"Menschen richtig lesen"

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  • Der Fensehsender Pro 7 nennt ihn "The next Uri Geller", obwohl er mit dem nichts am (Zauber-)Hut hat. Alexander Hartmann ist einer der talentiertesten und erfolgreichsten Magier, Gedankenleser und Mentalisten Europas. Hans Steinherr unterhielt sich mit ihm über Zauberei, Psychologie und Hypnose. 1/3
    Der Fensehsender Pro 7 nennt ihn "The next Uri Geller", obwohl er mit dem nichts am (Zauber-)Hut hat. Alexander Hartmann ist einer der talentiertesten und erfolgreichsten Magier, Gedankenleser und Mentalisten Europas. Hans Steinherr unterhielt sich mit ihm über Zauberei, Psychologie und Hypnose.
  • Alexander Hartmann: "Von Weltuntergängen lasse ich meine Finger weg. Das können andere ganz gut - und lagen doch falsch." Fotos: Hans Steinherr 2/3
    Alexander Hartmann: "Von Weltuntergängen lasse ich meine Finger weg. Das können andere ganz gut - und lagen doch falsch." Fotos: Hans Steinherr
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Herr Hartmann, das wird für Sie jetzt wohl ein langweiliges Interview werden. Als Gedankenleser kennen Sie ja alle Fragen bestimmt schon im Voraus?

ALEXANDER HARTMANN (lacht): Das ist korrekt. Ich hab auch schon die Antworten parat. Aber ganz im Ernst. Ich werde natürlich häufig gefragt, ob das mit dem Gedankenlesen ein Trick ist oder eine übersinnliche Fähigkeit. Es ist keines von beidem. Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht, auch nicht -wie Uri Geller - von Aliens entführt worden und kann deshalb auch nicht in Köpfe wie in Bücher gucken. Es ist eine Mischung aus Wahrnehmungslenkung, Intuition, Psychologie und einem Gefühl für den Moment.

Dann kommt es auf eine gute Beobachtungsgabe und Menschenkenntnis an?

HARTMANN: Es kommt darauf an, Menschen richtig einzuschätzen, Menschen zu lesen, beim Beobachten sehr schnell auf viele Dinge achten zu können. Welche Kleidung trägt der Mensch? Was hat er für Accessoires an sich? Wie ist sein Sprachlevel? Wie reagiert wer auf mich? Wann lächelt er, wann eher nicht? Was sagen seine Augen? Das hat nichts mit Übersinnlichem zu tun und verrät doch sehr viel. Ich hab mich spezialisiert, darauf zu achten.

Sie bezeichnen sich als Mentalist und Magier. Ist das denn ein Beruf, den man erlernen kann?

HARTMANN: Eine Ausbildung in dem Sinne wie eine Berufsausbildung allgemein erfolgt, gibt es nicht. Kein Studium. Leider. Man lernt sein Handwerk wie die meisten Künstler auf dem ein oder anderen Weg und meist autodidaktisch oder über einzelne Personen, mit denen man sich austauscht. Dann fängt man irgendwann an, seine eigenen Ideen zu entwickeln, neue Sachen zu erfinden.

Sie waren also kein Klassenkamerad von Harry Potter?

HARTMANN (überlegt mit ernster Miene): Nein. . . Ich war auf einer sehr irdischen Schule und alles war zuerst nur Hobby. Ich hab mich autodidaktisch über Bücher reingearbeitet und kam dann zum magischen Zirkel in Stuttgart. Das ist eine Vereinigung von professionellen Künstlern und ambitionierten Amateuren. Die Harry-Potter-Bücher habe ich nicht einmal gelesen.

Brauchen Sie ein gutes Gedächtnis?

HARTMANN: Ich glaube, dass ich ein ganz gutes Gedächtnis habe und damit umzugehen weiß. Das Gedächtnis, mit dem ich geboren bin, ist vielleicht nicht besser als das von anderen, aber ich weiß, wie ich mir Dinge merken muss und wie ich wieder darauf zugreifen kann.

Wenn man das dann beherrscht, kann man dann auf ein Notizbuch verzichten?

HARTMANN: Teilweise schon. Als Kreativer, wenn ich zum Beispiel eine neue Show entwickle, sammle ich erst mal jede Menge Ideen. Da schreibe ich dann aber stapelweise Notizbücher voll.

Magier, Zauberer, Mentalist. Was unterscheidet denn den einen vom anderen?

