"Und plötzlich war das Geld weg"

Fast drei Jahrzehnte lang prägte Anton Hegele die Arbeit des Naturkundlichen Museums der Stadt. Mit seinem Eintritt in den Ruhestand wird er noch mehr Zeit für seine zahlreichen Ehrenämter haben.

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Während viele Menschen in ihren Freizeitbeschäftigungen den Ausgleich zum anstrengenden Arbeitsalltag finden, verschwammen bei Dr. Anton Hegele die Grenzen. "Beruf und Hobby waren identisch", sagt der promovierte Geowissenschaftler, der jetzt aus dem Berufsleben ausscheidet. Er war in der glücklichen Lage, dass er sich die Themenfelder selbst aussuchen konnte. Als Leiter des Naturkundlichen Museums der Stadt Göppingen, das 1970 in der ehemaligen Badherberge in Jebenhausen eröffnet wurde, realisierte er viele Ausstellungsprojekte. Besonders in Erinnerung geblieben sind dem 60-Jährigen die Ausstellung zur Kulturgeschichte des Apfels und die Ausstellungen, die er mit privaten Sammlern umsetzen konnte.

"Sie haben das Kulturleben unserer Stadt mit Ihrer kontinuierlichen und hoch qualifizierten Arbeit um viele Facetten bereichert", betonte dann auch Bürgermeisterin Gabriele Zull bei der Verabschiedung Hegeles in "seinem" Museum.

Bei aller erfolgreichen Arbeit - der eigentliche Zweck, für den er Mitte der 80er Jahre angestellt worden war, hat er nicht realisieren können. Denn eigentlich hatte er den Auftrag erhalten, für das Museum eine neue Konzeption zu erarbeiten. Sie hätte auch das benachbarte Badhaus einbezogen, das 1482 erbaut und immerhin das älteste profane Gebäude der Stadt ist. "Schon damals war erkannt worden, dass Vieles im Argen liegt", stellt Dr. Hegele im Rückblick fest. Passiert ist freilich nichts. Zwischenzeitlich müssen gar Passanten durch Dachlatten vor herabfallenden Fassadenteilen geschützt werden. Der Gemeinderat hatte zwar einer Konzeption Dr. Hegeles zugestimmt und auch vier Millionen Mark bewilligt. Aber die Bauverwaltung "war nicht dahinter", so Hegele, "und plötzlich war das Geld weg". Eine weitere Chance sei 2000 vertan worden. Damals hätte die Stadt die Chance gehabt, im Schloss das Stadtmuseum und das Naturkundliche Museum zu etablieren. Auch wenn die Kraft und Zeit, die Hegele gemeinsam mit dem Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß in die Museumskonzeptionen gesteckt hat, bis heute zu keinem Ergebnis geführt haben, blickt er nicht im Zorn zurück. Die Zusammenarbeit mit den Sammlern in vielen Ausstellungen habe ihm ebenso wie die Kooperation mit Schulen "unheimlich Spaß gemacht". Wichtig ist auch der Verein Geopark Schwäbische Alb, "mit dem wir aus dem Museum heraus gingen". Hegele erinnert sich, dass "nach dem ersten Geoparkfest im Steinbruch kein Schiefer mehr zu finden war". Hier will er sich auch weiterhin engagieren und den Geotourismus voranbringen. "Es sind Aktionen geplant vom Kindergeburtstag bis zu einer Sauerwasserradtour, von dreistündigen Angeboten bis zu Ganztagesveranstaltungen."

Weiter engagieren wird er sich auch im Naturkundeverein und beim Göppinger Apfelsaft. Und seit neuestem ist er Kursleiter bei der VHS - in einer komplett anderen Sparte: Dr. Hegele leitet eine Eutonie-Kurs. Und wenn er seinen Schreibtisch im Stadtarchiv endgültig geräumt hat, hofft er auf ruhige Stunden für die entspannte Lektüre. "Nach zahlreichen thematischen Büchern" freut sich Dr. Hegele "auf ganz viele Romane, die noch nicht gelesen sind" - und auch auf den einen oder anderen spannenden Krimi".

Info Dr. Anton Hegele wurde 1962 in Rammingen bei Langenau geboren. Er studierte in Stuttgart Geologie und Paläontologie, promovierte am Institut für Geophysik. 1986 wechselte er vom Landratsamt zur Stadt Göppingen. Hegele ist verheiratet und hat einen Sohn.

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