"Ich höre wirklich alles"

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Herr Borg, eigentlich heißen Sie Adolf Andreas Meyer. Wie kamen Sie zu dem Namen Andy Borg?

ANDY BORG: Mein erster Produzent Kurt Feltz sagte Adolf Andreas Meyer ist nicht so gut für die Bühne, wo ich ihm Recht gebe. Dann haben wir lange rum gesucht. Meine Mutter heißt Ingeborg und so sagte Feltz, genau das Borg nehmen wir. Genau so wars: Von der Ingeborg haben wir das Borg geklaut und mein zweiter Name ist Andreas, da haben wir das Andy davon genommen.

Wenn Sie ein Dokument unterschreiben müssen, steht dann da Borg oder Meyer drauf?

BORG: Die privaten Dokumente unterschreibe ich mit Meyer.

Andy Borg hat als Sänger angefangen und kam dann über den SWR zur Moderation. Was ist Andy Borg lieber, Sänger oder Moderator?

BORG: Sänger. Man darf mir alles wegnehmen, nur meine Singerei nicht.

Andy Borg ist mit Birgit verheiratet, die zugleich auch Ihre Managerin ist. Wie verträgt sich eine solche Zusammenarbeit auf engstem Raum?

BORG: In meinem Fall sehr, sehr gut. Die Birgit war zuerst zehn bis 15 Jahre mit auf Tour. Sie weiß zum Beispiel wie weit Hamburg und Passau auseinander liegen. Es sollte schon ein gewisses Grundwissen vorhanden sein. Man sollte nicht nur geschäftlich gut drauf sein, sondern auch wissen, was man macht. Die Birgitt weiß besser wie kein anderer Mensch, was mir ein Auftritt bedeutet. Sie weiß, wenn ich ankomme, dass ich ausgeruht sein möchte. Ich bin damit sehr zufrieden.

Wer hat das Sagen?

BORG: Wir entscheiden alles gemeinsam. Sie unterschreibt nichts, ohne dass wir miteinander gesprochen haben - und ich sage ebenso nichts dazu. Man kann den Beruf nicht aus dem Privatleben raus halten. Das geht nicht.

Fliegen bei Ihnen zu Hause auch mal die Fetzen?

BORG: Ja.

Wer ist dann im Nachgang der ruhende Pohl und lenkt wieder ein?

BORG: Ich, ich lenk wieder ein. Das würde ich auch sagen, wenn die Birgit im Raum ist.

Andy Borg steht weder allein noch in Verbindung mit seiner Birgit so gut wie nie in den Schlagzeilen. An was mag das - mit Blick auf andere Musikkollegen - liegen?

BORG: Wenn ich jetzt in Ländern sprechen würde, würde ich sagen, ich hab eine krisensichere Währung. Ich hab das ganz, ganz große Glück, eine Partnerin zu haben, wo es passt. Auf das mit den Schlagzeilen kann ich sehr gut verzichten. Wir haben den Promistatus - aber von dem was die ganz Großen haben, sind wir weit entfernt. Wenn ich in Passau durch die Fußgängerzone gehe, heißt es höchstens Griß de Andy. Ich möchte mit Tokio Hotel nicht tauschen.

Sie haben aus erster Ehe zwei Kinder. Gelegentlich kommt in der Presse die Frage nach einem weiteren Kind auf. Ist der Wunsch vorhanden?

BORG: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, nein um Gotteswillen keine Kinder. Unser Leben ist so von Glück erfüllt. Ich finde, Kinder kriegen ist eine reine Privatsache. Wir schmunzeln immer, wenn zum Beispiel in der Zeitung steht: Baby im Herbst, wird es ein Mädchen?

War Andy Borg ein guter Schüler?

BORG: Nein. Ich war kein schlechter Schüler. Aber es war immer so, dass die Lehrer beim Elternsprechtag gesagt haben, er könnte bessere Noten haben, wenn er wollte.

Wie kam Andy Borg dann zur Musik?

BORG: Ich habe mit sieben Jahren von meinen Eltern ein gebrauchtes Akkordeon bekommen. Dann hab ich gesehen, dass sich die Oma darüber freut, wenn ich ihr ein bisschen vorspiele. Dann sind die Eltern und der Verwandtenkreis dazu gekommen. Es sind dann immer mehr geworden, und ich habe mich darüber gefreut, wenn die Leute klatschten. Ich habe dann in der Schule in der Bande mitgespielt. Später hab ich mir dann beigebracht, ein wenig Schlagzeug und Gitarre zu spielen.

Wann war dann der erste öffentliche Auftritt?

BORG: Mein allererster Musikauftritt mit der Schule, da war ich zwölf Jahre. Das war lustigerweise im Amtshaus, in dem ich dann später meine Frau geheiratet habe.

Womit hat Andy Borg sein erstes Geld verdient?

BORG: Mit lieb gucken. Da hab ich dann von Oma und Opa immer ein paar Schillinge bekommen

Gibt es etwas, das Andy Borg in den nächsten Jahren unbedingt noch machen möchte?

BORG: Alles soll so bleiben, wie es ist - das ist mein größtes Ziel.

Was bringt Sie so richtig in Rage?

BORG: Lügen.

Es gibt nur noch wenige Fernsehshows mit volkstümlicher Musik oder deutschen Schlagern. Eine davon ist Ihr Musikantenstadl. Hat der Stadl die Person Andy Borg verändert?

BORG: Beruflich auf jeden Fall, weil ich sehr, sehr viel dazu gelernt habe. Und menschlich muss ich sagen, wenn ich die Frage jetzt höre, eigentlich auch. Meine Kollegen, mit denen ich 20 Jahre auf der Bühne gestanden bin, haben mich immer als Kollege gesehen. Seitdem ich den Stadl moderiere, haben einige gedacht, sie müssen mich mit Samthandschuhen anfassen. Aber das habe ich ihnen schnell wieder abgewöhnt.

