OB Till zum Abschneiden der AfD: „Müssen Ängste sehr ernst nehmen“

In einigen Wahlbezirken hat die AfD überdurchschnittlich stark abgeschnitten. OB Till sieht die CDU in der Pflicht.

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Die Alternative für Deutschland (AfD) gehört zu den großen Gewinnern der Bundestagswahl. Die rechtspopulistische Partei, die im Wahlkampf vor allem eine ihrer Meinung nach verfehlte Zuwanderungspolitik thematisiert hatte, gewann massiv dazu und holte bei den Erst- und Zweitstimmen zweistellige Ergebnisse. Auffällig sind die überdurchschnittlich hohen Stimmenanteile der AfD in den Wahlbezirken 050-38, 050-39, 050-40 und 050-41 (Ursenwangschule) beziehungsweise 005-23, 005-24 und 005-25 (Hermann-Hesse-Realschule). Bei der Erststimme erreichte die AfD in der Ursenwangschule 24,5 Prozent, bei der Zweitstimme waren es 25,7 Prozent. In der Hermann-Hesse-Realschule waren es 22,5 Prozent bei der Erststimme, bei der Zweitstimme knapp 21 Prozent. Zum Vergleich: Beim Gesamtergebnis im Wahlkreis Göppingen schaffte die AfD 14,7 Prozent, in der gesamten Stadt Göppingen war es etwa ein Prozentpunkt mehr.

Oberbürgermeister Guido Till weist darauf hin, dass es sich um eine Bundestagswahl handelt, räumt aber ein: „Wir haben bei uns tatsächlich einzelne Wahlbezirke, in denen, auch schon bei der Landtagswahl, der AfD-Anteil sehr hoch war. Dabei handelt es sich um Wahlbezirke, in denen ein hoher Prozentsatz an deutschen Mitbürgern wohnt, die erst in den letzten 30 Jahren zu uns gekommen sind.“ Bei der Landtagswahl im Frühjahr vergangenen Jahres schaffte die AfD aus dem Stand 16 Prozent im Wahlkreis Geislingen und 17,4 Prozent im Wahlkreis Göppingen. In einzelnen Göppinger Stadtquartieren wie zum Beispiel in Ursenwang hatte die AfD vor eineinhalb Jahren zum Teil mehr als 30 Prozent der Stimmen erhalten.

Till spricht jetzt von einer „beachtlichen Zahl von AfD-Wählern“. Das bedeute jedoch nicht, „dass wir besonders viele rechtsextreme Menschen haben, sondern dass wir viele konservative Wähler haben, die sich von dem jetzigen liberalen Kurs der CDU offensichtlich nicht mehr vertreten fühlen“. Der Rathauschef, selbst CDU-Mitglied, meint damit das innerhalb der AfD-Wählerschaft linke Drittel, das bei der vorangegangenen Wahl noch CDU gewählt habe und keine rechtsextremen Vorstellungen vertrete. „Diese Wähler müssen von der CDU unbedingt wieder erreicht werden, und ich bin davon überzeugt, dass dies auch möglich ist“, blickt Till zuversichtlich nach vorn. Das bedeute aber auch Arbeit für die Christdemokraten: „Die CDU wird in den nächsten Jahren ihr Profil deutlich schärfen müssen.“ Eines steht für Till fest: „Wir müssen die Ängste der Bevölkerung sehr ernst nehmen, wir müssen erkennen, dass Sicherheit ein elementares Bedürfnis der Bevölkerung ist, und wir müssen alle zusammen etwas dafür tun, um zusammen sicher leben zu können.“

Der OB ging auch gestern Abend in seiner Haushaltsrede auf dieses Thema ein. Er sprach von einer „offenen, vielfältigen Stadt“, in der Menschen aus 120 Nationen leben, die wiederum 85 verschiedene Sprachen sprechen. „Diese kulturelle Vielfalt zählt seit langem zu unserem Reichtum. Von daher bin ich sehr gespannt darauf, ob sich mit dem Einzug der AfD in den Bundestag die Stimmung in unserem Land und damit auch in unserer Stadt zum Negativen verändern wird“, sagte Till und betonte: „Ausgrenzung und Abschottung zählen nicht zu unseren Traditionen, weder in Göppingen noch in Deutschland oder in Europa. Und Diskriminierung ist erst recht keine christliche Tradition, sondern widerspricht dem Christentum diametral.“

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