HARTMANN: Zauberkunst! Man lässt Dinge und Gegenstände erscheinen und verschwinden. Man weiß, es ist interessant und faszinierend, aber es ist ein Trick dabei. Beim Mentalismus - so ist jedenfalls meine Auffassung - dreht es sich darum zu zeigen, was mit dem Gehirn alles möglich ist. Beim Mentalismus geht es immer um das Gehirn. Das ist schon mal der Hauptunterschied. Eine Münze kann man im Ärmel verschwinden lassen, einen Gedanken nicht. Jeder weiß, die Münze ist eigentlich noch da. Deswegen entstehen im Mentalismus auch viel echtere Momente. Ich arbeite ja auch mit Hypnose, wo ich genau weiß, da passiert exakt das, von dem ich vorher behauptet habe, dass es passieren wird. Da wirke ich mit meiner Sprache, mit meiner Präsenz und in dem, wie ich den anderen beeinflusse. Für mich ist das sehr pur, weil es keine Requisiten gibt und dabei etwas Reales passiert. Es gab da so ein Schlüsselerlebnis, wie ich zum Mentalismus gekommen bin. . .

. . .Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen. Sie können tatsächlich gut Gedanken lesen. . .

HARTMANN (lacht herzhaft): Im Freundeskreis galt ich schon als der Magier. Dann kam ein neues Mädchen in unsere Clique, und ich sollte ihr was vorzaubern. Ich hab ihr irgendein Kartenkunststück gezeigt. Während die andern ausgeflippt sind, sagte sie nur: Ja das ist nett. Aber kannst du auch meine Gedanken lesen? Ich log relativ dreist und sagte: Ja klar. Da saß ich dann in der Tinte und musste mich irgendwie wieder herausmanövrieren. Ich versucht ganz intuitiv, ihr Dinge über sich zu sagen, die ich eigentlich nicht wissen konnte. Dinge, die ich schlussgefolgert habe auf das hin, was ich an ihr sah. Körpersprache, Lächeln, Kleidung. Ich hatte tatsächlich sehr viele interessante Treffer. Ich hab ihr zum Beispiel gesagt, dass ihre Eltern Mediziner sind. Sie lächelte mich mit einem strahlenden Gebiss an und wollte wissen, was für Mediziner? Und ich sagte: Zahnärzte. Und dann war Feierabend bei ihr, weil das ein Volltreffer war.

Sie wählen in ihren Shows nach dem Zufallsprinzip Menschen aus, lassen diese eine vierstellige Zahl an die Wand pinseln und überraschen ihr Publikum damit, dass Sie vorher schon gewusst haben, wer welche Zahl aufschreiben wird. Wie geht das denn?

HARTMANN: Mit einer gute Prise Einen-Schritt-weiter-sein. Natürlich kann ich mein Geheimnis nicht verraten. Es gibt zwei Wege, in die Zukunft zu schauen. Entweder man schaut dort hinein, weiß was passiert und lässt es kommen, oder man sorgt dafür, dass die Zukunft, die man haben will, auch eintritt. Eine Mixtur aus beiden ist häufig der Fall. Das hält eine Nummer in Spannung. Denn es muss ja klappen. Ich hab da meine Hand im Spiel, Menschen zu beeinflussen. . .

Klappt diese Wahrsagerei bei Ihnen auch mit Lottozahlen und Weltuntergängen?

HARTMANN: Von Weltuntergängen lasse ich meine Finger weg. Das können andere ganz gut. . . und lagen doch falsch. Lottozahlen!. . . Ich arbeite ganz gerne mit Menschen. Menschen kann man einschätzen und Menschen kann man beeinflussen. Bei einer Maschine, die mit Kugeln hantiert, kann ich das nicht.

Ihre magischen Nummern entwickeln Sie selbst? Oder gibt es da um Sie herum einen Stab aus Denkern und Technikern?

