"Talking Drums" bieten ein Klang-Erlebnis der besonderen Art

Die Augen schließen und sich mitnehmen lassen in fremde Klangwelten: Am Freitag war das möglich. Über 50 Zuhörer waren total begeistert.

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Ein außergewöhnliches Konzert in einer außergewöhnlichen Atmosphäre erlebten die Besucher beim Auftritt der "Talking Drums".  Foto: 

Sie ließen Trommeln sprechen. Aber nicht nur. Die "Talking Drums" der Musikhochschule Stuttgart redeten mit dem "Marimbafon" und dem "Vibrafon", mit Bongos und Gongs, mit Cajon und Klangstäben. Am Ende sogar mit Sensen.

Die vier Studenten begeisterten mit einem experimentellen, fantasievollen und hochklassigen Percussion-Konzert am Freitagabend die über 50 Zuhörer, die sich zur Reihe "Kultur im Gewölbe" bei "Burr - Blumen leben" hatten einladen lassen. Der eindrucksvolle Gewölbekeller der früheren Weinhandlung Lang präsentierte sich nicht nur als Veranstaltungsort mit einem faszinierenden, rustikalen Ambiente, sondern vor allem als ein Ort mit hervorragender Akustik. Sich in dieser Umgebung auf ein Klang-Erlebnis der ungewöhnlichen Art einzulassen, fiel dem Publikum nicht schwer.

Wie auf einem fliegenden (Klang-)Teppich ließen sie sich mitnehmen in fremde musikalische Welten - voller unbekannter Rhythmen und Geräusche, erdiger Töne und mitreißender Beats. Die Musiker - Profis ihres Fachs - entfalteten gleich zu Beginn einen Zauber, als sie zu viert die zwei Marimbafons "bearbeiteten". Jeder hatte in jeder Hand gleich zwei Schlägel, mit denen sie die hölzernen Tonplatten über den metallenen Resonanzröhren anschlugen. Die Musik schwoll an und ab, toste und brauste, tröpfelte und nahm an Gewalt wieder zu. Und die Zuhörer befanden sich mittendrin.

Ähnlich emotional ging es weiter. Se Mi Hwang aus Südkorea, ihre deutsche Kollegin Jessica Porter, der erst 19-jährige Vollblut-Schlagzeuger Emil Kuyumcuyan aus Istanbul und Jürgen Spitschka, der moderierte - sie alle waren mit Leidenschaft dabei, Schlagzeugkompositionen moderner Komponisten in Rhythmus und Klang umzusetzen.

Verblüffend dabei war die Vielfalt, die reine Percussion-Musik ermöglicht. Mit sogenannten "Claves" (Holzklangstäben) und dem unterschiedlichen Einsatz der Rhythmus-Muster verwirrten sie die Sinne ihres Auditoriums ähnlich wie es ein Stroboskop in der Optik vermag.

Nach der Pause setzte das Ensemble über das Akustische hinaus einen optischen Glanzpunkt: Die Musiker ließen ihre weiß behandschuhten Hände im Schwarzlicht vor dunklem Hintergrund reiben, rascheln und klopfen, sodass es aussah, als tanzten Eisbären in arktischer Polarnacht.

Auf ein mitreißendes Percussion-Solo von Emil Kuyumcuyan reagierte das Publikum unisono mit "Boah", bevor der Beifall aufbrandete. Und beim fulminanten "Marimba Spiritual" zum Schluss des zweistündigen Programms steigerten sich die Musiker bis zum schweißtreibenden Körpereinsatz und schienen auf ihre Schlaginstrumente regelrecht einzuprügeln.

Doch was heißt hier Schluss? Der Riesenapplaus des begeisterten Publikums danach hörte erst auf, als die Truppe zu einer Zugabe - einer Premiere - überredet war: Dabei ließen sie nicht mehr die Trommeln sprechen, sondern die Sensen singen.

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