Ja, ich bin deutlich überrascht. Und ich bin auch irritiert. Das hat mit meinem Selbstverständnis zu tun. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass das, was wir machen, gut und nützlich für die Menschen ist. Dass es einen Mehrwert hat. Unser Ziel ist es, mit dem Baumwipfelpfad schöne Erlebnisse in einem natürlichen Umfeld zu ermöglichen. Und wir achten darauf, dass sich die schönen Erlebnisse gut in dieses natürliche Umfeld integrieren. Das gilt für den geplanten Baumwipfelpfad bei Wiesensteig genauso wie für jedes andere Projekt, das wir bereits verwirklicht haben oder noch umsetzen wollen. Aus diesem Grund bin ich über den massiven Widerstand überrascht, wobei es für mich schwierig einzuschätzen ist, ob es sich um einen starken Widerstand von wenigen oder um die Meinung von vielen handelt.

Werfen Sie jetzt die Flinte ins Korn?

BAYERKÖHLER: Nein, noch nicht. Ich bin nicht frustriert, aber desillusioniert. Wir planen ein sehr interessantes und attraktives Projekt und wir wollen es für die Region schaffen. Wir freuen uns über die große Unterstützung der Stadt Wiesensteig und des Landkreises.

Aber ewig werden Sie als Investor ja auch nicht warten können . . .

BAYERKÖHLER: Das ist sicher richtig, doch unser Zeitfenster hängt stark davon ab, wann der angestrebte Bürgerentscheid stattfindet.

Und wenn er erst nach den Sommerferien kommt?

BAYERKÖHLER: Dann wäre das für uns absolut im Rahmen. Es gibt ja parallel zur Vorbereitung des Bürgerentscheids andere Prozesse, die schon laufen. Ich nenne da als Beispiel die wichtige Artenkartierung.

Lassen Sie sich gar nicht auf einen Termin festnageln, zu dem Ihre Geduld endet und Sie das Vorhaben in Wiesensteig begraben?

BAYERKÖHLER: (lacht) Festnageln lasse ich mich da nicht. Aber klar ist: Je früher die Entscheidung fällt, desto besser. Ich sage es mal so: Es wäre gut, wenn noch in diesem Jahr geklärt wird, ob der Baumwipfelpfad verwirklicht werden kann. Zunächst warten wir jetzt erst einmal das vom Landkreis in Auftrag gegebene Verkehrsgutachten ab, das wir sehr begrüßen.

Kritiker des Projekts fürchten vor allem eine hohe Verkehrsbelastung, die ihrer Ansicht nach durch den Baumwipfelpfad entstehen könnte. Können Sie die Sorgen in Wiesensteig nachvollziehen und wie gehen Sie mit ihnen um?

BAYERKÖHLER: Ich kann diese Sorgen nachvollziehen. Wir sprechen über einen Problembereich, der gelöst werden muss. Ich wehre mich aber gegen die Zahlen, die derzeit von manchen Kritikern kolportiert und einfach so zum Maßstab erhoben werden.

Wie ließe sich die Verkehrsproblematik denn am besten lösen?

BAYERKÖHLER: Wir brauchen ein vernünftiges Parkleitsystem. Wir brauchen einen großen Parkplatz, um wildes Parken - gerade auch auf Feldwegen - zu verhindern. Und wir benötigen eine charmante Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Vorstellbar wäre zum Beispiel ein Shuttle-Bus-Dienst.

Ist denn der Parkdruck bei einem solchen Projekt tatsächlich so groß?

BAYERKÖHLER: Unseren Erfahrungen nach - und wir verfügen über sehr gute Erfahrungen mit dem Baumwipfelpfad in Neuschönau - gibt es diesen Druck nur an wenigen Tagen im Jahr. Und wenn es genügend Parkplätze gibt - und das streben wir immer an - gibt es ihn auch nicht. Wichtig ist, dass man mit einer guten Infrastruktur Spitzen abdecken kann. Das Szenario in manchen Köpfen, wonach es zu einer völligen Überlastung der Gegend kommt, ist nicht richtig. An normalen Tagen rechnen wir mit 300 bis 500 Besuchern pro Tag.

Bei Ihren Projekten legen Sie großen Wert auf die Naturverbundenheit und damit auf ökologische Nachhaltigkeit. Können Sie das am Beispiel Wiesensteig konkret erklären?

BAYERKÖHLER: Wir wollen kein Halli Galli. Das ist unsere wichtigste Botschaft. Der Baumwipfelpfad wird nicht beleuchtet, wir orientieren uns kategorisch an den Tageslichtzeiten. Der Pfad soll für sich wirken. Barrierefreiheit ist ebenfalls ein ganz wichtiges Thema für uns. Nicht zuletzt deshalb ist auch die Standortfrage für uns von elementarer Bedeutung.

Was sind für Sie die Vorteile des Standorts "Feldkopf"?

