"Schöner Kitsch" im Naturkundemuseum

Das Sammeln ist tief im Menschen verankert. Das Naturkundemuseum zeigt ungewöhnliche Fossilien, Mineralien und Steinzeitartefakte privater Sammler. Zum Schluss der Serie stellen wir Anton Hegele vor.

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    Schneegestöber im Death Valley? Da wird in der Kugel doch eher einiges an Staub aufgewirbelt.
  • Zeigt seine neuen Errungenschaften an Schneekugeln: der Sammler Dr. Anton Hegele. Foto: Margit Haas 2/2
    Zeigt seine neuen Errungenschaften an Schneekugeln: der Sammler Dr. Anton Hegele. Foto: Margit Haas
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Die sehr private Sammlung, die Dr. Anton Hegele derzeit in Jebenhausen zeigt, passt so gar nicht zu den Artefakten der übrigen Sammler. Während Fossilien, Mineralien oder Gegenstände aus der Steinzeit Aufschluss über weit Zurückliegendes geben, belegt seine Schneekugelsammlung ein Phänomen, das unmittelbar mit dem modernen Massentourismus des 20. Jahrhunderts zusammenhängt. Die aktuelle Ausstellung, die er gemeinsam mit den Sammlern konzipiert hatte, mit denen er seit Jahren eng verbunden ist, war die letzte, die er als Leiter des Museums organisiert hatte. Und da war es ihm persönlich vor allem "um die Kulturgeschichte des Sammelns" gegangen. Und ist beeindruckt, dass das Sammeln von Schmuck in der Frühgeschichte der Menschheit "fast gleichzeitig mit der Kunst" entstanden war. "Ein Ich hatte sich also herausgebildet." Und offensichtlich ist der Mensch des 21. Jahrhunderts dem Sammeln von Schönem - aber was ist schon schön! - ebenso verfallen, wie es seine Vorfahren in der Steinzeit waren. Das erklärt auch, dass Hegele zu jeder seiner Schneekugeln, die aus der ganzen Welt stammen, eine Geschichte erzählen kann - auch wenn er sie nicht alle selbst zusammengetragen hat ("Ich habe den europäischen Kontinent nie verlassen"). Aber seine Freunde stöbern inzwischen bei ihren Reisen dem Schneegestöber nach, und so finden sich neben vielen Reisezielen in Europa auch Kugeln aus San Francisco oder Dubai. "Schön kitschig" seien sie, die rund 400 Kugeln, die Hegele sein Eigen nennt. Tatsächlich gibt es welche mit Beleuchtung, Uhrwerk und Kalender.

Dr. Hegele, der sich in seiner langen Berufstätigkeit mit vielen kulturgeschichtlichen Themen befasst hatte, hat sich auch intensiv mit seiner Passion auseinandergesetzt. "In den 50er Jahren bricht über unzerstörte Landschaften der Massentourismus herein" - und fast gleichzeitig mit ihm entsteht auch das Massenphänomen der Schneekugeln als beliebtes Mitbringsel für die, die nicht so glücklich waren, verreisen zu können. Die Isola Bella im Lago Maggiore war so ein frühes Urlaubsziel - oder der Königssee in Oberbayern. Die ersten Schneekugeln waren um 1900 in Wien entstanden bei der Firma Perzy. Die heutigen Kuppeln sind nicht mehr aus Glas, sondern aus Kunststoff. Deshalb verdunstet das Wasser auch. "Ich habe einen halben Tag auffüllen müssen, bevor ich die Sammlung hier zeigen konnte", stellt Anton Hegele lachend fest. Und zeigt seine neueste Errungenschaft: Von einer Frankreich-Reise hat er den Eiffelturm in wechselnder Beleuchtung mitgebracht. Der wird seinen Platz ebenso finden wie der Palio in Siena oder die Marienerscheinung von Lourdes.

Die Ausstellung "Ich sammle! Fossilien, Mineralien, Steinzeitartefakte" ist in der Alten Badherberge in Jebenhausen zu sehen, Telefon: (07161) 650-191. Öffnungszeiten: Mi. und Sa. 13-17 Uhr, So. und Feiertage 11-17 Uhr (bis 1. November).

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