"Wir brauchen ein Vorbild"

Bundespräsident Christian Wulff gerät immer stärker in die Kritik. Wir haben Präsidenten unterschiedlicher Organisationen befragt, wie sie sein Verhalten in der Öffentlichkeit bewerten.

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"Vom kleinen Mann verlangt man so viel. Dass sich ein Politiker alles erlauben kann, darf wirklich nicht sein", meint Eberhard Schmid, Präsident des Donzdorfer Kulturrings. "Was gerade alles an die Öffentlichkeit kommt, ist nicht gerade positiv", urteilt er. Dass nun immer mehr Fakten ans Licht kämen, schade Wulff und seiner Rolle als Vorbild. "Ich denke, er sollte bald die Konsequenzen ziehen und zurück treten", meint Schmid. Allerdings müsse man zuerst sehen, wie es sich weiter entwickle. "Bisher ist noch vieles im Unklaren. Allerdings verlieren die Bürger inzwischen das Vertrauen."

Für Thomas Lander, Präsident von Frisch Auf Göppingen, ist eines klar: "Wer in der Öffentlichkeit steht und ein Vorbild ist, sollte sich auch so verhalten." Damit meint er, dass Wulff auf jeden Fall genau abwägen sollte, was er tut und was er sich nicht erlauben kann. "Als Bundespräsident hat er eine herausragende Stellung." Lander erwartet, dass Wulff bald zurück tritt: "Ich sehe das als längst überfällig an. Es ist ein No-Go, wenn man versucht, Redakteure oder Inhaber von Medien zu beeinflussen." Die Pressefreiheit sei schließlich ein sehr hohes Gut in der heutigen Gesellschaft. Der Frisch-Auf-Präsident meint, dass womöglich noch weitere Fakten ans Licht kommen werden. Lander kritisiert zudem die Ungerechtigkeit: "Eine Verkäuferin wird wegen zwei Euro entlassen, und ein Bundespräsident kann sich so große Summen zuschanzen."

"Die Art und Weise, wie er mit der Sache umgeht, finde ich sehr unglücklich", sagt Wolf Ulrich Martin, Präsident der IHK-Bezirkskammer Göppingen. Er findet Wulffs Verhalten dem höchsten Staatsamt gegenüber nicht angemessen. "Auch wenn vieles davon rein rechtlich in Ordnung ist, bleibt ein fader Beigeschmack", meint Martin. Er sieht klare Defizite im Verhalten des Bundespräsidenten. Einen Rücktritt hält der IHK-Präsident derzeit für übereilt: "Es sollte zuerst alles aufgeklärt sein, bevor er das Amt niederlegt. Wir werden sehen, ob er es noch führen kann, ohne es weiter zu beschädigen."

Von den Vorwürfen gegen den Bundespräsidenten distanziert sich der Präsident des Golfclubs Göppingen, Ingo Hagen: "Mir sind zu wenig Sachverhalte und Grundlagen bekannt. Daher möchte ich mich nicht in den Kreis derer einreihen, die ihn so stark kritisieren." Die Affäre werde in den Medien zwar in aller Breite dargestellt. Wie die Realität aussehe, wisse man jedoch nicht wirklich, findet der Präsident des Golfclubs. "Herr Wulff ist auch nur ein Mensch. Wir sind doch alle mit Fehlern behaftet", sagt Hagen. Er kann sich gut vorstellen, dass der Bundespräsident bald zurück treten wird. "Wir sind an einem Punkt angelangt, wo das Amt beschädigt wird."

Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie, denkt nicht, dass Wulff zurück treten sollte: "Es wäre verheerend. Lieber sollte er alle Fakten auf den Tisch legen", meint Müller-Schwefe. Politiker genössen inzwischen kein hohes Ansehen mehr, weil viele sich etwas zu Schulden kommen ließen: "Wir brauchen aber Vorbilder", betont Müller-Schwefe. Das Wort Präsident sei schließlich mit "Diener" zu übersetzen. Dieser Funktion sollte der Bundespräsident eigentlich auch nachkommen. "Eigeninteresse ist in dieser Position fehl am Platz. Er sollte sich lieber für die Gesellschaft einsetzen." Der Präsident denkt, dass Wulff das Vertrauen der Bürger zurück gewinnen kann, wenn er zu seinen Fehlern steht und nicht weiter "verschleiern und verzögern" will.

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