"Riesigen Spaß am Singen"

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  • Er war die legendäre Stimme von Manfred Manns Earth Band, hatte Engagements bei Rockgrößen wie Mike Oldfield und landete als Songwriter und Interpret auch selbst große Hits. Mit Chris Thompson hat sich Hans Steinherr über Höhepunkte, Pannen und seine jazzige Beziehung zu Göppingen unterhalten. 1/3
    Er war die legendäre Stimme von Manfred Manns Earth Band, hatte Engagements bei Rockgrößen wie Mike Oldfield und landete als Songwriter und Interpret auch selbst große Hits. Mit Chris Thompson hat sich Hans Steinherr über Höhepunkte, Pannen und seine jazzige Beziehung zu Göppingen unterhalten.
  • Chris Thompson: "Manfred Manns Earth Band war keine große Band. Jeder dort war mehr ein Session-Musiker." Fotos: Hans Steinherr 2/3
    Chris Thompson: "Manfred Manns Earth Band war keine große Band. Jeder dort war mehr ein Session-Musiker." Fotos: Hans Steinherr
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Chris is on the road again. Seit über 40 Jahren. Ist es immer noch so spannend wie am Anfang, auf der Bühne zu stehen?

CHRIS THOMPSON: Lampenfieber hab ich keines mehr und nervös bin ich auch nicht mehr, wenn ich auf der Bühne stehe und mich bewege. Besonders nervös war ich eigentlich nie. Ich bin vielleicht dann nervös, wenn ich nicht weiß, was ich tun soll. Es ist vielmehr so, dass es mir nach wie vor riesigen Spaß macht auf der Bühne zu stehen und zu singen.

Sie waren und sind die unverwechselbare Stimme von Manfred Manns Earth Band. Ist das nun für Sie ein Segen oder mehr eine Belastung?

THOMPSON (lacht): Es war doch wohl mehr ein Segen als eine Belastung für meine Karriere. Und ein glücklicher Umstand dazu, dass ich damals bei Manfred Mann in der Band Sänger geworden bin.

Wie kam es denn dazu?

THOMPSON: Ich hab auf eine Anzeige von ihm in einem Musikmagazin geantwortet. Das war im . . . Uhhhhhh. Der Name fällt mir jetzt grade nicht mehr ein. Jedenfalls wurde für eine Band, die Aufnahmen machen und auf Tour gehen wollte, jemand gesucht. Der sollte Gitarre spielen und singen können.

Manfred Mann hatte eine Band aber noch keinen Sänger?

THOMPSON: Doch schon, aber der hatte aufgehört und ein neuer wurde gebraucht. Das war vor mir Mick Rogers. Mick hatte vier Jahre vorher - 1971 - die Band mit Manfred Mann auch gegründet. Aber dann entwickelte Mick andere Vorstellungen als die übrigen Bandmitglieder und so kam es zur Trennung.

Mit Unterbrechungen waren Sie über 20 Jahre in der Band. Waren die eigene Band ,Night und eine Solokarriere der Grund, die Earth Band zu verlassen?

THOMPSON: Es ist schwierig zu erklären, warum man aus einer Band aussteigt, obwohl es einem dort ja gefällt. Aber ich konnte einfach nicht drei Jahre lang warten, bis wir wieder einmal so weit waren, um eine neue Platte aufzunehmen. Ich hab angefangen eigene Projekte zu machen. Normalerweise verlässt man nicht einfach so eine Band. Aber Manfred hat sich für etwas Neues immer viel, viel Zeit gelassen. Zwei Jahre lang - von 1979 bis 1981 - war ich dann weg. Dann aber hat mich Manfred wieder angerufen. Er hatte neue Songs, wollte eine neue Platte machen und wollte, dass ich singe. Also bin ich wieder zur Earth Band zurückgekehrt. Ich hab dann bis 1999 weitergemacht und trotzdem nebenher meine eigenen Sachen durchgezogen.

In einer eigenen Band entscheidet man selber. Wie war das in der Earth Band? Hatten Sie Einfluss auf die Entwicklung des Musikstils?

