"Wir sind die Kunden"

Das Grummeln über die Müllabfuhr mit Seitenlader ist in Zell noch nicht verstummt. Die ETG hat hier wie anderswo noch Hausaufgaben - und wirbt um Akzeptanz: Seitenlader machten Knochenjobs überflüssig.

|
Mülltonnen in der Schillerstraße in Zell: Hier wie anderswo muss die ETG noch Probleme lösen und Überzeugungsarbeit für ihren Seitenlader leisten. Foto: Staufenpress

Der Zeller Gemeinderat Michael Dreher, der Probleme mit dem Seitenlader in einzelnen Straßen publik gemacht hat, hakte noch einmal nach. In der Satzung über die Müllabfuhr sei gar nicht festgeschrieben, dass die Mülltonnen alle auf einer Straßenseite stehen müssten, damit der Lader sie mit einem Durchgang abfertigen kann.

Das sagt auch Alfred Petersen aus der Schillerstraße, der sich aus gegebenem Anlass schlau machte. In seiner Straße sei es nicht so einfach, die Anweisung der Müllabfuhr zu befolgen. Weil gegenüber sage und schreibe 20 Mülleimer aus zwei Wohnblocks stehen und dazu noch die sechs von ihm und seinen Nachbarn. Mit so einer Batterie werde eine Feuergasse blockiert und öffentlicher Parkraum in Anspruch genommen. Was, wenn dort zugeparkt sei, fragt Petersen, was im Sommer mit Bombensicherheit geschehe, weil die Anwohner dann weniger ihre Tiefgarage nutzten? Bisher sei es kundenfreundlich gewesen: Die sechs Mülleimer aus seinem Quartier seien an einer Gehwegschräge gestanden. Einverstanden wäre er, wenn sie an die Straßenkante gestellt werden könnten, wie es in der Satzung stehe. Das hieße freilich: Die Müllabfuhr müsste zweimal durchfahren. Was man erwarten könne, findet Petersen. "Wir sind die Kunden, die Müllabfuhr ist der Dienstleister."

Petersen erwartet von der ETG mindestens, dass sie mit ihm spricht. Er sei mit seinem Anruf aber abgeblitzt. Man habe ihm gesagt, das regle der Fahrer vor Ort.

Zu diesem Fall kann die ETG-Geschäftsführerin Beate Schwarz nichts sagen. Sie bekräftigt, dass ihre Firma in Zell und anderswo die Probleme mit der Umstellung abarbeite und sie überlasse ihrem Betriebsleiter die Frage, ob man die Schillerstraße zweimal abfahre. Dass die Satzung des Landkreises nicht auf die Seitenlader zugeschniten sei, sei richtig. Notwendig sei es aber, dass die Leute mit der Müllabfuhr kooperierten. "Sonst funktioniert es nicht."

Die Geschäftsführerin wehrt sich gegen die Meinung, der Seitenlader werde "aus Spaß an der Freud" eingesetzt. Gewiss werde der Fahrzeug-Begleiter eingespart, aber das habe auch eine gesundheitliche Seite. Der Job dieser Müllmänner sei so hart, dass sie mit 50 aufwärts "abgearbeitet" seien. Gleichzeitig werde der Arbeitsplatz des Fahrers mit Hightech aufgewertet.

Es gibt noch andere Klagen: Dass Mülleimer bei der Leerung mit Seitenlader kaputtgingen. So berichtet es eine Dürnauerin, und das ist kein Einzelfall. Gleich bei der ersten Leerung im Januar sei der vielleicht 17 Jahre alte Mülleimer an der Seite gerissen, die der Seitenlader anpackt, Die Antwort der ETG sei gewesen: Der Mülleimer sei eben alt, das Material werde spröde. Überraschung Nummer zwei: Der neu angeschaffte Mülleimer sei ebenfalls bei der ersten Leerung zu Bruch gegangen, an derselben Stelle. Die ETG halte das für einen Fabrikationsfehler und habe ihn nach einigem Hin und Her kulanzhalber ersetzt.

Geschäftsführerin Schwarz stellt klar: "Es gehen immer Mülleimer kaputt, ob mit Seitenlader oder Hecklader." Sie hat seit elf Jahren beides in Betrieb. Bisher seien fünf bis 15 Mülltonnen pro Monat zu Bruch gegangen. Jetzt dürften es mehr werden, weil die ETG kreisweit operiert. Sie bekräftigt: Materialverschleiß und Fabrikationsfehler seien die Ursachen. Vielleicht habe auch die Kältewelle mitgewirkt. Wenn die Ausfälle zunähmen, wolle sie mit den Herstellern sprechen.

Sie könne verstehen, dass die Leute sich ärgerten, sagt Beate Schwarz. Ein neuer Mülleimer koste 50 Euro. In anderen Landkreisen sei das anders geregelt: Da stelle der Kreis die Mülltonnen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Göppinger Polizei fahndet nach Brandstiftern

In Göppingen standen in der Nacht zum Mittwoch zwei Autos in Flammen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. weiter lesen