BAYERKÖHLER: Wir haben hier einen sehr schönen Buchenwald. Der Wald ist sehr licht, das heißt, man kommt mit dem Pfad ohne größere Eingriffe in die Natur gut durch den Wald. Durch das sachte Gefälle gelangt man ohne Probleme auf den Pfad - das gilt vor allem auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen. Die Topografie beim Reußenstein ist also ideal. Und wir können hier einen Rundumblick schaffen, den es in der Umgebung sonst so nicht gibt und auch nicht geben kann. Wir wollen den Menschen eine neue Perspektive bieten und nicht etwas, was sie schon kennen oder anderswo genauso haben. Zum Standort Feldkopf kann ich deshalb nur sagen: Mir hat bisher noch niemand etwas Besseres gezeigt.

Reden wir über das Renommee der Erlebnis-Akademie. Mit wem arbeiten Sie zusammen und warum?

BAYERKÖHLER: Als wir vor elf Jahren unseren ersten Hochseilgarten gebaut haben, war es der dritte oder vierte in ganz Deutschland. Inzwischen haben wir vier Anlagen in Bayern und zwei in Tschechien realisiert. In Neuschönau arbeiten wir eng mit dem Nationalpark Bayerischer Wald zusammen, in dessen Gebiet sich der dortige Baumwipfelpfad befindet. Auf Rügen entsteht derzeit ein Naturerbezentrum. Bei diesem Projekt arbeiten wir eng mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zusammen. Die DBU ist eine der größten Umweltstiftungen in Europa. Sie fördert innovative beispielhafte Projekte zum Umweltschutz. Als Partner können wir also nicht ganz so schlecht sein. Für uns ist es genauso wichtig, dass wir Partner haben, die unsere Vorhaben inhaltlich begleiten. Wir sind Erlebnispädagogen, keine Umweltpädagogen. Daher arbeiten wir Hand in Hand. Das schafft Renommee.

Welchen Betrag würde die Erlebnis-Akademie in den Baumwipfelpfad bei Wiesensteig investieren?

BAYERKÖHLER: Wir sprechen zunächst über eine Summe von drei bis 3,5 Millionen Euro für den Bau des Baumwipfelpfads. Hinzu kommen die Kosten für Erschließung, Informationszentren und Gastronomie, so dass sich die Gesamtinvestition, die wir schultern, auf 5,5 bis sechs Millionen Euro beläuft.

Manche Kritiker befürchten, die umliegende Gastronomie profitiere gar nicht vom Baumwipfelpfad . . .

BAYERKÖHLER: Diese Sorge ist definitiv unbegründet. Schon aus Kapazitätsgründen - das sind unsere Erfahrungen - können wir maximal 35 Prozent der Besucher gastronomisch bedienen. Die überwiegende Mehrheit der Gäste wird also anderswo versorgt werden müssen. Ich vergleiche das mit einem Kieselstein, den man ins Wasser wirft und der Kreise um sich herum bildet.

Würde die Erlebnis-Akademie die Gastronomie selbst betreiben?

BAYERKÖHLER: Nein, das ist nicht unsere Absicht. Wir würden uns um den Bau kümmern. Aber auch unsere Tochtergesellschaft will und kann nicht alles selbst betreiben. Wir könnten uns zum Beispiel einen Verbund von drei bis vier Wirten vorstellen. Wichtig ist aber auch dabei, dass die Philosophie stimmt und auf Nachhaltigkeit geachtet wird. In Neuschönau beziehen wir beispielsweise 80 Prozent unserer Waren aus einem Umkreis von 30 Kilometern. Ein solches Konzept stellen wir uns auch für das Projekt in Wiesensteig vor.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

BAYERKÖHLER: Wir wollen den Dialog mit den Menschen jetzt fortsetzen. Die Gespräche werden auf jeden Fall weitergehen. Das ist auch mit Landrat Edgar Wolff so vereinbart worden. Wir werden auch die Stadt Wiesensteig in der Vorbereitung des geplanten Bürgerentscheids unterstützen. Außerdem wollen wir in den kommenden Wochen und Monaten weiter Aufklärungsarbeit leisten. Wir möchten in Bürgerveranstaltungen unser gutes Konzept vorstellen und stellen uns den Fragen der Menschen.

Haben Sie ein Problem mit dem Bürgerentscheid?

BAYERKÖHLER: Nein, gar nicht. Da habe ich kein Problem damit. Das einzige, was ich mir in diesem Zusammenhang wünsche, ist: Wenn der Bürgerentscheid pro Baumwipfelpfad ausgeht, bitte ich alle darum, das Ergebnis anschließend auch so zu akzeptieren und gemeinsam mit uns ein gutes Projekt zu verwirklichen.

Das Gespräch führten Susann Schönfelder, Helge Thiele und Rüdiger Gramsch.

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