HARTMANN: Einen Stab von Denkern. Ich arbeite sehr intensiv mit mehreren Regisseuren zusammen. Einer davon heißt Stefan Kraft und arbeitet am Theater in Sankt Gallen. Einer meiner großen Mentoren ist ein Schauspieler namens Reinhold Florian aus München. Und dann ist da auch noch Bob Fitch aus den USA, der schon mit David Copperfield und Chriss Angel zusammen gearbeitet hat. Die Inhalte und Techniken meiner Nummern entwickle ich zum größten Teil selber. Wenn man nun eine abendfüllende Show auf die Beine stellt, ist das ja vielmehr als eine Aneinanderreihung von Unmöglichkeiten. Für mich gilt der Anspruch, dass eine Show den Charakter eines Theaterstücks haben soll. Dass es rund sein soll, dass es einen übergreifenden Bogen gibt, dass eine Geschichte erzählt wird. Jede Licht-, jede Toneinstellung hat zu stimmen. Da muss auch die Gesamtchoreografie und Dramaturgie dazu passen.

Pro7 hat Sie mit The next Uri Geller quasi über Nacht richtig berühmt gemacht. Ist Uri Geller ihr Vorbild?

HARTMANN: Ich hab ihn bei den TV-Produktionen kennengelernt. Ein Vorbild ist er auf keinen Fall. Uri Geller ist in erster Linie ein professioneller Scharlatan und dafür respektiere ich ihn. Das zieht er sehr souverän durch. Ich finde das zwar nicht gut, aber erstaunlich. Uri Geller ist ein Zauberkünstler, der behauptet, übersinnliche Fähigkeiten von Aliens erhalten zu haben, nur weil er mit den Fingern einen Löffel krumm biegt. Das finde ich schwierig. Andere nennen das Volksverdummung und Betrug. Ich bin da moderater mit meiner Meinung. Als Entertainer ist er für mich auch deswegen kein Vorbild, weil er seit 60 Jahren das Gleiche macht. Er verbiegt immer nur den Löffel. Mehr macht er eigentlich nicht.

Sie sind da auch noch ausgebildeter Hypnosetherapeut.

HARTMANN: Ja, für mich ist wichtig immer weiter zu wachsen. Ich hab auch eine Schauspielausbildung gemacht. Keine vollständige an einer Schauspielschule, sondern ich hab mir inhaltlich verschiedene Module gezogen. Sprache, Körper, Rollenarbeit, Improvisation, Gesangsunterricht. Auf der Bühne ist mein Körper mein Instrument. Damit muss ich mit umgehen können. Ich spiele ja eigentlich jeden Abend die Rolle des Zauberkünstlers - und die möglichst authentisch. Und weil ich gesagt habe, ich möchte so nah wie möglich ans echte Phänomen heran, hab ich mich auch mit Hypnose beschäftigt. Da spiel ich ohne Tricks mit dem Gehirn meiner Mitmenschen. Da gibt es außer mir vielleicht nur noch einen in Deutschland, der es auch auf einem Niveau wie ich es tue, macht. Es gibt Momente, wo ich Hypnose ganz offiziell auf der Bühne verwende. Wo ich jemandem zeigen will, wie stark sein Unterbewusstsein ist, zufällig einen Zuschauer aus dem Publikum auswähle und dann mit ihm gewisse Phänomene erkunde. Ich lege ihm die Hand auf den Tisch - und er kann sie nicht mehr anheben. Auch nicht für 500 Euro, die ich ihm anbiete. Oder ich lasse ihn seinen Vornamen vergessen. In meiner Show geht es eigentlich immer nur darum, wie macht das Gehirn Realität, wie nimmt es die Umwelt wahr und wie wird sie verarbeitet.

Ist Hypnose gefährlich?

HARTMANN: Der Zustand selbst ist überhaupt nicht gefährlich. Weil es meiner Meinung nach kein veränderter Zustand ist. Man befindet sich nicht in einem Zustand, in dem man nichts mehr mitbekommt, etwa wie unter Schmerzmitten. Hypnose ist ein relativ normaler Zustand, wie so kurz vor dem Einschlafen, zwar noch wach aber wo das Gehirn schon ein wenig wegdriftet. Ähnlich wie Schlaf. Aber Hypnose ist kein Schlaf. Es ist noch nie jemand auf Hypnose hängen geblieben. Wichtig ist auch zu verstehen, dass Hypnose mit einer Verantwortung kommt. In dem Moment wo sich jemand in meine Hände begibt, die Augen schließt, bin ich mir bewusst, er ist in meiner Verantwortung. Ich habe darauf zu achten, dass ihm geistig und körperlich wohl ist. Das bedeutet, dass ich keinen Unfug mit ihm mache. Hypnose ist wie ein Werkzeug, mit dem man Gutes tun kann. Mit einem Hammer kann man Nägel in die Wand hauen, aber auch jemandem den Schädel einschlagen.

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