"Kinder sind doch das Wichtigste"

Flexible Arbeitszeiten, Hilfe bei der Kinderbetreuung und mehr: Im Apothekenverbund Wälde wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie groß geschrieben. Dafür erhielt die Familie den Preis "Fit für Familie".

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"Eigentlich wollte meine Mutter heute auch gerne dabei sein", sagt Philipp Wälde und geht am Tresen vorbei nach hinten. "Aber eine Kollegin in der RechbergApotheke ist wegen Schwangerschaftsübelkeit ausgefallen, da steht meine Mutter jetzt im Laden."

In einem kleinen Büroraum nimmt der 28-Jährige auf einem Drehstuhl Platz. Ausfälle wegen Schwangerschaft, Kolleginnen, die schnell ihr gestürztes Kind aus dem Kindergarten abholen müssen, oder Mütter, die in Teilzeit nur zehn Stunden die Woche arbeiten: Für den Apothekenverbund Wälde offenbar kein Problem. Dieses familienfreundliche Verhalten wurde Anfang November mit dem Preis "Fit für Familie" gewürdigt.

Der Preis war Wasser auf Wäldes Mühlen. "In Kanada und den USA ist man in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf viel weiter als hierzulande", erzählt der junge Mann enthusiastisch. Schon oft sei er durch den Kontinent gereist. "Bereits vor zehn Jahren habe ich bei einer Fabrikführung in Kanada einen Betriebskindergarten besichtigt."

In Deutschland seien solche Einrichtungen gerade im Kommen. Die Betreiber in Kanada hätten nur positive Effekte berichten können. "Die Produktivität stieg, weil die Mitarbeiter ihre Kinder gut versorgt wussten." Zudem war die Betreuung auf ihre Arbeitszeit zugeschnitten. Außerdem hätten sich die Kinder und Familien mit der Firma identifiziert. Nicht zuletzt habe die Einrichtung den Eltern und ihren Sprösslingen das gemeinsame Mittagessen ermöglicht.

Von einem eigenen Kindergarten des Wälde-Verbunds träume der Junior auch. Doch eine Realisierung sei schwierig. "Wir haben nur rund 45 Mitarbeiter, das ist einfach zu wenig für ein solches Projekt." Außerdem verteilen sich die Apotheker sowie die pharmazeutisch-technischen und -kaufmännischen Assistenten auf sieben Standorte. Philipp Wälde ist Inhaber der quadro-Apotheke in Bartenbach. Dr. Beate Zeeb-Wälde, Philipps Mutter, leitet die Hirsch-Apotheke in Göppingen sowie die Rechberg-Apotheke in Straßdorf. Vater Helmut, der die Expansion des Verbundes organisierte, ist für die Adler-Apotheke am Göppinger Schillerplatz zuständig. Zu dieser gehören weitere Filialen im Göppinger Westen sowie in Holzheim und Salach. "Wo sollte eine zentrale Kita platziert werden?", fragt Wälde. Er halte es auch für selbstverständlich, dass die Göppinger Familie bei der Unterbringung der Kinder hilft. "Wir versuchen Kita-Plätze oder Kontingente bei einer Tagesmutter zu finden."

Eine Mitarbeiterin berate neben der Buchhaltung die angestellten Eltern zum Thema Betreuungsangebote. Muss eine Mutter um 12 Uhr den Sprössling aus der Betreuung holen, springe bis zum Ende der Öffnungszeit um 12.30 Uhr jemand anders ein. "Dafür übernimmt die Mutter dann den Samstagsdienst."

Das System basiere auf Geben und Nehmen. Wenn möglich, hätten Eltern von Schulkindern auch bei der Urlaubszeit Vorrang. "Wir versuchen das so zu organisieren, dass sie in den Ferien frei bekommen." Dass sich die Mitarbeiter samt Partner und Kinder untereinander kennen, sei für die Vereinbarungen nur förderlich. Dafür veranstalten Wäldes Betriebsfeste und Wanderungen. "Die Kinder kommen natürlich auch öfters in den Apotheken vorbei."

Damit habe Philipp Wälde das geringste Problem. "Ich bin selbst in der Apotheke groß geworden." Die Mutter nahm ihn von klein auf mit in den Laden. Seine Wiege stand dann im Nachtdienstzimmer. Abends begleitete der Junge die Eltern beim Ausliefern von Medikamenten. "Und in der Reusch-Apotheke habe ich meine ersten Schritte gemacht."

Bis heute sei es für den 28-Jährigen normal, dass auch abends am Esstisch noch über das Geschäft geredet wird. "Wir arbeiten nicht nur dort, wir leben Apotheke", sagt er. Passenderweise ist Philipps Frau Fanny ebenfalls vom Fach. "Wir haben uns beim gemeinsamen Studium in Halle kennengelernt", erzählt der 28-Jährige.

Die Brandenburgerin zog für ihn nach Göppingen und erledigt nun mit ihrem Schwiegervater die Personalplanung im Hintergrund. Nachwuchs hat das junge Paar noch nicht. Doch bereits jetzt betont Wälde Junior: "Kinder sind doch das Wichtigste."

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