"Uns fehlen junge Familien"

Er blickt einer zweiten Amtszeit entgegen: Am Sonntag steht der Heininger Bürgermeister Norbert Aufrecht zur Wiederwahl. Jürgen Schäfer sprach mit ihm über Vergangenheit und Zukunft.

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Herr Aufrecht, wie ist es, Bürgermeister von Heiningen zu sein?

NORBERT AUFRECHT: Ich habe es hier mit einer überwiegend sehr aufgeschlossenen und innovationsfreudigen Bürgerschaft zu tun, die nahezu jedem Thema offen gegenüber steht. Das bedeutet, dass Bürgermeister in Heiningen zu sein, viel positive Arbeit mit sich bringt, die es an Abwechslungsreichtum nicht fehlen lässt.

Schwer beschäftigt hat Sie das Thema zweite Sporthalle. Sie haben versucht, das im Gemeinderat abzublocken, und erhielten Rückenwind durch ein Bürgerbegehren. Wie denken Sie heute darüber?

AUFRECHT: Das Thema Trainingshalle ist nicht um seiner selbst willen einfach abgeblockt worden, sondern es ist die Forderung nach der finanziell vernünftigsten und sachdienlichsten Lösung erhoben worden und das ist doch richtig. Die Sportstättenentwicklung, die mit den Vereinen zusammen erarbeitet wurde, ist immer noch eine gute Arbeitsgrundlage und daraus sollte eine Gesamtkonzeption entwickelt werden, die letztlich zum "Sportpark Voralb" führt. Der Raumbedarf der Sportvereine ist nachvollziehbar dargestellt worden.

Kann eine gemeinsam genutzte, kleinere Sport- und Kulturhalle in Eschenbach noch mal ein Thema werden? Das war ja damals eine Alternative.

AUFRECHT: Eine gemeinsame Maßnahme auf Ebene des Verwaltungsverbandes wäre immer eine gute Lösung. Der Knackpunkt ist aber die Größe einer solchen Halle. Bei uns spielt eben der Handball eine ganz große Rolle, und die brauchen bestimmte Maße. Viele Handballmannschaften müssen immer noch außerhalb Heiningens trainieren.

Heiningen hat fast 400 Einwohner verloren, die Kinderzahlen sind erheblich zurückgegangen. Wird Heiningen weiter schrumpfen?

AUFRECHT: Die Geburtenzahl hat vor Jahren einen deutlichen Einbruch erlebt, sich jetzt stabilisiert und leicht erholt. Heiningen hat im Vergleich zu anderen Gemeinden einen höheren Altersdurchschnitt. Das bedeutet, uns fehlen junge Familien. Dabei findet unser Betreuungsangebot für Kinder und Schüler hohe Anerkennung. Daran liegt es nicht. Grund ist vor allem, dass wir nicht genügend Wohnungen und Bauland für die hohe Nachfrage von jungen Menschen anbieten können.

Das leidige Thema Verkehr: Eine Ortsumgehung ist nicht in Sicht, wie soll es weitergehen?

AUFRECHT: Wenn ich die Signale der neuen Landesregierung richtig verstehe, dann brauchen wir an eine Umgehungsstraße nicht im Entferntesten denken. Ich kann schon nachvollziehen, dass man erst mal die Schlaglöcher aufarbeiten sollte, bevor man Neues anpackt, aber mit der Heininger Brille gesehen, ist der Verkehr auf der Landesstraße eine Katastrophe. Eine zeitnahe Lösung ist nicht in Sicht.

Sie haben die Vision von einer Ortsmitte in Heiningen entwickelt. Wie sehen Sie die Chancen dafür?

AUFRECHT: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir sind im Landessanierungsprogramm mit der Möglichkeit, bis zu 60 Prozent der Kosten gefördert zu bekommen. Der große Hemmschuh ist der Verkehr auf der Ortsdurchfahrt, aber ich glaube fest daran, dass wir trotzdem eine positive gestalterische Entwicklung hinbekommen. Schon in den nächsten Wochen werden wir damit einen großen Schritt weiterkommen.

Die Heininger Schule verliert ihre oberen Klassen. Wie kann es hier weitergehen?

AUFRECHT: Das Hin und Her in der Schulpolitik wirft die Entwicklung der Heininger Schule ab Klasse 5 regelrecht aus der Bahn. Wir haben nicht die Grundvoraussetzungen wie die Gemeinde Boll, die die Förderschule zur Inklusion gleich nebenan stehen hat. Wir müssen weiter unten anfangen, aber die Lehrerschaft zusammen mit ihrem Konrektor Wöller ist hoch motiviert, für die Kinder in und um Heiningen ein tolles Angebot zu machen, das insbesondere auf ein gute Ausbildungsfähigkeit der Schüler abziehlt.

Wie wichtig ist Ihnen das Biomassezentrum für die Voralbgemeinden, das am Voralbbad geplant ist und von einem Bürgerentscheid abhängt?

AUFRECHT: In der Abwägung von Vor- und Nachteilen überwiegen für mich die Vorteile, aber ich respektiere, dass man das auch anders sehen kann. Es ist ganz pragmatisch gesehen, eine Lösung, die der eingeleiteten Energiewende Rechnung trägt, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir können diesem Thema nicht ausweichen.

Die Energiewende kommt vielleicht nicht nur mit Biogas, sondern auch mit Windmühlenflügeln auf Heiningen zu. Können Sie sich auf Ihrer Markung Windräder vorstellen, kleine oder große?

AUFRECHT: Ich war noch vor Jahren nicht sonderlich angetan von den großen Windrädern in unserer sensiblen Landschaft, zum Beispiel auf der Albhochfläche. Sie wird eben mit diesen riesigen Bauwerken noch mehr zersiedelt. Nun sollten wir aber anerkennen, dass sie gegenüber den Gefahren der Kernenergie das kleinere Übel sind. Insofern kann ich mir auch Windräder bei uns vorstellen.

Das Heininger Vereinsleben: Kann die Gemeinde mehr für die Vereine tun?

AUFRECHT: Wir haben einen der höchsten Vereinsfördersätze im Landkreis, das wird von den Vereinen auch anerkannt. Finanziell können wir da wohl nicht noch mehr draufsetzen. Wichtiger ist es, die Vereine in so dringenden Fragen wie der Suche nach Räumlichkeiten zu unterstützen.

Natur und Tourismus: Kann Heiningen da zulegen, sehen Sie darin eine Bedeutung für den Ort?

AUFRECHT: Wir sind mit unserer Ortslage weiter weg vom Albtrauf und seinen Besonderheiten als Schlat, Eschenbach oder Bad Boll. Das macht es für uns schwieriger, im Tourismus Fuß zu fassen. Trotzdem meine ich, dass wir in der Entwicklung des Landschaftsparks Albtrauf dabei bleiben und erste Schritte darin unternehmen sollten. Die ganz große Bedeutung sehe ich aber im Moment noch nicht.

Was sind Ihre Vorstellungen von Heiningen 2020?

AUFRECHT: Junge Familien finden genügend Wohnraum und eine optimale Kinderbetreuung vor. Der Ortskern ist durch erlebbare städtebauliche Maßnahmen herausgeputzt. Der Sportpark Voralb ist fertig entwickelt und bietet alle Möglichkeiten. Dann gibt es mitten im Ort, im Reuschwald, einen Naherholungspark, mit hoher Qualität für Jung und Alt. Die Unternehmen und die Bevölkerung sind mit schnellstem Internet versorgt und die Vereine und Ehrenamtlichen fühlen sich gut aufgehoben in Heiningen.

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