THOMPSON: Es ist nicht so, dass man in einer eigenen Band einfach etwas vorgibt und das wird dann gemacht. Man macht das gemeinsam, man hat Ideen, diskutiert und entscheidet gemeinsam über Ziele, die Musik, die Arrangements. Bei Manfred war das eine demokratische Diktatur. Ja, man kann es so sagen. Wir diskutierten gemeinsam über unsere Projekte und am Ende wurde das gemacht, was Manfred sagte. Aber ich denke, dass ich doch auch Einfluss gehabt habe.

Was ist reizvoller: Bandmitglied zu sein oder Solist?

THOMPSON: Am 3. Januar 1999 habe ich die Earth Band endgültig verlassen. Da hatten wir unseren letzten gemeinsamen Gig. Das war in einer tollen Halle in München. Das hab ich nicht vergessen. Was ist reizvoller? Das was ich jetzt mache. Absolut. Zu 100 Prozent. Jetzt trete ich mit fantastischen Musikern auf. Manfred Manns Earth Band war keine große Band. Jeder dort war mehr ein Session-Musiker.

Sie geben oft Konzerte in Deutschland. Hat das einen besonderen Grund?

THOMPSON: Ich kann nur sagen: Ja, Gott sei Dank ist es so. Die Fans hier haben mich immer unterstützt, meine ganze Karriere hindurch. Das ist schon etwas besonders hier. Ich komme immer wieder gerne nach Deutschland.

In ihrer Karriere gibt es bestimmt Auftritte, die unvergesslich bleiben.

THOMPSON: Ja und zwar eine ganze Menge. Aber aus unterschiedlichen Gründen. Ich erinnere mich an einen Gig in Philadelphia mit Edgar Winter 1973, 1974. Als die Band anfing zu spielen und ich singen sollte, brachte ich keinen Ton heraus. Die Band spielte einfach weiter. Das war so eine Geschichte. Mit den Doobie Brothers bin ich öfters aufgetreten. Einmal spielten wir vor 250 000 Leuten auf dem ,Mississippi River Festival. Das war einfach fantastisch. Und ich erinnere mich auch an einen Auftritt mit Manfred Manns Earth Band auf dem Loreley-Festival. Da war ich so was von erstaunt. Ich habe ,For You gesungen und hatte ganz die Augen geschlossen. Als ich sie öffnete waren da 40 000 Menschen, die ihre Feuerzeuge in die Höhe gehalten haben und sie hin und her schwenkten. So etwas hatte ich vorher noch nie erlebt gehabt. Das war ein wirklich besonderes Konzert.

Und jetzt sind Sie in Göppingen. Aber Sie treten gar nicht auf. Waren Sie schon mal hier in Göppingen?

THOMPSON: Aber ja, schon ein paar Mal. Ich glaube drei Mal. Mit dem Gitarristen und Produzenten Siggi Schwarz war ich hier. Jetzt bin ich da, weil ich nach einer Band Ausschau halte und von Alexander Eissele und der Lumberjack-Bigband gehört habe. Wir planen eine gemeinsame Sache Ende November, um da eine neue CD, die ich gemacht habe, vorzustellen. Im nächsten Jahr will ich dann einige Konzerte geben. Ich bin hier, um mit Alexander und der Bigband zu proben. Was wir bisher gemacht haben, war wirklich fantastisch. Die Jungs gehen mit, die sind voll dabei. Alle hier. Der Plan war, dass wir uns kennenlernen und ausprobieren, ob wir zusammen passen. Wie gesagt Ende November solls losgehen und ich hoffe, es kommen noch weitere Termine hinzu.

Die schnelllebige Musikszene verändert sich ständig. Was ist heute anders als früher?

THOMPSON: Das ist nicht so leicht erklärbar. Wirklich. Man kann ja von einem Musikgeschäft reden. Live-Konzerte sind dabei immer wichtig, die sind immer eine große Sache. Früher gab es Plattenfirmen, die haben an die Künstler geglaubt. Wenn eine Platte, ein Album erfolgreich war, haben sie mit dir ein weiteres gemacht und dann auch ein drittes. Die haben dich generell unterstützt. Bei Manfred Manns Earth Band war das so. In den 1970er Jahren wurden wir von Warner Brothers promotet. In Amerika war ,Blinded by the Light nicht auf Anhieb erfolgreich. Dann haben wir in einer Woche 50 Radiostationen besucht, waren auf einmal überall im Gespräch und dann auch erfolgreich. Die Plattenfirmen haben an uns geglaubt. Das gibt es heute so nicht mehr.

