"Mechatronik-City"- klein, aber fein

Der Standort Göppingen der Hochschule Esslingen ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen und zählt zu den besten bundesweit: Rund 1200 Studierende gibt es in der Hohenstaufenstadt mittlerweile.

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Das flexible Fertigungssystem an der Hochschule kann all das, was eine großen Produktionsstraße in einer Industrieanlage auch kann.

Das Surren der Roboter ist kaum zu hören. Dennoch arbeitet der wuchtige Arm der Maschine mit Höchstgeschwindigkeit - und präzise. Die flexible Fertigungsanlage, in der dieser Roboter eingebaut ist, kann all das, was eine große Produktionsstraße in einer Industriehalle auch kann. Nur ist sie viel kleiner. Es ist in originalgetreues Modell, an dem die Studierenden der Hochschule in Göppingen das lernen, was sie später im Beruf als Ingenieur brauchen.

Das ist nicht immer ganz einfach - die Herausforderung "Studium" ist durchaus groß: "Es ist eine anspruchsvolle Lehre bei uns, aber unabhängige Studien zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", erklärt Professor Rainer Würslin, Dekan der Fakultät Mechatronik und Elektrotechnik der Hochschule Esslingen in Göppingen. Gefordert werden die Studierenden zwar, aber eben auch gefördert. So gebe es viel Unterstützung für all jene, die engagiert dabei seien und das Ziel haben, ihren Abschluss zu schaffen. Anlagen und Geräte in den Laboren der Hochschule seien zudem so konzipiert, dass sie der täglichen Realität in Industriebetrieben gleichen. Denn nur so, erklärt Würslin, sei eine praxisnahe Ausbildung der Studierenden möglich.

Wie eng die Hochschule mit der Industrie zusammenarbeitet, zeigen nicht nur die Geräte, die teilweise auch von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, sondern auch individuell gestaltete duale Studienmodelle. Der Vorteil für die angehenden Ingenieure: Sie sind bei einem Unternehmen angestellt, erhalten eine Ausbildungsvergütung und sind so finanziell unabhängig. Das jüngste Modell nennt sich "MechatronikCom". Hier sind jene Programme zusammengefasst, mit denen Unternehmen sowohl eigene Mitarbeiter als auch Abiturienten zu Ingenieuren ausbilden. Eine der bekanntesten sind das "SpeedUp Bachelorprogramm" von BMW oder "Ing@Siemens". "Dass BMW aus München hier zu uns nach Göppingen kommt, um Ingenieure ein Studium absolvieren zu lassen unterstreicht eindrucksvoll, welchen Ruf unsere Fakultät hat", betont Würslin. Zudem beweise der Autohersteller Weitblick, denn in Göppingen sollen vor allem Mitarbeiter im Bereich der Elektrotechnik ausgebildet werden - die Elektromobilität fest im Blick.

Überhaupt haben sich die Studieninhalte etwas verändert, berichtet Rainer Würslin. Ein wichtiger Schwerpunkt, der in den vergangenen Jahren ausgebaut wurde, sind regenerative Energien. In zahlreichen Projekten stehen diese im Fokus. So zum Beispiel bei der Entwicklung einer so genannten "Redox-Flow-Zelle", mit der Energie gespeichert werden kann - bislang ein großes Hindernis, zum Beispiel bei der Windkraft. Doch nicht nur die Speicherung der Energie ist für die angehenden Ingenieure wichtig. Solarmodule, Windkraftanlagen und Co. gehören längst zum Alltag in den Projektgruppen, die regelmäßig an Studien arbeiten und Ideen entwickeln. In einem anderen Bereich waren dies unter anderem der Prototyp einer Krawattenbinde-Maschine oder auch ein Serviettenfaltautomat, der es über ein Forschungsprojekt jüngst bis zur Serienreife gebracht hat. Einer der ersten dieser Serviettenfaltroboter steht mittlerweile in Europas größtem Konferenzhotel "Estrel" in Berlin, wo er täglich Tausende Servietten für die vielen Veranstaltungen faltet - in den verschiedensten Formen.

Als "Hightech-Schmiede in der Provinz", hat ein TV-Journalist die Fakultät in der Hohenstaufenstadt einmal in einem Fernseh-Beitrag liebevoll bezeichnet. Rund 1200 Studierende gibt es mittlerweile in Göppingen, die an den beiden Fakultäten Mechatronik und Elektrotechnik sowie Wirtschaftsingenieurwesen in den Vorlesungen sitzen und in den Laboren arbeiten. Eine klassische Studentenstadt wird aus der Hohenstaufenstadt daraus sicher dennoch nicht - aber es sei doch beachtlich, weiß auch Professor Thomas Rodach, Dekan der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen, dass die jungen Leute aus dem ganzen Bundesgebiet dennoch an einen kleinen Standort nach Göppingen kommen - das spreche für sich", weiß Rodach und fügt zusammenfassend selbstbewusst hinzu: "klein, aber fein."

Info Für das Sommersemester kann man sich bis zum 15. Januar online bewerben: www.hs-esslingen.de.

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