"Menschen dritter Klasse"

Die Schwäbisch Gmünder Verwaltung ist sauer wegen der Lkw-Fahrverbote im Schurwald. Doch statt weiterer Schilder setzt sie auf ein Gipfeltreffen.

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Es ist eine Kettenreaktion. Nachdem das Regierungspräsidium (RP) angekündigt hatte, die Schurwaldquerungen östlich von Stuttgart - teilweise nur nachts - für den Schwerlastverkehr zu sperren, regt sich Widerstand in Schwäbisch Gmünd. Göppingens Nachbarstadt im Remstal befürchtet nun, dass der Mautausweichverkehr vermehrt über ihre Markung fährt - via Hohenstaufen, Rechberg oder Degenfeld. Nun spricht auch der Bürgermeister von Bartholomä, Thomas Kuhn, von einem "Skandal". Er möchte keine zusätzlichen Lkw im Ort haben, wenn die Weißensteiner Steige wieder offen ist.

Doch im Rathaus von Schwäbisch Gmünd gibt es ganz andere Pläne, als nun noch mehr Straßen zu sperren. "Die Frage ist doch, wann es irgendwo unsinnig wird, das kann kein Konzept sein, wie man den Verkehr lenkt", sagt der Gmünder Bürgermeister Joachim Bläse. Zuerst einmal sollen sich alle Betroffenen an einen Tisch setzen. Bläse kündigte gestern an, dass es am kommenden Donnerstag ein Gipfeltreffen im Gmünder Rathaus geben wird. Eingeladen seien bislang Göppingen, Donzdorf, Lauterstein und Waldstetten mit dem Teilort Wißgoldingen, auch Bartholomä solle vielleicht noch dazustoßen. Gestern ließ die Gmünder Verwaltung in Süßen eine Protestnote von Oberbürgermeister Richard Arnold an Regierungspräsident Johannes Schmalzl übergeben, unterzeichnet mit den Worten: "Mit freundlichen Grüßen aus den unendlichen Weiten außerhalb Stuttgarts." Damit spielt das Stadtoberhaupt auf das Verkehrslenkungskonzept des RP an, das an den Grenzen der Region Stuttgart endet. Bläse erläutert, dass Regierungspräsident Schmalzl dafür als Begründung sinngemäß angeführt habe, im Ostalbkreis fahre eh niemand und die Straßen seien ohnehin so schlecht. "Denken die, wir fahren hier alle mit dem Traktor rum?", empört sich der Bürgermeister. Er sieht die Stuttgarter - die die Stadt für Lkw gesperrt haben - als Menschen erster Klasse und die Bewohner der betroffenen Städte und Gemeinden in der Region als Menschen zweiter Klasse. "Offensichtlich sind wir Menschen dritter Klasse", folgert Bläse. "So fühlt man sich." Zumal Schwäbisch Gmünd nicht einmal über die Straßensperrungen informiert worden sei.

Doch Gmünd will nun konstruktiv weiterarbeiten. "Wir wollen jetzt erst einmal keine Forderungen stellen, sondern Gespräche führen", unterstreicht Bläse. So soll geklärt werden, was das Land wolle - und wozu es Straßenkategorien gibt. Schließlich sei die bald nachts für Lkw gesperrte B 297 eine Bundesstraße für den überörtlichen Verkehr. All dies soll auch auf dem Treffen am Donnerstag erörtert werden.

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