Wie schafft man es denn 40 Jahre lang, bei Stimme zu bleiben? Wie geht Chris Thompson mit seiner Stimme um?

THOMPSON: Ich trainiere sie, ich benutze sie, ich singe viel - und ich halte sie fit.

Aber wie hält man sie fit? Durch Sport? Tennis vielleicht? Den Hit ,The Challenge haben Sie ja für Wimbledon komponiert.

THOMPSON: Aaaah. Harald Faltermeyer sollte für das deutsche Fernsehen eine Erkennungsmelodie produzieren. Ich weiß nicht warum, aber er hat mich angerufen und gefragt, ob ich einen Song schreiben könnte. Das hab ich dann gemacht. Ich glaube das war in dem Jahr, als Boris Becker und Steffi Graf beide in Wimbledon gewonnen haben. Aber Tennis spiele ich nicht. Ich laufe lieber und spiele auch Fußball.

Ist Ihnen heute Singen wichtiger als Texten und Komponieren?

THOMPSON: Singen ist mir das Wichtigste und war es auch immer schon. Komponieren ist auch gut und schön. Aber ich bin und war in der Hauptsache Sänger. Mit jungen Leuten Musik zu machen, aufzutreten, zu singen ist einfach fantastisch.

Mit Singen, sagt man, haben Sie im Kirchenchor angefangen?

THOMPSON: Mein Vater steckte mich in einen Kirchenchor. Aber angefangen mit dem Singen hat es bei mir in der Sonntagsschule. Kirchenlieder hab ich gemocht und gern gesungen.

Sie haben mit vielen, international bekannten Künstlern und Musikern gearbeitet. Die Liste ist lang.

CHRIS THOMPSON: Mit Elton John hab ich viel zusammen gemacht, insgesamt vier Live-Shows. Mit Alan Parson, Tina Turner, Mike Oldfield, Joe Cocker, den Doobie Brothers, Jan Hammer. Ja es waren viele und es war immer aufregend.

Den Welthit ,You"re The Voice haben Sie für John Farnham geschrieben. Wie läuft so etwas ab?

THOMPSON: Professionelle Songschreiber schreiben meinetwegen von 12 bis nachmittags für irgendeinen Auftraggeber. Am Abend dann sitzt man zusammen und redet darüber - und am nächsten Tag macht man weiter. Und dann kommt jemand anders und dann läuft es genauso. Bis man hat, was man braucht. Selten, dass man jemanden ein Lied auf den Leib schreibt. Bei Chris Norman war das anders. Der wollte etwas Spezielles und hat es dann bekommen. Normalerweise ist es so, dass jemand einfach einen Song braucht, der für einen Mann oder eine Frau bestimmt ist. So läuft das als professioneller Songschreiber.

Wie sieht dann ihre Zukunft aus? Welche Ziele, welche Projekte stehen an?

THOMPSON: Wie gesagt, ich arbeite an einem Musical. Das ist sehr schwierig, weil ich das noch nie gemacht habe. Ich bin da hart am Arbeiten. Ich werde sicher auch wieder ein Album machen. Jetzt habe ich ja zum ersten Mal eine CD mit Jazz und Swing-Liedern gemacht. Etwas ganz Neues. Das steht ganz vorne an und ich bin ja auch deswegen nach Göppingen gekommen. Mit den neuen Jazz-Songs will ich ja dann auf Tournee gehen. Für mich ist es ein absolutes Abenteuer, musikalisch etwas ganz anderes als bisher zu machen.

Man soll ja nie "Nie" sagen. Kehrt Chris Thompson vielleicht doch irgendwann wieder zur Earth Band zurück?

THOMPSON: Nein. Vielleicht dass ich wieder mal mit Manfred zusammenarbeite wie schon in ,The Night of the Proms. Aber nicht in der Band. Ich kann auch gar nicht zurück. Er hat ja einen Sänger und ich möchte niemandem seinen Job wegnehmen.

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