Wenn der Stadl im Fernsehen dem Rotstift zum Opfer fällt, was macht Andy Borg dann?

BORG (Lacht): Nichts anderes als jetzt auch, außer dass ich diese Wochenenden, wo der Stadl stattfindet, dann frei hätte. Mich persönlich als Mensch würde dies überhaupt nicht aus der Bahn bringen. Ich bin schon einmal dem Rotstift zum Opfer gefallen, es war die Schlagerparade der Volksmusik, die habe ich sehr gerne gemacht und hätte sie gerne bis zu meinem Lebensende gemacht. Diese Sendung hat meiner Wiener Mentalität entsprochen. An dem Wegfall habe ich lange geknabbert und habe gedacht, um Gottes willen jetzt ist alles zu Ende. Dann hat mir aber das Leben gezeigt, dass es nicht so ist. Wenn der Stadl wirklich wegfallen würde, dass wäre sehr, sehr schade, sicherlich nicht nur für mich, sondern auch für das ganze Team und die fünf Millionen Zuschauer. Mich würde es zwar traurig machen, aber ich hätte sicher weiter meine Auftritte.

Was ist Ihrer Ansicht nach der Grund, dass die volkstümlichen Shows im Fernsehen verschwinden?

BORG: Wir, die in der Branche sind, uns fällt dies natürlich total auf, weil das zum Alltag dazu gehört. Die Welt, die Menschen und das Leben ändern sich ständig, und da fällt auch mal was zum Opfer. Den einen triffts mehr, den anderen weniger, den einen freuts sogar, dass die Volksmusik endlich verschwindet, aber das ist ebenso im Leben. Man darf aber nicht immer gleich den Finger heben und schimpfen. Das hat eben mit der Veränderung der Zeit zu tun.

Sie gehen jedes Jahr auch mit dem Musikantenstadl auf Tournee. Wo ist für Sie der Unterschied zwischen dem Fernseh-Stadl und dem Tournee-Stadl?

BORG: Es gibt einen ganz wichtigen Unterschied für mich. Beim Fernsehen reizt mich dieses Exakte und bei der Tour treffen sich Menschen, die die gleiche Musik mögen und plaudern miteinander. Es ist nicht so geprobt und durchgestylt wie beim Fernsehen.

Suchen Sie die Musikkollegen und die Veranstaltungsorte für den Tournee-Stadl mit aus?

BORG: Nein. Da gibt"s Menschen, die bezahlen die Musik und die bestimmen dann, wer spielt. Da gibt"s Leute, die ins Risiko gehen. Ich kenn die Leute alle und jeder geht eben doch gerne mit mir auf Tournee. Was mir in den letzten Jahren ein Dorn im Auge war, das haben wir aber geändert, sind diese riesengroßen Arenen wie Dortmund, Oberhausen, Wien. Da passen 10 000 Menschen hinein, aber zu uns kommen im Schnitt 2000. Wir haben ab diesem Jahr kleinere Hallen. Für unsere Musik ist es wichtig, dass man sie persönlich kennen lernt und nicht auf den Videowänden anschaut.

Wo oder wie unterscheidet sich Andy Borg von seinem Stadl-Vorgänger Karl Moik?

BORG (Schmunzelt): Ich bin einen Kopf kleiner! Ich hab den Stadl nicht erfunden, ich bin in ein gemachtes Nest gesetzt worden. Der Karl hat alles selber gemacht, das könnte ich gar nicht, da bin ich mir zu unsicher. Er ist der Erfinder des Stadls und ich bin nur der Moderator, fühl mich in der Rolle aber sehr wohl.

Was macht denn Andy Borg in seinem Leben nach Gesang und Moderation?

BORG: Ich werde meinen Garten pflegen. Seit wir bei Passau wohnen, hab ich einen schönen Garten. Ich hab in diesem Jahr zum ersten Mal Äpfel geerntet und sogar einen Pfirsich. Ich bin so a richtiger Gartler.

Wie sieht die Freizeitgestaltung bei Andy Borg aus? Sport, Theater, Relaxen?

BORG: Alles, so wie Musik. Ich höre auch nicht nur Schlager oder Volksmusik. Ich höre wirklich alles. Ab und zu gehen wir in die Dreiländerhalle, wenn zum Beispiel die Seer auftreten oder Florian Silbereisen.

Sie haben es im Stadl regelmäßig mit Nachwuchs zu tun, tauchen aber nie als Mentor oder Förderer von so einem jungen Menschen auf. Hat dies einen besonderen Grund?

BORG: Ja, weil ich nicht ungerecht sein möchte. Das sind ja alles Menschen - und ich möchte nicht einen davon bevorzugen.

Wenn heute ein junger Mensch in die harte Branche des Showgeschäfts einsteigen will, was würden Sie ihm mit auf den Weg geben?

BORG: Wenn er nur berühmt werden möchte, soll er zum Supertalent gehen. Da kann man berühmt werden, womit auch immer. Aber wenn er Musik machen möchte, würd ich ihm den Tipp geben, erstmal mit tiefster Seele auf der Bühne stehen und dann mit den Konsequenzen zu leben, dass sich eben fremde Menschen in deinen Lebensweg einmischen. Genauso, dass fremde Menschen über dich bestimmen. Eigentlich würde ich ihm gar nichts sagen, wenn ich merke, dass derjenige das gerne macht.

Am 25. Januar sind Sie mit der Tournee in Göppingen. Ist Ihnen die Stadt bekannt?

BORG (Überlegt): Ich war schon in Göppingen. Ich glaub mit den Lustigen Musikanten. Aber ich werd Göppingen bestimmt kennen lernen.

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